Samstag, 1. September 2018

SC Victoria Hamburg II - SC Sperber 4:1

Bezirksliga Nord Hamburg
Stadion Hoheluft
Zuschauer: ca. 50

Der heutige Tag wurde in Hagenbecks Tierpark verbracht. Es ist der einzige Tierpark in Deutschland der ohne Zuschüsse auskommt, da er in Privatbesitz ist. Hier kann man 1860 Tiere auf 19 Hektar beobachten, er war 1907 der erste Tierpark weltweit der ohne Zäune auskam. Nachdem die Tochter  auf ihre Kosten kam, ging es für uns endlich zum Fußball.

Das Stadion von Victoria wollte ich schon lange wieder einmal besuchen. Es ist ein klassisches Fußballstadion in Vereinsbesitz, das recht zentral zwischen den dichtbesiedelten Stadtteilen Hoheluft und Eppendorf liegt. Schon von aussen schlägt das Herz des Stadionnostalgikers höher, beim Anblick der fünf, in Vereinsfarben blau-gelb gestrichenen Kassenhäuschen. Seit 1907 kickt der SC Victoria hier und es ist somit eine der ältesten deutschen Vereinsanlagen. Zur Eröffnung wurde der amtierende Deutsche Meister VfB Leipzig mit 5:2 besiegt. 
1909 entstand Norddeutschlands erste überdachte Tribüne, welche 1921 niederbrannte. Vermutlich aus Brandstiftung. Die neue Tribüne wurde am 15.10.1922 eingeweiht und ist somit eine der ältesten deutschen Stadion-Tribünen. 
Im Zuge der Erfolge der Victorianer (1905 erster Nordmeister) avancierte der Ground zum “schönsten Fußballplatz Hamburgs“. 
Schön auch der hohe Stehwall der Gegengerade und die Stehstufen der Hintertorseite zum Lokstedter Steindamm. Hier holt sich die Natur durch Graswuchs die Traversen zurück. Leider ist auf einer Seite kein Ausbau mehr durch die Erweiterung des benachbarten Universitäts-Krankenhaus (UKE).
Leider hat man es nach meinem ersten Besuch 2007 für die Regionalliga renoviert und so stören die vielen Zäune doch erheblich. Eine Anzeigetafel wurde auch angebracht und auf der Holztribüne, auf der striktes Rauchverbot herrscht, blaue Schalensitze angebracht. Immer noch ein geiler Ground, obwohl er somit etwas an Charme eingebüßt hat. Auch ist seit kurzem Kuntrasen verlegt, auch um allen Mannschaften die Möglichkeit zu bieten im Stadion zu spielen.
Hier fanden schon 5 DFB-Länderspiele statt, der Zuschauerrekord von 37.000 wurde im Jahr 1948 im Endspiel um die Meisterschaft der Britischen Besatzungszone zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli (6:1) aufgestellt.
Heute sind nur noch 8.000 zugelassen.
Mein erster Gang führte mich in die “Victoria-Klause“ im Bauch der Tribüne um ein Bier zu holen. Ein liebevoll gestaltetes Kleinod mit rustikaler Holzausstattung und Vereinsdevotionalien. Genauso muss eine Stadionkneipe ausschauen. Herrlich, denn hier ist die Zeit noch stehen geblieben und man hat es Gottseidank noch nicht zu einer Lounge wie zb. bei Paloma modernisiert.
Bei meinen ersten Besuch hieß der Wirt noch Walter Frosch. St. Pauli-Legende, Kettenraucher und absolutes Original. Leider ist er mittlerweile schon verstorben.
Gern erinnere ich mich an das Zechgelage damals nach dem Derby Vicky gegen Cordi...
Die angebotene Currywurst ist vor allem durch die klasse Sauce zu empfehlen.
So genoss ich den Aufenthalt, hier in diesem Kultstadion in vollen Zügen und wanderte mehrmals hin und her.
Leider spielte heute nur die zweite Garnitur Vickys, welche den Gast SC Sperber aus Alsterdorf mühelos bezwang. 
Übrigens ist der Ground “Hamburgs Wembley“, denn jedes Jahr findet hier traditionell das Hamburger Pokalfinale statt.
Ich kann jedem Hopper der einen Besuch hier ans Herz legen.
Denn hier atmet man förmlich Hamburger  Fußball-Geschichte
Im Gegensatz zu gestern und morgen

Text/Fotos: Pressi