Sonntag, 23. September 2018

BSC Young Boys - FC Basel 7:1

Super League
Stade de Suisse Wankdorf Bern
Zuschauer: 31 120 (2500 Gäste)

Am zweiten Tag des Schweizer-Wochenendes stand das Top-Spiel in Bern an. Doch das Match sollte nur der Ausklang des Sonntags werden, zunächst wurde nämlich noch die Stadt begutachtet. In Hostel Youth zu Fuße des Bundeshauses habe ich für 45 Euro in einem Vierbettzimmer übernachtet. Diese Bleibe kann ich auf Grund der Lage, Sauberkeit und des inklusiven Frühstücks definitiv weiterempfehlen. Um 10 Uhr checkte ich aus und machte mich auf den Weg durch die Altstadt. Diese gehört zur Weltkulturerbe und zwar völlig zu Recht. Vielleicht ist es sogar die schönste Altstadt, die ich je gesehen habe. Es wirkt extrem mittelalterlich und ist auch sehr schön durch die lauter Arkadengänge zu spazieren.
Danach wechselte ich die Seite der Aare. Dort schaute ich mir den Bärengraben und bestieg den Hügel, wo der Rosengarten liegt. Von dort genießt man ein wundervolles Panorama der Stadt. Somit ist die Hauptstadt auch mein absolutes Highlight der Schweiz bis dato. Anschließend ging es mit der S-Bahn zum Wankdorf. Inzwischen steht hier auch ein wahrer Betonklotz, für den 100 000 Kubikmeter Beton draufgingen. 2001 wurde das alte Stadion Wankdorf, wo einst das wohl legendärste Spiel der deutschen Elf „Das Wunder von Bern“ ausgetragen wurde, abgerissen. 2005 wurde das moderne Ding fertiggestellt. Nach dem Joggeli in Basel ist es mit einer Kapazität von 31 120 das zweitgrößte Stadion des Landes. Innen ist es total unspektakulär und den Kunstrasen gibt es als einen absoluten Flop noch oben drauf. Young Boys schaffte letzte Saison das Unmöglich und gewann nach 32 Jahren die Meisterschaft. Dabei wurde wohl gemerkt auch der FC Basel, welcher über 8 Jahre in Folge den Titel feiert, vom Thron gestoßen. Das anstehende Spiel hatte schon dadurch eine große Bedeutung für beide Verein und seine Fans. Um den Stress bei dem Ticketkauf am Ort aus dem Weg zu gehen, holte ich mir meine Karte noch online für umgerechnet 24 Euro. Tatsächlich meldete die Anzeige während dem Spiel ausverkauft, wobei ich optisch nicht diesen Eindruck hatte. Nun ja, die Basler sind zumindest auch mit einem überordentlichen Mob am Start gewesen, sodass das Spiel losgehen wollte. YB leitete das Spiel mit einer Schalparade ein. Auf große optische Show wurde wohl schon dadurch verzichtet, weil schon vor ein paar Tagen beim Champions League Spiele eine große Choreo gezeigt wurde. Obwohl die Ostkurve zuerst ordentlich loslegte, wurde völlig überraschend am Ende der ersten Viertelstunde der Support eingestellt und der Mittelblock leerte sich. Wie es herausstellte, sollte aus Protest gegen die anstehende Lizenzauflage für E-Sports eine Spielunterbrechung folgen. Diese wurde mit einer großen Blockfahne mit Pausensymbol eingeleitet und durch Tennisbälle dann verwirklicht. Nett anzusehen dabei die Unterstützung der Gäste dabei mit dem Spruchband „Pause angemeldet von Ostkurve Bern“. Aber die Basler ließen nicht nur Worte sprechen, sondern auch Taten. Denn zur identischen Zeit der zweiten Halbzeit kamen die Tennisbälle aus dem Oberrang des Gästeblocks geflogen, während YB das passende Spruchband präsentierte. Sehr durchdacht von den beiden Szenen! Supporttechnisch konnte mich heute aber keine der beiden Kurven umhauen. Der Supportstil der Berner ähnelte sehr dem Deutschen, kreativ war es für mich also nicht. Da hatte ich YB seit meinem Besuch in April bei St. Gallen besser im Gedächtnis. Wenigstens konnte ab und zu eine gute Lautstärke und Mitmachquote erreicht, bei einem Heimsieg von 7:1 über die direkte Titelkonkurrenz aber schon fast normal. Die Basler zogen ihr Programm im italienischen Stil ohne Rücksicht auf die „Glanzleistung“ ihrer Mannschaft komplett die 90 Minuten durch. Akustisch konnten diese mich an meinem Standort jedoch eher selten überzeugen. Mein fantechnischer Favorit der Schweiz bleibt weiterhin der FCZ. 
Mit dem Schlusspfiff wurde wieder mit der S-Bahn zum Bahnhof gereist und die Heimfahrt angetreten. 3 Umstiege in Basel, Mannheim und Frankfurt standen vor mir und eine Ankunft um 1 Uhr in Würzburg war in Sicht. Der erste Umstieg in der Schweiz klappte noch problemlos, aber in dem ICE von Basel nach Mannheim begann der Horror. Kurz vor Freiburg erreichte uns die Nachricht über den Sturmtief „Fabienne“ und, dass die weitere Strecke nach Freiburg gesperrt ist. Die Reisende umringten natürlich die beiden Schaffner, während ich mich doch lieber zum Bordbistro für eine Hefe begab. Damit konnte ich dann völlig entspannt meine Anschlusszüge abgeschrieben. Im Endeffekt standen wir über 2 verkackte Stunden am Bahnhof Schliengen. In Frankfurt war unser Zug schlussendlich gegen 1 Uhr Nacht eingetrudelt. Dem Volk hinterher habe ich mich dann dumm in die Schlange am Infoschalter angestellt. Als ich nach einer guten halben Stunde drankam, hieß es, dass mein Zug erst um 5 fahren soll und eine Freifahrt mit dem Taxi nur in Frage käme, wenn noch jemand nach Würzburg fahren würde. In der riesigen Schlange gab es dann tatsächlich keinen, der mit wollte. Als Angebot blieb nur noch eine Übernachtung im Hotel, die selbstverständlich die Bahn zahlen würde, doch ich winkte dankend ab. Dies wäre mir zu einfach! So aber ging es das Lied „Wir sind Franken, asoziale Franken, wir schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission!“ singend in die Mission, um auf einer Holzbank bequem die restliche Zeit bis zur Zugabfahrt zu verbringen.  



Text/Fotos: Шаффи