Super League
Arena Thun
Zuschauer: 6177 (ca. 400 Gäste)
Erst drei Wochen nach der Tour nach Lugano und Luzern stand wieder einmal die
Schweiz auf der Agenda! Während ich das Jahr 2018 nur mit zwei Grounds in der
Schweiz begonnen habe, sind es inzwischen durch drei Aufenthalte 6 Kreuze mehr
geworden. Inzwischen habe ich auch fest im Visier die erste Liga zu
komplettieren, was bei lediglich 9 verschiedenen Grounds ja auch keine
besonders schwierige Angelegenheit darstellt. Für den ersten Tag plante ich
den Besuch in Thun und so startete ich kurz vor halb 6 mit dem Zug in die
Schweiz. In Frankfurt bemerkt ich, dass mein ICE nach Basel ausgefallen ist. Es
war aber dann schlussendlich halb so schlimm bzw. nicht mit dem Chaos auf der
Rückfahrt zu vergleichen, denn schon 40 Minuten später ist einer sogar direkt
bis ins Berner Oberland durchgefahren.
So bin ich kurz nach eins in der
drittgrößten Stadt des Kantons Bern angekommen. Zunächst ging es für mich zum
Schloss Schadau, das im gleichnamigen Park direkt am Thuner See liegt. Der See
war eigentlich auch mein Hauptziel gewesen, denn die Aussicht hier mit den
Alpen im Hintergrund ist einfach genial. Nicht umsonst wurde der See mit seinem
Panorama als Weltnaturerbe ausgezeichnet. Eine Zeit lang entspannte ich mich hier
und setzte meine Erkundungstour dann in der Altstadt fort. Diese konnte mich
selbstverständlich auch überzeugen, denn in der Schweiz hat gefühlt jede Stadt
was zu bieten. Es geht dann eigentlich nur darum, ob sie mehr oder weniger
schön ist, aber nett sind sie alle. Thun ist in meiner Liste zumindest in der
oberen Hälfte anzusiedeln. Nach dem Sightseeing und nachdem das verbotene Zeug
im Gebüsch deponiert wurde, ging es dann schon frühzeitig mit dem Shuttle zum
Stadion. Die Arena Thun, die seit 2014 einen Sponsorennamen trägt, wurde 2011
fertiggestellt und ersetzte damit die frühere Heimspielstätte das Stadion
Lachen, das nur mit Sondergenehmigung für die erste Liga zugelassen wurde. Mit
einer Kapazität von 10 000 ist dies das zweitkleinste Stadion der Super League.
Bei der Einwohnerzahl von ca. 43 000 ist diese aber auch völlig ausreichend.
Von der Architektur jetzt ein übler Standardkasten, noch dazu mit Kunstrasen, aber wenigstens macht der Ausblick von der Gegengerade auf die Berge was her. Der FC Thun wurde erst nach der letzten Jahrtausendwende richtig
erfolgreich. Während man davor nur eine Saison in der Mitte der 50ern
Erstklassigkeit genießen konnte, haben sich die Rot-Weißen seit 2002 mehr oder
weniger in der Super League etabliert. In den Jahren 2005 und 2013 hat man
sogar die Gruppenphase der Champions League bzw. der Europa League erreicht.
Aktuell läuft es auch gut für die Thuner und man kämpft um die
Europapokalplätze, wobei die laufende Saison noch jung ist und dies auch nicht
unbedingt was zu bedeuten hat. Zu Gast war heute der FC Sion, der aus dem
französischsprachigen Teil des Landes stammt. Qualitativ sind die beiden
Fanszenen von Sion und Thun jeweils ähnlich aufgestellt, sodass ich mich heute
auf ein gleichmäßiges Duell auf den Rängen freute. Dem war es auch so, wobei
die beiden Gruppen sich vom Stil her stark unterschieden… Während die Heimkurve
deutsches Liedgut verwendete, waren die Gäste logischerweise viel mehr
französisch geprägt. Gesangtechnisch konnten mal die einen und mal die anderen
überzeugen, wobei jetzt niemand von beiden was eine außergewöhnliche Leistung
brachte. In der Halbzeitpause kam ein Orchester auf das Spielfeld und die beiden
Ultras-Gruppen protestierten jeweils auf ihre eigene Weise: Während die Sioner
die Viertelstunde durchsupporteten, gab es von den Thunern einen Mix aus
Support und Pfeifkonzert, abwechselnd jeweils. Obwohl die Normalos noch vor dem
Spiel über die verteilten Blätter über die Protestaktion und ihre Gründe
informiert wurden, wurde die Aktion von dem Publikum trotzdem doch negativ
aufgenommen. Dadurch wird natürlich auch wenig erreicht, denn nur bei der
Beteiligung der Maßen kann ein Protest tatsächlich was bewirken. In der zweiten
Halbzeit zeigten sich die Gäste trotz des Untergangs ihrer Mannschaft immer
noch in Partystimmung und brachten sogar eine durchaus nette Pyroaktion, mit
der ich heute ja so gar nicht gerechnet hatte. Insgesamt war also der Besuch in
Thun ganz gut gewesen und nach dem Schlusspfiff konnte schon bald die Zugfahrt
weiter zur Übernachtung in Bern angetreten werden. Dabei wurde am Bahnhof noch
der Gästeanhang beim Antreten der Rückfahrt nach Sion beobachtet.
Text/Fotos: Шаффи
























