Samstag, 29. September 2018

NK Hajduk Split - GNK Dinamo Zagreb 0:0

Prva HNL
Stadion Poljud
Zuschauer: 21 472 (ca. 800 Gäste) 


Eine ganz besondere Fanszene, die mich in der Vergangenheit schon immer interessiert hat, ist die Torcida aus Split. An sich war ich wenig mit der Truppe vertraut, aber die Tatsache, dass die Gruppe als erste Ultras des Kontinents angesehen wird, ist für einen Hopper natürlich schon was Feines. Mit dem Verein Hajduk an sich sympathisiere zudem auch noch, da dieser in den typischen Verhältnissen eines Ostblocklandes gegen einen machtstarken Hauptstadtclub kämpfen muss. Als Spiel eignete sich somit perfekt das Vječni derbi (Das ewige Derby) gegen Dinamo Zagreb. Lustigerweise trägt diese Bezeichnung jedes Derby der Balkanländer, das zwischen den fantechnisch stärksten Vereinen des Landes ausgetragen wird.
Mit Ryanair startete ich somit am Freitagnachmittag nach Dalmatien, die südlichste Region Kroatiens. Trotz dem Personalstreik in mehreren Ländern, auf den ich schon gar keine Lust hatte, lief der Flug von Frankfurt nach Zadar ganz regulär. In der zweitgrößten dalmatischen Stadt war ich gegen den späten Nachmittag angekommen. Nach dem Einchecken im Hostel wurde schon gleich das Lokal Konoba Bonaca aufgesucht. Für mich gab es die Scampi na buzaru (geschmorte Garnelen in Tomaten-Weißwein-Sauce). So was esse ich doch sehr gerne! Das Land des amtierenden Vizeweltmeisters ist trotz seiner überschaubaren Größe sehr unterschiedlich, was sich auch in der Küche bemerkbar macht. So genießt man in der dalmatischen Region eher die mediterrane Küche, während man in anderen Teilen des Landes mehr auf die balkantypischen Grillteller steht. Um es vorwegzunehmen, habe ich in den 5 Tages meines Aufenthaltes lediglich am letzten Tag Fleisch gegessen, während an den restlichen Fisch oder Meeresfrüchte durchprobiert wurden. Schließlich schaute ich mir noch etwas die Stadt an, aber jetzt nicht intensiv, denn ich sollte nochmal nach Zadar vor dem Rückflug genug Zeit haben. Am Samstagmorgen ging es früh aus der Kiste zum Busbahnhof, wo auf mich schon der Bus nach Split wartete. In der zweitgrößten Stadt des Landes angekommen gab es das übliche Programm vom Vortag: Hostel, Sightseeing und Mahlzeit. Diesmal war aber durchaus mehr Zeit drin, um sich der Stadt zu widmen, denn das Spiel war erst um 16:30. Dennoch ging es frühzeitig zum Stadion Poljud, um das Fußballambiente vor dem wichtigsten Spiel des Landes zu genießen. Der Ground, der ein Fassungsvermögen von ca. 35000 aufweist, wurde zu den Mittelmeerspielen 1979 eröffnet. Mit seiner Bauweise erinnert es einen an eine riesige offene Muschel. Obwohl das Stadion schon sehr futuristisch wirkt, ist es in keinster Weise geleckt bzw. steril. An der einen oder anderen Ecke ist Poljud etwas in die Jahre gekommen, sodass es dadurch schon echt Charme hat. Die offenen Kurven und die Landschaft auf der einen bzw. das Hochhaus auf der anderen Seite runden das Flair noch ab. In der Umgebung befinden sich noch einige schöne Graffitis. In Sachen Streetart ist die Torcida super aufgestellt, sodass ich in Dalmatien immer wieder Gemälde der Ultras zu sehen bekam. Frühzeitig im Stadioninneren angekommen waren die Gäste noch nicht zu sehen, während die Heimkurve schon den Zaun mit großen schönen Stoffen aufflaggte und sich gut immer mehr mit Leute füllte. Für die Gästemannschaft und die „Unparteiischen“ gab es zunächst ein ordentliches Pfeifkonzert, das sich jedoch auch schnell beruhigte. Mit dem Anpfiff waren auch die Zagreber eingerückt, welche nach und nach in ihren Block reinmarschierten. So richtigen Hass hat es mit der Ankunft der Gäste von beiden Seiten nicht gegeben. Die Hausherren legten erst kurz vor Anstoß los mit dem Support. Ohne größere Pausen wurde das Spiel durchsupportet, meistens wurden die Lieder geschlossen und in guter Lautstärke vorgetragen. Den Stil empfand ich als ein Mix aus langsamen Melodien wie in Polen sowie dem melodiösen Gesang der Italiener. Optisch gab es von der Torcida zunächst leider nichts zu sehen. Erst im zweiten Durchgang startete man eine Pyroaktion. Für die Hajduker Verhältnisse war es sicherlich keine besonders gelungene Kurvenshow, aber dennoch besser als nichts. Kurz danach versuchten die Hausherren mit Werfen der Bengalos und lautstarken Böllern den Schiedsrichter zu provozieren, doch dieser ließ keine längere Unterbrechung zu und ließ schon gleich wieder weiterspielen. In Deutschland würde dies bestimmt nicht so harmlos ausgehen, aber auf Balkan läuft es eben noch anders... Während der Aktion flog auch aus dem Gästeblock ein Bengalo auf das Spielfeld. Sonst gab es aber auch nichts von berühmt berüchtigten Bad Blue Boys. Diese sind nach der Inhaftierung vom inzwischen Ex-Präsidenten ihres Vereins Zdravko Mamić wieder aktiv, dennoch aber immer noch weit von ihrem alten Glanz entfernt. Ihr Block in Split war ganz gut gefüllt, wobei es angeblich nicht alle nach Split geschafft hatten und auf der Autobahn von Polizei aufgehalten wurden. Der geschlossene Support ihrerseits ging schon in Ordnung, wobei durch die Stärke der Hausherren die Zagreber eher selten vernommen werden konnten. Insgesamt muss ich aber dann doch ein schwaches Derby zugestehen, denn es gab an diesem Nachmittag einfach deutlich zu wenig optischer Aktionen, wie man es bei einem solchen Spiel erwartet, zu bewundern.

Text/Fotos: Шаффи

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