Sonntag, 30. September 2018

Hamburger Sport-Verein - FC St. Pauli 0:0

2.Bundesliga
Volksparkstadion
Zuschauer: 57.000 (5000 Gäste)

Derbytime in Hamburg!
Schon seit Wochen brodelte es in der Stadt und man fieberte auf beiden Seiten dem 100. Hamburger Stadtderby entgegen.
Beide Verein liegen geopraphisch so nah beieinander und sind doch so weit voneinender entfernt. Denn jeder Verein hat seine eigene Identität gefunden und wird von seinen Fans heiß und innig geliebt.

Nachdem die letzten beiden Stadtderbys vor sieben Jahren meiner Meinung nach, im Stadion eher mau waren, positionierten sich beide Parteien schon im Vorfeld.
Schon im April verhinderten HSV-Fans eine Party für die Fanszene von St. Pauli, indem sie vereinzelt Jagd auf Besucher machten und Eingänge blockierten. 
Per Spruchband forderten HSV-Hooligans die Gegenseite erst zu einem Match 100 vs.100 auf, da diese sich seit Jahren nicht stellen würden. Eine Woche später gab es eine "Happy Hauer"-Aufforderung zu einem 50 vs. 100.
Es wurde sich auch auf beiden Seiten auch mehrmals auf feindlichem Gebiet gezeigt. Höhepunkt dürfte der Überfall von etwa 30 motivierten Paulianern auf 6 übrig gebliebene HSVér, die an einer Choreo bastelten, gewesen sein  Dabei sollen Zwei krankenhausreif geprügelt und Teile der Choreographie beschädigt worden sein.
Selbst ich hatte Probleme mir ien Ticket zu sichern und es musste über ein Hintertürchen noch zwei Tickets besorgt werden. Gut wenn man Kontakte hat. Den Preis von 37€ für den billigsten Sitzplatz empfinde ich allerdings als Frechheit. Einer AG geht es halt nur um Gewinnoptimierung.
Die Gäste trafen sich um 9 Uhr am Millerntor, wo auch ein mit 15.000 Zuschauern ausverkauftes Public-Viewing stattfand. Von dort marschierten sie zu den Landungsbrücken. Von dort ging es mit Sonder-S-Bahnen nach Bahrenfeld, um von dort die restlichen vier Kilometer zum Volkspark zu marschieren. Auf den S-Bahn-Bahnhof Bahrenfeld wurde am Vorabend ein Buttersäuere-Attentat verübt, so lag den ganzen Vormittag ein übler Gestank in der Luft.
Die Heimseite läutete das Wochenende am Samstag mit einem Trainingsbesuch von über 2.000 Leuten ein, um die Mannschaft nochmals zu motivieren. Am Abend traf man sich rund um den Hans-Albers-Platz, um sich in den Kneipen auf das Derby einzustimmen.
Für mich startete der Derbytag gegen Mitternacht um mit der üblichen Verspätung in die Hansestadt zu starten. Pünktliche Flixbusse sind so selten wie eine funktioniernder Videobeweis in der Bundesliga !
Gegen halb Acht traf man sich mit einem Exil-Würzburger zum traditionellen Frühstück im Schweinske, bevor es auf den Kiez ging um sich dort bei Bier und Cider auf das Spiel einzustimmen. Grüße an die Stockport County-Lads !
Gefühlt stand alle zehn Meter ein Polizeibus, sodass schon eine fast gespenstische Ruhe auf der Reeperbahn herrschte. Die Polizei selbst hatte ja angekündigt mit 1800 Beamten, Pferdestaffel und Wasserwerfer für Ordnung zu sorgen.
Auch im Stadionumfeld empfand ich es ruhiger als sonst, was wohl auch der Anspannung aufs Derby geschuldet sein dürfte.
Auf der Heimseite gab es zu Spielbeginn eine Choreo zu sehen, auf der eine Blockfahne mit "1887" und "Hamburger Sport-Verein" im Mittelpunkt stand. Auf Ihr waren die größten Vereinserfolge zu sehen.
Im Spruchband "Probiert es noch so verzweifeifelt - Unsere Größe ist in Stein gemeißelt" war leider im Wort "verzweifelt" ein Schreibfehler drin, der wohl auf der Gegenseite für Lacher gesorgt haben dürfte.
Im Oberrang wurde mit metallic-blaue Fahnen gewedelt, während im Unterrang schwarze Pappen empor gereckt wurden. Dort gab es noch kleinere Fahnen auf denen Comic Figuren mit Sprechblasen wie "Volkspark Bastards", "Rauten Schweine", "Rautenjagd" und "Genug ist genug" zu sehen waren. 
Die einzige Gedankenblase wurde mit dem Satz "Was denk ich mir heute für Lügen aus ?" gefüllt. Dazu wurden im Stadionrund noch Luftschlangen in Vereinsfarben geworfen.
Im Gästeblockhhing ein Banner mit "FCSP"-Schriftzug auf dem ein Totenkopf mit Schal zu sehen war zudem wurde eine braune Blockfahne mit "Sankt Pauli" hochgezogen unter der sich vermummt und anschliessend Pyro gezündet wurde. Abgerundet wurde das Ganze mit braunen Pimmel-Luftballons.
Zudem gab der Block mit einheitlichen weißen T-Shirts ein ordentliches Gesamtbild ab. Die Ultra-Szene hatte zudem ein Hooligan-H auf ihren Shirts. Was ich in Anbetracht der nicht angenommenen Aufforderung zum Ackermatch doch etwas seltsam empfinde.
Ganz übel fand ich auch die Zaunbeflaggung der Gäste, wo viele kleine Fetzen in Taschentuch-Format hingen, meistens von irgendwelchen befreundeten Szenen die anwesend waren.
In der zweiten Halbzeit wurden auf der Nordtribüne noch vereinzelt Bengalos gezündet. An einer Wäscheleine wurden noch gezogene St. Pauli-Artikel, wie Schals und Pullover präsentiert.
Die Stimmung im Stadion war mal wieder nicht Derbywürdig. Wobei man dem Gästeblock doch noch einen besseren Auftritt attestieren kann.
Auch das Spiel war schlecht und trug sicherlich auch dazu bei die Stimmung nicht überkochen zu lassen.
Ich besuche ja in letzter Zeit echt wenig Profispiele, denn ich fühl mich da einfach nicht gut aufgehoben. Die Stimmung ist ja meist oft gleich. Wenn ich mir das Publikum in den Stadien anschaue, weiß ich auch warum. 
Was ist nur aus dem Sport der Arbeiterklasse geworden? 
Heute geht man auch ins Stadion weil es einfach chic ist und ums sehen und gesehen werden. Diese Leute machen auch keine Stimmung, sondern höchstens ein Selfie für Ihren Instagram-Account. Auch die hohen Ticketpreise bewirken wie in England ja schon lange zu sehen, einen Austausch des Publikums.
Auch nach dem Spiel blieb es meines Wissens nach ruhig und nach einem kleinen Umtrunk ging es für mich, mit einem diesmal pünktlichen Bus, wieder nach Hause.

Text/Fotos: Pressi