Sonntag, 1. April 2018

VVV Venlo - FC Twente Enschede 0:0

Eredivisie
Stadion De Koel
Zuschauer: 6.623 (550 Gäste)

"Nicht weit von uns im Westen, da liegt ein kleines Land
das ich immer wenn ich da war, ziemlich überzeugend fand.."
Los ging es am frühen nachmittag mit dem Bus nach Leverkusen. Trotz Ostern war er sogar überpünktlich und man kam eine Stunde nach Ende des Bundesliga-Krachers Bayer - Augsburg dort an. Hier deutete auch gar nichts auf ein vorher stattgefundenes Bundesliga-Spiel hin. Keine Fans mehr, kein Müll, gar nix. Es soll wohl immer so sein und ist nicht nur diesem Langweiler-Spiel geschuldet.
Mein Grund hierher zu fahren war die 40. Geburtstagsparty meines Freundes Carsten in einer Gartenlaube. Hier wurde auch einem leider heute viel zu früh Verstorbenen, seiner Gruppe "Brigade Rheinland" gedacht. Trotzdem war es eine gute Party, Danke für die Einladung.
So ging es mit Umstiegen in Düsseldorf und Mönchengladbach in die niederländische Grenzstadt Venlo. Sie liegt in der Provinz Limburg und hat so knapp 100.000 Einwohner.
Auf dieses Spiel hatte mich Carsten gebracht. In Holland war ich nun auch schon ewig nicht mehr. Der Reiz dorthin zu fahren ist in etwa genauso groß wie sich eine Dauerkarte für die Arroganz-Arena in München zu kaufen. 
Früh gegen 8 Uhr in Venlo bei Nieselregen sind die Möglichkeiten begrenzt. Der Coffee-Shop hatte runtergelassene Rolläden. Frituuren öffnen erst um 11...
Ein Stadtrundgang zeigte mir die durchaus vorhandene Schönheit dieses Städtchens. Wer Dope will hat auch so keine Probleme welches zu kriegen, denn ein vorbeifahrender Radfahrer hielt an und fragte mich: "Willst Du Stoff kaufen ?"
Vom Bahnhof läuft man knapp eine halbe Stunde zum Stadion. Dort angekommen klappte die Abholung des reservierten Tickets problemlos. Endlich konnte ich diesen oft gelesenen Satz auch mal in meinen Bericht einbauen.  :-D
Die Venlose Voetbal Vereiniging Venlo wurde am 7.2.1903 gegründet und ist damit einer der ältesten Profi-Fußballvereine in den Niederlanden.
Seit 1972 ist das Stadion De Koel die Heimstätte des Vereins, seit einem Umbau im Jahre 2009 hat es eine Kapazität von 7.500 Zuschauer. Benannt ist es nach einem Logistikunternehmen.
Durch die vier verschiedenen Tribünen wirkt es total zusammen geschustert und hat sicher seinen Charme. Im Gegensatz zu den sonst hier üblichen Bauwerken in Kastenbauweise mit meist 15.000er Fassungsvermögen.
Die alte Haupttribüne und die Tribüne mit dem Gästeblock sind in einem Hang reingebaut und haben vorne unüberdachte Sitzplätze. Während die Heimtribüne und Gegentribüne eher neuerer Bauart sind. Hat mir ganz gut gefallen. Durch den Haupteingang müssen übrigens ausser die Gäste und Fans auf der Heimtribüne alle Zuschauer.
Auf der Fantribüne hingen schon überall Banner über Lennart Thy. 
Der spielt jetzt als Leihgabe von Werder in Venlo. Thy hatte vor 7 Jahren bei einer Typisierungsaktion eine DNA-Probe abgegeben. Nun trat der seltene, glückliche Fall einer Übereinstimmung mit einem Patienten auf.
Daraufhin spendete Thy Blut und bei einer Blutspende für eine Stammzellentherapie müssen aufwändige Maßnahmen getroffen werden. Deshalb konnte Thy eine Woche nicht trainieren und verpasste somit sogar ein Auswärtsspiel.
Heute spielte er daraufhin zum ersten Mal wieder. Sicher eine Top-Aktion von Thy und auch von dem Verein !!!
Auf den Bannern stand zu lesen: "Respect 4 Lennart Thy", "SympaTHYk" ""Respect for Lennart" und sogar in einem Supermann-Zeichen wurde sein Name präsentiert.
Als Intro gabs von Heimseite gelbe Wurfrollen und im Affenkäfig der Gäste gab es eine Prise roten Rauchs.
Beide Seite legten einigermassen okay los. Doch beides verflachte immer mehr. 
Auf Heimseite fielen die "Youngsters" in ihren gelben Sweatern auf. Ich denke der Support hier liegt noch in den Kinderschuhen. So kam es mir zumindest vor. Ab und an stimmte das restliche Publikum mit seinen Klatschpappen mit ein.
Auf Gegenseite waren wohl auch einige befreundete Schalker anwesend. So hing eine Freundschaftsfahne und eine Fahne des Supporters-Clubs.
Am Anfang war der Support von Twente noch ganz gut, ließ aber immer mehr nach und am Ende war nur noch da wenn was passierte. Was in diesem langweiligen Spiel auf Kunstrasen eher selten der Fall war.
Erinnerte mich alles an England. So finde ich orientiert sich der holländische Klubfussball schon stark an die Insel.
Gefallen haben mir hier die vielen, oft auch schönen Zaunfahnen.
Da ich nix gegessen hatte, gönnte ich mir eine Frikandel und eine Portion Pommes. Was daran so toll sein soll, weiß ich auch nicht, Friteusen-Fraß halt. Preislich war es aber in Ordnung und ich glaube es gab sogar Bier mit Stoff. Ich hatte aber noch von gestern genug.
Spieler des Spiels wurde der deutsche Torhüter Lars Unnerstall (Ex-Schalke) von Venlo und mit dem Ex-HSVer Romeo Castelen war dann die Bundesliga-Resterampe komplett.
Der Spielbeginn von 12:30 spielte mir heute in die Karten und so war ich um 19 Uhr wieder daheim und konnte endlich meinen Schlaf nachholen.

"Es kam über die Jahre und jetzt sitzt es ziemlich fest,
solangs um Fußball geht, hass ich Holland wie die Pest"

Text/Fotos: Pressi