La Liga
Estadio
Cornellà-El Prat Zuschauer: 11 862
Ab Montag war ich in Barcelona nun beruflich unterwegs, aber trotzdem sollte das nicht heißen, dass es keinen Fußball geben wird. In Spanien war in der La Liga englische Woche angesagt und Espanyol hatte ein Heimspiel. Der fußballbegeisterte Arbeitskollege war auch nicht abgeneigt ein Spiel zu besuchen, sodass feststand, dass wir nach der Arbeit ins Stadion gehen. Der Kollege erzählte auch schon stolz im Büro von unseren Plänen. Die Einheimischen zeigten sich aber wenig erfreut über unseren anstehenden Besuch bei Espanyol. Wie schon der Name des Vereins sagt, handelt es sich um einen spanischen Verein mitten in Katalonien.
Somit können sich die ganzen Katalonier, u.a. durch die politische Situation zuletzt, wenig mit dem Club identifizieren. Unsere Übernachtung hatten wir in einem Vorort von Barcelona namens Sabadell. Von dort aus ging es dann auch mit dem Firmenauto die 35 km bis zum Espanyol-Stadion. Gelegen ist der Ground außerhalb der Stadt, in der Nähe zum Flughafen von Barcelona. Der Feierabendverkehr hatte es in sich und auch das Navi hat sich öfter vertan, sodass es unser Zeitpuffer schrumpfte und das Ganze richtig knapp wurde. Am Ende ist aber doch alles gut gegangen und das Auto konnte kostenfrei direkt im Einkaufszentrum Splau geparkt werden. Der Übergang von der Mall ins Stadion ist fließend. Es erinnert mich so an einige Stadionneubauten in der Schweiz. Das Stadion wurde 2009 eröffnet und ist seitdem die Heimat Espanyols, welches davor 12 Jahre lang im Olympiastadion seine Heimspiele austrug. Die günstigsten Tickets von 27 Euro hatten wir uns noch im Onlineverkauf für den Eckblock gekauft, um das Anstehen an der Abendkasse zu vermeiden. Es wäre aber kein Problem gewesen, denn an den Kassen stand kaum einer. Heute war zwar auch bei Espanyol mit SD Eibar eine der langweiligsten Mannschaften zu Gast, aber auch allgemein sind die Zuschauerzahlen bei dem zweiten Verein der Stadt total gering. So waren diese Saison an einem Sonntag im Stadtderby gerade mal 23000 Zuschauer und das bei einem Fassungsvermögen von 40000! Es dürfte wohl an den hohen Ticketpreisen, die bei solchen Top-Spiele übertrieben in die Höhe getrieben werden, liegen. Wie gesagt identifiziert sich aber die einheimische Bevölkerung generell wenig mit Espanyol. Die spanische Ausrichtung des Vereins hat aber schon gegenüber der ursprünglichen bei der Vereinsgründung deutlich abgenommen. Eine Zeitlang gab es sogar eine Fangruppe Sarrià Nord, die für den katalanischen Separatismus stand! Auf den Rängen war heute wie erwartet kaum was los, wobei nur ein Viertel des Stadion wirkt in solch einer modernen Arena schon sehr traurig. Das Stadion selbst erinnert mich übrigens an den Neubau in Duisburg. Leider bleib heute die Fankurve, die La Curva RCDE, welche sich seit diesem Jahr aufgrund der Polizeikartei im Boykott befindet, leer. Die Gruppe La Curva RCDE gilt als Nachfolgergruppe der Brigadas Blanquiazules, die vor über 30 Jahren noch zu den größten des Landes gehörten. Also eine sehr berühmte Ultrasgruppe, die auch durch die spanisch nationalistische Politik bekannt war. Wenigstens war aber noch ein anderer Fanblock der Gruppe Juvenil anwesend. Zwar versammelten sich hinter der Zaunfahne in etwa lediglich 30 Supportwillige, aber bei der sehr traurigen Kulisse war es definitiv besser als nichts.
Nach meiner ersten Reise nach Spanien in Dezember 2017 fand ich die Stimmung in spanischen Stadien gar nicht so übel, wie es so oft erwähnt wird. Aber damals war ich in Andalusien gewesen, dagegen war es dies mal bei allen drei Erstligisten aus Katalonien von der Atmosphäre her tatsächlich wirklich armselig.
Text/Fotos: Шаффи













