Super League
Stadio di Cornaredo
Zuschauer: 3348 (ca. 700 Gäste)
Der September sollte bei mir mit einer Tour in die Schweiz beginnen. Nachdem
ich im April schon ein angenehmes Wochenende mit zwei starken Spielen in Zürich
und St. Gallen verbracht hatte, war ich motiviert noch einmal im laufenden Jahr
dahin zu reisen. Die Kultur und den Fußball dort finde ich eigentlich
interessant genug und von den hohen Preisen dort kann man bei der guten
Konstellation schon gut absehen.
Die Tour nach Lugano startete am Samstag kurz vor 7 Uhr. Ganze dreimal sollte
ich umsteigen bis ich dann nach über 8 Stunden Fahrzeit am Ziel eintraf. Die
größte Stadt des Kantons Tessins liegt im Süden des Landes, in der italienischen
Schweiz. Die langwierige Zugfahrt konnte bei Lektüre von Fanzines doch sehr gut
und durch die Planung der nächsten Touren sogar noch recht sinnvoll überbrückt
werden.
In Lugano lag mein Hostel Montarina in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof,
sodass der Rucksack dort abgeladen wurde und es schnell auf die Erkundungstour
ins Zentrum ging. Die Samstagspiele in der Schweiz beginnen nämlich immer um 19
Uhr, sodass ich dafür auch nicht allzu viel Zeit hatte. Lugano ist nicht
umsonst die größte italienischsprachige Gemeinde außerhalb Italiens, denn hier
fühlt man sich tatsächlich wie im beliebtesten Reiseziel der Deutschen. Auch
die Luftlinie bis zur italienischen Stadt Como, die schon zur Agglomeration von
Milan zählt, ist lediglich 24 km. Nur die Preisausschilderung in
Schweizerfranken erinnert einen noch daran, dass man sich immer noch in der
Schweiz befindet. Die Stadt überzeugt vor allem durch die schöne Seepromenade
mit dem wundervollen Ausblick auf grünbewachsene Berge. Leider war es bei mir
zeitlich nicht mehr drin die beiden Hügel Monte San Salvatore und Monte Brè besuchen,
aber lässt sich bestimmt in der Zukunft nachholen. Der Kanton Tessin ist
nämlich eher für Eishockey, als für Fußball bekannt. Mit dem Aufeinandertreffen
vom HC Lugano und HC Ambrì-Piotta hat die Region auch ein ansehnliches Derby zu
bieten. Die Zeit des Anpfiffs rückte näher und ich nahm den Bus zum Stadio di
Cornaredo. Der Ground des FC Lugano sticht in der Super League von allen
anderen Spielstätten architektonisch arg heraus. Er hat nicht diese typische
kastenförmige Bauweise der modernen Stadien, sondern besitzt noch eine echte
Kurve mit unüberdachten Stehrängen. Außerdem lässt sich die Aussicht sehen,
wobei dieses Phänomen mehr oder weniger auch in anderen Erstligagrounds
besteht. Das Spiel gegen den FCZ habe ich mir gezielt ausgesucht, denn in
Lugano herrscht schon allgemein eine starke Abneigung gegen Zürcher. So gab es
im Eishockey einige Aufeinandertreffen der beiden Städte, die mit Skandalen in
die Geschichte eingegangen sind. Der Hass dürfte sich damit auch auf dem
Fußball übertragen haben. So kam es heute, vor allem seitens der Hausherren,
immer wieder zu Beleidigungen. Bei den schweizerischen Verhältnissen mit den
vier Amtssprachen wirkte es zudem ganz lustig, wie die beiden Blöcke es jeweils
in ihrer eigenen Sprache taten. Wie bereits erwähnt, ist Fußball hier in Tessin
nicht der Sport Nummer Eins, sodass auch die Fanszene des FC Lugano recht klein
und überschaubar wirkt. Es gibt auch keine Masse an Normalos, die in der Kurve
mitziehen, sondern es sind wirklich nur die Ultras. Sie zogen ihr Ding auch den
Umständen entsprechend gut durch, aber zeigten eben nichts Außergewöhnliches.
Auf die Gästefans habe ich mich richtig gefreut und der Auftritt wurde dann
schlussendlich den Erwartungen gerecht. Zum Intro wurde auf die Breite der
Gästekurve ein riesiger Schal mit „FC Zürich“ ausgerollt. Das Gemalte sah total
echt, wie gestrickt, aus. Der Support war, wie man es von der Südkurve auch
gewohnt ist, originell. Da sind schon sehr kreative Gesänge vorhanden. Die
„stundenlangi Fahrt“ oder „Sing so luut wie du nur chasch“ bleiben mir wohl für
immer als Ohrwurm erhalten. Dabei muss ich zugeben, dass ich ursprünglich, bei
meinem ersten Spiel des FC Zürich vor zwei Jahren, von ihrem Support nicht
überzeugt wurde. Nur mit der Zeit konnte ich mich mit dem Stil doch gut
anfreunden. In der zweiten Halbzeit, als es dunkel geworden war, zündeten die
Gäste über einen längeren Zeitraum chaotisch Bengalos und Rauchtöpfe ab. Diese
Pyroshow war schon ganz nett anzusehen. Daumen hoch!
Nach dem ertönten Abschlusspfiff ging es nun zu Fuß ins Hostel, wo noch am
Bahnhof die Zürcher Meute beim Besteigen des Sonderzugs beobachtet werden
konnte.
Text/Fotos: Шаффи