I Liga
Stadion Miejski
Zuschauer: 4544 (ca. 70 Gäste)
Da ich momentan knapp bei Kasse bin, aber trotzdem ins Ausland wollte, rückte mein bevorzugtes Reiseziel Tschechien wieder in den Fokus. Doch irgendwie fand ich für den Samstag keinen zufriedenstellenden Doppler. So schielte ich nach Polen. Dort wollte ich doch schon lange mal wieder vorbei schauen. Habe ich doch dort erst einen Ground und sowas mag ich überhaupt nicht. Denn man kann den Fußball in einem Land sicher nicht nach einem Spiel beurteilen und es schaut auch in der Statistik blöde aus.
Mit Hilfe von Polen-Kenner Shaffi legte ich mir einen Doppler zurecht, beim Unterfranken-Derby in Schweinfurt wurde mir von Ihm und Johannes aus Tychy aber davon abgeraten, da dort nix los sein werde und ich lieber nach Krakow sollte.
Doch da ich schon für den Sonntag Havirov als festes Ziel auserkoren hatte und schon einiges gebucht hatte, blieb ich dabei. Bin ja sicherlich kein Rosinenpicker.
Da mir die angebotenen Busse zu teuer waren, rückte eine Mitfahrgelegenheit in mein Blickfeld. Ist auch das erste Mal, dass ich sowas mache seitdem es diese Plattform gibt. Ich fahre einfach ungern Auto und gebe mein Leben auch widerwillig fremden Leuten in die Hand. Ausserdem kann derjenige die Fahrt auch noch kurz vorher einfach absagen und dann steht man blöde da.
Mein Fahrer Miroslaw wartete mit einem Kumpel in Uffenheim am Bahnhof auf mich. Er arbeitet hier als LKW-Fahrer und fährt jedes Wochenende in seine Heimatstadt Gliwice, wo seine Frau und seine beiden Töchter leben. Auch sehr hart, seine Familie nur knapp 2 Tage zu sehen und dafür jedesmal 800 Kilometer einfache Wegstrecke abzureissen. Doch hat er bald Schlechtwetter und kann dann wenigstens für 3 Monate bei seiner Familie in Polen sein. Auch sein Fahrstil war für mich absolut okay.
Er war auch so nett mich direkt an meinem Hostel abzusetzen. Dort konnte ich mich dann gegen 2 Uhr für ein paar Stunden ablegen. Nach einem kurzen Abstecher zum Rynek in Gliwice und einem Frühstück machte ich mich mit dem Zug auf nach Tychy.
Das liegt 15 Kilometer südlich von Katowice, wo ich auch umsteigen musste.
1949 begann man im Gebiet um Tychy mit dem Steinkohlebergbau. Daher wurde die Stadt im Sinne des Realsozialismus umgebaut.
Trotz vieler Plattenbauten unterscheidet sie sich von anderen Städten des Oberschlesischen Industriereviers durch großzügig angelegte Grünflächen, Freizeitanlagen und breite Straßenalleen.
Auch wird die Fußball- und die sehr erfolgreiche Eishockeyabteilung des GKS Tychy von der Stadt untersützt, welche auch als "Stadt der Schlafzimmer" bekannt ist.
Prägender als der Bergbau war jedoch die Automobilfertigung für die Stadt. Das 1973 gegründete Fahrzeugwerk FSM (Fabryka Samachodow Malolitrazowych) wurde aber mittlerweile von Fiat übernommen und fertigt aktuell den Fiat 500 und den Ford Ka.
Seit dem 17. Jahrhundert wird in der Stadt Bier gebraut, durch das größte polnische Brauereiunternehmen die Komania Piwowarska. Diese braut hier auch das hervorragende „Tyskie“.
An der Aleja Bielska stieg ich aus und von dort sind es knapp 10 Minuten zum Ground. Das Stadion Miejski ist ein Neubau für 15.150 Zuschauer und schaut von aussen wie von innnen doch recht belanglos aus. Es steht an der Stelle des alten Stadions und hat Sitze in Vereinsfarben. Wiedererkennungsmerkmal von innen ist die Glasfront der Stadionlounge. Ansonsten nichts Besonderes, nur der Gästeblock ist direkt hinter dem Tor und nicht wie so oft in einer Ecke.
Als ich mir ein Bier (3,5 Prozent) geholt hatte, vernahm ich wie sich die Gäste lautstark ankündigten. Also erstmal hingelaufen und den Haufen von oben beobachtet. Diese waren mit zwei Bussen und einigen Autos angereist und wurden nach und nach eingelassen und kontrolliert. Waren aber alles Normalos oder sogenannte Picknick-Fans. Hools konnte ich keine ausmachen. Ist doch Podbeskidzie die klare Nummer 2 der Stadt nach Stal. Obwohl diese mittlerweile im unterklassigen Fußball verschwunden sind.
Die Heimszene beflaggte kurz vor Anpfiff ihren Block und das dauerte wie in Polen üblich bis in die 12. Spielminute. Sowas kann ich ja gar nicht verstehen, ist aber wohl deren Mentalität. Selbstverständlich wurde in der zweiten Halbzeit noch ein Spruchband neu aufgehangen und daraufhin natürlich wieder eine andere Fahne umgehangen.
Auch füllte sich der Heimblock nur mässig und dürfte maximal 200-300 Leute betragen haben. Auch waren keine Module auszumachen für die Tychy ja bekannt ist. Hab ich doch früher das Fanzine "Grenzgänger" verschlungen und dort wurde Tychy immer als Mob der Gestörten und Module bezeichnet. Johannes meinte die alten Hools hätten mittlerweile alle Stadionverbot.
Der Support war anfangs sogar von den Gästen besser, hätte ich auch nie gedacht, war aber so. Doch mit Spielverlauf liessen diese nach und Tychy war, ohne zu glänzen, klar überlegen.
Dachte ich doch immer der polnische Support würde mir gefallen mit seinen brachialen Stil, war das hier doch mehr so wie in Deutschland. Viel "Lololo", schlecht war es sicher nicht, aber nichts was mich vom Hocker gerissen hätte. Dafür hat man doch schon so einiges in seiner Fußballkarriere gesehen.
Bestes Lied war noch das "Will Griggs on fire" mit einem lauten "Ahuuuu" hintendran, hab ich auch noch nicht gehört.
In der Pause holte ich mir noch eine großes Zapiekanka. Das ist eine halbierte Weißbrotstange, die mit Champignons und kleinen Zweibelstücken und einer Gewürz- und Kräutermischung verfeinert wird. Käse, Ketchup und Röstzwiebel drüber und fertig. War ganz in Ordnung und mal was Neues. Aber der viele, billige Ketchup hat das Geschmackserlebnis doch sehr gemindert.
Ansonsten wird hier auch der Wandel in Polen sichtbar, ein Familien- und Picknickpublikum, welche Popcorn konsumieren und sich auf den neuen Sitzen nicht mal ihre Hosen schmutzig machen.
So wird durch ein neues Stadion praktisch das Publikum ausgetauscht und erzogen, denn wären diese in ein baufälliges Stadion ohne Dach gekommen ? Ich denke nicht, aber dieser Trend ist ja überall zu beobachten wo neu gebaut worden ist.
Oder wären früher kleine Kinder, Frauen und Normalos im Zentrum von Tychy´´s Haufen gestanden ???
Ich finde einfach solche Arenen passen am allerwenigsten in die (ehemals ?) raue Welt des polnischen Fußballs und seit der EM 2012 hat auch mein Interesse an Polen irgendwie stark nachgelassen.
Denn heute muss man schon Fachmann sein um zu wissen bei welchem Spiel noch was geboten ist, denn hier werden ja auch mal Auswärtsfahrten komplett verboten.
Eröffnet wurde das Stadion übrigens 2015 mit einem Spiel gegen den 1.FC Köln. Und zwar weil man in der Saison 1976/77 in der ersten Runde des UEFA-Cup aufeinandertraf. Ansonsten sind außer der Vizemeisterschaft 1976 und den regionalen schlesischen Verbandspokalsiegen 1983/84, 2004/05 und 2006/07 keine Erfolge in der Vereinshistorie zu finden.
Im Spiel ging der Gast mit einem Doppelschlag kurz vor der Pause mit 2:0 in Front, doch in der zweiten Halbzeit konnte Tychy innerhalb von zehn Minuten ausgleichen.
Als Podbeskidzie kurz vor Schluss mit einem Elfmeter am Keeper scheiterte gab es im Stadion kein Halten mehr.
Für mich ging es nach Schlusspfiff mit dem Zug weiter nach Rybnik.
Text/Fotos: Pressi














































