Sonntag, 16. September 2018

MFK Havirov - 1.BFK Frydlant 1:0

Divize E
Stadion Dukla
Zuschauer: 360 (ca. 30 Gäste)

Nach der langen Zugodyssee kam ich pünktlich in Havirov gegen 23 Uhr an. Gegen die tschechische Märchenbahn kann man echt kein schlechtes Wort verlieren, meist überpünktlich, billig und teilweise noch uralte Waggons. Herrlich !
Gebucht hatte ich das Hotel Impuls, das liegt direkt hinter dem Ground. Wenn man Glück hat, bezieht man ein Zimmer mit Stadionausblick. Gut, dieses Glück sollte mir nicht hold sein. 

Google Maps lotste mich teilweise über Stock und Stein, aber nach 15 Minuten Fußmarsch von Havirov-Sucha steht man vor dem Riesenteil sozialistischer Bauweise.
Leider sprach die nette alte Dame hinter der Old-School-Rezeption kein Wort einer fremden Sprache. Und meine Booking-Buchung gabs auch nicht. Ist ja kein Problem, dürfte ja sicher genug in dem Riesen-Plattenbau frei sein. 
Also gings mit Fernbedienung und Schlüssel in den neunten Stock. Ja, der Aufzug ging schonmal nicht, also hiess es für mich Treppen steigen. Ich bin ja sportlich aber das machte mir auch zu schaffen. Oben an der Zwischentür gezogen und auf einmal hatte ich den Griff in der Hand...auch mit Schlüssel ließ sich die Tür nicht öffnen. 
Meine Laune war sofort im Keller, also wieder 9 Sockwerke runter an die Rezeption. Die Frau versteht mich natürlich immer noch nicht, doch einer von den vielen hier wohnenden Gastarbeiter oder Asylanten stand gerade mit seinen Bierdosen dort und stellte sich als „Ahmedinho“ vor und sagte er kenne das Problem und kann mir helfen. Also gut, folge ich Dir, mein Freund. Natürlich gab es noch einen anderen Eingang, bei dem auch der Fahrstuhl ging...manchmal kann es so einfach sein...aber woher sollte ich das denn wissen ??? Die gute Frau konnte es mir ja nicht erklären.
Der freundliche Türke beschwerte sich, das im Fahrstuhl kein Spiegel sei, da der Aufzug oft nicht kommt und man abstürzen würde. Sei hier schon öfter passiert.
"You know this is not Europe, here ! Be careful !" 
Das Zimmer versprühte sozialistischen Charme, war aber ganz ok für 14 Euro. Später klopfte es noch wild an meiner Tür. Erst wollte ich nicht aufmachen, aber dann vernahm ich Frauenstimmen. Also in Unterhose raus und von innen geöffnet. Besteht das Hotelzimmer doch aus Raum A und Raum B. Da hatten sie aber Glück das ich noch nicht geschlafen habe.
Gute Nacht, Mädels !
Die Stadt Havirov entstand übrigens erst 1955 und liegt im mährisch-schlesischen Industriegebiet an der polnischen Grenze.
Es befindet sich an der Einmündung der Susanka in die Lucina. Die Entstehung der Stadt hängt mit dem Aufbau der Bergbausiedlungen auf dem Gebiet der Gemeinden Sumbark, Dolni Bludovice und Prostredni Sucha zusammen.
Die Ansiedlung wurde durch einen Regierungsbeschluss am 4. Dezember 1955 zur Stadt erhoben. Der Name wurde in einem öffentlichen Wettbewerb ausgewählt. "Havir" ,abgeleitet vom deutschen "Hauer" , bedeutet auf Tschechisch Bergmann. Havirov hat den Ruf als eine Stadt mit hochwertigen Wohngebieten und im Vergleich mit anderen Städten der Region einer sauberen Umwelt und guten Erholungsmöglichkeiten. Und wegen einer diesen war ich ja gekommen !
Nach dem Aufstehen checkte ich aus und fragte wo denn der nächste Geldautomat sei. Ich ahnte ja schon die Antwort und da ist es doch immer gut wenn man in seiner Geldkassette eigentlich immer tschechische Kronen über hat. Da es nur 200 CZK waren bezahlte ich ein Bier mit EC-Karte und machte mich auf zum Ground. Natürlich war am Hintereingang die örtliche Lungerszene am Start, ich machte trotzdem meine Fotos. 
Übrigens war dieser Ground mein Fixpunkt auf der Tour, ist er doch in letzter Zeit öfter in den Groundhopping-Gruppen aufgetaucht. Als ich letztens in Plzen war, gab mir Travis aus Hannover den letzten Anstoß. 
Vor dem Eingang saßen schon einige Gästefans im Biergarten beim Frühschoppen. Sollte ich zur Stadionperle auch noch Support geboten kriegen ?
Als ich den Ground betrat kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Was ist das für eine geile Butze !!!
Hinter beiden Toren sind 19 Stufen Stehplätze eine mit roten Wellenbrecher, die andere Seite mit blauen.
Die Haupttribüne ist der Hammer. Mit Holzklappbänken in gelb und grün, einer kleinen Anzeigetafel über die ein Giebeldach ist und im Hintergrund sieht man auf die Platte vom Hotel Impuls. Geil !
Die andere Sitztribüne war recht steil und erinnerte mich an englische Stadien. Schaut euch die Bilder an, für mich definitiv das beste Stadion in Tschechien, das ich bisher besuchte und ich hab schon einige Perlen in meiner Liste !
Übrigens hat die Anlage noch zwei weitere Plätze, einen Rasen mit einer richtig schön abgeranzten Holztribüne und noch einen Kunstrasen ohne Ausbau. Also wegen dem Rasenplatz würde ich sogar nochmal herkommen.
Mein erster Gang war natürlich zum Bier- und Klobasastand. Einmal Hopper-Frühstück bei der hübschen Dame bestellt. Und was sehe ich hinter dem Ausschank ? Einen Räucherofen für die Würste. Der Grillmeister öffnete mir sogar die Tür zum Allerheiligsten, als er sah das ich begeistert Fotos machte.
Leider war die Klobasa dann leider überhaupt nichts. Geschmacklos und erinnerte mich eher an eine fettigere Bockwurst. Schade für die Arbeit, aber wenn das Material nix taugt, kann der beste Grillmeister nichts mehr retten !
Der MFK Havirov wird auch die "Indiani" genant und hat sogar einen Indianerkopf im Wappen. Von 1993-97 spielte man sogar in der 2.Liga. Mittlerweile ist man in der vierten Liga, der Divize E beheimatet.
Die Gäste liessen sich am Rande der Gegentribüne nieder und hängten 3 Zaunfahnen auf. Natürlich war der Haufen genau das was man in den meisten tschechischen Stadien zu sehen bekommt. Irgendwelche Honzas haben eine Trommel und ausser den Vereinsnamen und "to doho" haben sie nichts im Repertoire. Aber gut, mir gefällt ja die tschechische Gemütlichkeit und besser als nichts ist es immerhin !
Ich stromerte während des ganzen Spiels durch den Ground und war total begeistert. Natürlich hab ich meine ganzen Kronen für Pivo ausgegeben. Es geht doch nichts über ein 10:15-Spiel in Tschechien mit einem ordentlichen Frühschoppen.
Na Zdravie !
Highlight war noch der Typ der aussah wie Jupp, der Zuhälter, aus "Voll normaaal" und seine beachtliche Plautze in die strahlenden Sonne hielt, was für ein Kerl !


Text/Fotos: Pressi