Samstag, 1. September 2018

FC Lugano - FC Zürich 1:0

Super League
Stadio di Cornaredo
Zuschauer: 3348 (ca. 700 Gäste)


Der September sollte bei mir mit einer Tour in die Schweiz beginnen. Nachdem ich im April schon ein angenehmes Wochenende mit zwei starken Spielen in Zürich und St. Gallen verbracht hatte, war ich motiviert noch einmal im laufenden Jahr dahin zu reisen. Die Kultur und den Fußball dort finde ich eigentlich interessant genug und von den hohen Preisen dort kann man bei der guten Konstellation schon gut absehen.
Die Tour nach Lugano startete am Samstag kurz vor 7 Uhr. Ganze dreimal sollte ich umsteigen bis ich dann nach über 8 Stunden Fahrzeit am Ziel eintraf. Die größte Stadt des Kantons Tessins liegt im Süden des Landes, in der italienischen Schweiz. Die langwierige Zugfahrt konnte bei Lektüre von Fanzines doch sehr gut und durch die Planung der nächsten Touren sogar noch recht sinnvoll überbrückt werden.
In Lugano lag mein Hostel Montarina in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, sodass der Rucksack dort abgeladen wurde und es schnell auf die Erkundungstour ins Zentrum ging. Die Samstagspiele in der Schweiz beginnen nämlich immer um 19 Uhr, sodass ich dafür auch nicht allzu viel Zeit hatte. Lugano ist nicht umsonst die größte italienischsprachige Gemeinde außerhalb Italiens, denn hier fühlt man sich tatsächlich wie im beliebtesten Reiseziel der Deutschen. Auch die Luftlinie bis zur italienischen Stadt Como, die schon zur Agglomeration von Milan zählt, ist lediglich 24 km. Nur die Preisausschilderung in Schweizerfranken erinnert einen noch daran, dass man sich immer noch in der Schweiz befindet. Die Stadt überzeugt vor allem durch die schöne Seepromenade mit dem wundervollen Ausblick auf grünbewachsene Berge. Leider war es bei mir zeitlich nicht mehr drin die beiden Hügel Monte San Salvatore und Monte Brè besuchen, aber lässt sich bestimmt in der Zukunft nachholen. Der Kanton Tessin ist nämlich eher für Eishockey, als für Fußball bekannt. Mit dem Aufeinandertreffen vom HC Lugano und HC Ambrì-Piotta hat die Region auch ein ansehnliches Derby zu bieten. Die Zeit des Anpfiffs rückte näher und ich nahm den Bus zum Stadio di Cornaredo. Der Ground des FC Lugano sticht in der Super League von allen anderen Spielstätten architektonisch arg heraus. Er hat nicht diese typische kastenförmige Bauweise der modernen Stadien, sondern besitzt noch eine echte Kurve mit unüberdachten Stehrängen. Außerdem lässt sich die Aussicht sehen, wobei dieses Phänomen mehr oder weniger auch in anderen Erstligagrounds besteht. Das Spiel gegen den FCZ habe ich mir gezielt ausgesucht, denn in Lugano herrscht schon allgemein eine starke Abneigung gegen Zürcher. So gab es im Eishockey einige Aufeinandertreffen der beiden Städte, die mit Skandalen in die Geschichte eingegangen sind. Der Hass dürfte sich damit auch auf dem Fußball übertragen haben. So kam es heute, vor allem seitens der Hausherren, immer wieder zu Beleidigungen. Bei den schweizerischen Verhältnissen mit den vier Amtssprachen wirkte es zudem ganz lustig, wie die beiden Blöcke es jeweils in ihrer eigenen Sprache taten. Wie bereits erwähnt, ist Fußball hier in Tessin nicht der Sport Nummer Eins, sodass auch die Fanszene des FC Lugano recht klein und überschaubar wirkt. Es gibt auch keine Masse an Normalos, die in der Kurve mitziehen, sondern es sind wirklich nur die Ultras. Sie zogen ihr Ding auch den Umständen entsprechend gut durch, aber zeigten eben nichts Außergewöhnliches. Auf die Gästefans habe ich mich richtig gefreut und der Auftritt wurde dann schlussendlich den Erwartungen gerecht. Zum Intro wurde auf die Breite der Gästekurve ein riesiger Schal mit „FC Zürich“ ausgerollt. Das Gemalte sah total echt, wie gestrickt, aus. Der Support war, wie man es von der Südkurve auch gewohnt ist, originell. Da sind schon sehr kreative Gesänge vorhanden. Die „stundenlangi Fahrt“ oder „Sing so luut wie du nur chasch“ bleiben mir wohl für immer als Ohrwurm erhalten. Dabei muss ich zugeben, dass ich ursprünglich, bei meinem ersten Spiel des FC Zürich vor zwei Jahren, von ihrem Support nicht überzeugt wurde. Nur mit der Zeit konnte ich mich mit dem Stil doch gut anfreunden. In der zweiten Halbzeit, als es dunkel geworden war, zündeten die Gäste über einen längeren Zeitraum chaotisch Bengalos und Rauchtöpfe ab. Diese Pyroshow war schon ganz nett anzusehen. Daumen hoch!
Nach dem ertönten Abschlusspfiff ging es nun zu Fuß ins Hostel, wo noch am Bahnhof die Zürcher Meute beim Besteigen des Sonderzugs beobachtet werden konnte.


Text/Fotos: Шаффи