Samstag, 14. April 2018

UE Sant-Andreu - CE Europa 1:1

Tercera División Grupo V (Cataluña) 
Camp Municipal Narcís Sala 
Zuschauer: 2000 (ca. 50 Gäste) 

Nach dem Spiel im Nou Camp ging es mit der Metro gemütlich ins nördliche Stadtviertel Sant Andreu de Palomar. Dort erwartete mich ein Viertligaspiel, das als Derby betitelt wurde. Der UE Sant Andreu traf auf CE Europa aus dem nächstgelegenen Stadtteil Gracia. Was mich hier erwarten wird, war mir noch komplett unklar. Über eine Stunde vor Spielbeginn war ich an der Metro-Station des 11. Septembers angekommen. Der 11. September hat in diesem Fall aber nichts mit dem Nine-Eleven zu tun, sondern bezieht sich auf den Nationalfeiertage Kataloniens.
Das Stadion liegt direkt an dieser Station. Bis zum Anpfiff war noch genug Zeit, sodass ich mich zunächst auf die Suche nach was Essbarem begab. Plötzlich bekam ich ordentlich laut um die Ecke die ersten Fangesänge zu hören. Es war ein Marsch der Heimszene. Auch Pyrotechnik wurde gezündet! Wenige Meter entfernt fand ich die Bar Rambla 48, die zwar von einer Asiatin geführt wurde, aber gut von Einheimischen besucht wurde. Nach zwei unterschiedlichen Tapas sowie einer Sangria-Kanne wurde das Stadion angesteuert. Es wurde schon ziemlich knapp und es standen genug Leute an den Eingängen an. Wenigstens war an den Kassen nichts los, sodass ich mir für einen Fünfer eine Karte holte. Das Ticket war zwar nicht für die Haupttribüne gültig, aber durch etwas Geschick schaffte ich es doch pünktlich auf diese rein. Es war auch gut so, denn die einheimischen Ultras Desperdicis haben etwas als Intro vorbereitet: Um den Fanblock herum wurden rote und gelbe Bänder gespannt, Fahnenmeer mit identischen Farben, etwas Konfetti flog durch die Gegend und auf dem Hochhaus hinter der Gegengeraden wurden sogar noch Raketen in die Luft geschossen. Die gelb-roten Farben sind nicht nur die Vereinsfarben des UE Sant-Andreu, sondern verkörpern auch Katalonien. Die Heimszene ist auch sehr katalonisch geprägt, unterstützen somit auch den Separatismus. Trotz der patriotischen Ausrichtung der Desperdicis, ist die Gruppe extrem links ausgerichtet, was man an den Aufklebern, Fahnen oder sogar Gesängen gemerkt hat. Im Block versammelte sich heute ein ordentlicher Mob von gut 200 Mann. Dieser war sehr fleißig und laut das ganze Spiel über mit melodischen Gesängen aktiv. Besonders hat mich die Melodie vom italienischen Partisanenlied „Bella Ciao“ auf den Rängen angetan. Insgesamt schon stark für die vierte Liga in Spanien! Zudem kam der Auftritt auch noch völlig überraschend für mich. Die Szene macht ein ähnliches Bild wie die Bukaneros von Rayo Vallecano in Madrid. Desperdicis stehen zwar im Schatten der beiden großen Clubs der Stadt (Barca und Espanyol), sind aber fanmäßig am meisten aktiv und, wie schon erwähnt, politisch links engagiert. In etwa 50 Gästefans um die Gruppe Eskapulats standen hinter dem anderen Tor. Diese waren zwar auch ständig in Bewegung, aber aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Heimkurve fast gar nicht zu hören. Übrigens habe ich von einem Katalenen, der sich in Fankultur auskennt, gehört, dass zwischen den beiden Szenen kein wirklicher Hass sein soll und das Derby als "friedliches Derby" abgestempelt werden könnte. Nun ja, habe ich persönlich nicht so erlebt. "Puta Europa" gab es zumindest von den Einheimischen auf der Haupttribüne nämlich doch zu hören! Leider merkte ich noch vor dem Spiel, dass ich den Ersatzakku für meine Kamera vergessen hatte. Schon ziemlich bescheuert bei so einem interessanten Spiel ohne eine Kamera dazustehen… So wurden die Bilder zwar mit dem Handy geschossen, aber zeitgleich auch noch ein Fotograf auf dem Platz angesprochen, ob er mir nicht ein paar Bilder schicken könnte. Damit gibt es wenigstens ein paar angemessene Bilder vom Tomás.

Text: Шаффи
Fotos: Шаффи und Tomás

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