Samstag, 22. September 2018

FC Thun - FC Sion 4:1

Super League
Arena Thun
Zuschauer: 6177 (ca. 400 Gäste)

Erst drei Wochen nach der Tour nach Lugano und Luzern stand wieder einmal die Schweiz auf der Agenda! Während ich das Jahr 2018 nur mit zwei Grounds in der Schweiz begonnen habe, sind es inzwischen durch drei Aufenthalte 6 Kreuze mehr geworden. Inzwischen habe ich auch fest im Visier die erste Liga zu komplettieren, was bei lediglich 9 verschiedenen Grounds ja auch keine besonders schwierige Angelegenheit darstellt.  Für den ersten Tag plante ich den Besuch in Thun und so startete ich kurz vor halb 6 mit dem Zug in die Schweiz. In Frankfurt bemerkt ich, dass mein ICE nach Basel ausgefallen ist. Es war aber dann schlussendlich halb so schlimm bzw. nicht mit dem Chaos auf der Rückfahrt zu vergleichen, denn schon 40 Minuten später ist einer sogar direkt bis ins Berner Oberland durchgefahren.

So bin ich kurz nach eins in der drittgrößten Stadt des Kantons Bern angekommen. Zunächst ging es für mich zum Schloss Schadau, das im gleichnamigen Park direkt am Thuner See liegt. Der See war eigentlich auch mein Hauptziel gewesen, denn die Aussicht hier mit den Alpen im Hintergrund ist einfach genial. Nicht umsonst wurde der See mit seinem Panorama als Weltnaturerbe ausgezeichnet. Eine Zeit lang entspannte ich mich hier und setzte meine Erkundungstour dann in der Altstadt fort. Diese konnte mich selbstverständlich auch überzeugen, denn in der Schweiz hat gefühlt jede Stadt was zu bieten. Es geht dann eigentlich nur darum, ob sie mehr oder weniger schön ist, aber nett sind sie alle. Thun ist in meiner Liste zumindest in der oberen Hälfte anzusiedeln. Nach dem Sightseeing und nachdem das verbotene Zeug im Gebüsch deponiert wurde, ging es dann schon frühzeitig mit dem Shuttle zum Stadion. Die Arena Thun, die seit 2014 einen Sponsorennamen trägt, wurde 2011 fertiggestellt und ersetzte damit die frühere Heimspielstätte das Stadion Lachen, das nur mit Sondergenehmigung für die erste Liga zugelassen wurde. Mit einer Kapazität von 10 000 ist dies das zweitkleinste Stadion der Super League. Bei der Einwohnerzahl von ca. 43 000 ist diese aber auch völlig ausreichend. Von der Architektur jetzt ein übler Standardkasten, noch dazu mit Kunstrasen, aber wenigstens macht der Ausblick von der Gegengerade auf die Berge was her. Der FC Thun wurde erst nach der letzten Jahrtausendwende richtig erfolgreich. Während man davor nur eine Saison in der Mitte der 50ern Erstklassigkeit genießen konnte, haben sich die Rot-Weißen seit 2002 mehr oder weniger in der Super League etabliert. In den Jahren 2005 und 2013 hat man sogar die Gruppenphase der Champions League bzw. der Europa League erreicht. Aktuell läuft es auch gut für die Thuner und man kämpft um die Europapokalplätze, wobei die laufende Saison noch jung ist und dies auch nicht unbedingt was zu bedeuten hat. Zu Gast war heute der FC Sion, der aus dem französischsprachigen Teil des Landes stammt. Qualitativ sind die beiden Fanszenen von Sion und Thun jeweils ähnlich aufgestellt, sodass ich mich heute auf ein gleichmäßiges Duell auf den Rängen freute. Dem war es auch so, wobei die beiden Gruppen sich vom Stil her stark unterschieden… Während die Heimkurve deutsches Liedgut verwendete, waren die Gäste logischerweise viel mehr französisch geprägt. Gesangtechnisch konnten mal die einen und mal die anderen überzeugen, wobei jetzt niemand von beiden was eine außergewöhnliche Leistung brachte. In der Halbzeitpause kam ein Orchester auf das Spielfeld und die beiden Ultras-Gruppen protestierten jeweils auf ihre eigene Weise: Während die Sioner die Viertelstunde durchsupporteten, gab es von den Thunern einen Mix aus Support und Pfeifkonzert, abwechselnd jeweils. Obwohl die Normalos noch vor dem Spiel über die verteilten Blätter über die Protestaktion und ihre Gründe informiert wurden, wurde die Aktion von dem Publikum trotzdem doch negativ aufgenommen. Dadurch wird natürlich auch wenig erreicht, denn nur bei der Beteiligung der Maßen kann ein Protest tatsächlich was bewirken. In der zweiten Halbzeit zeigten sich die Gäste trotz des Untergangs ihrer Mannschaft immer noch in Partystimmung und brachten sogar eine durchaus nette Pyroaktion, mit der ich heute ja so gar nicht gerechnet hatte. Insgesamt war also der Besuch in Thun ganz gut gewesen und nach dem Schlusspfiff konnte schon bald die Zugfahrt weiter zur Übernachtung in Bern angetreten werden. Dabei wurde am Bahnhof noch der Gästeanhang beim Antreten der Rückfahrt nach Sion beobachtet.

Text/Fotos: Шаффи