II Liga
Stadion Miejski w Jastrzębiu-Zdroju
Zuschauer: 2109 (109 Gäste)
Am Samstag sollten sich meine Wege und die der beiden Osnabrücker
trennen. Während die beiden Poznan ansteuern wollten, freute ich mich auf
Oberschlesien. Kurz nach 7 Uhr am Morgen wurde die Tür des Appartements
zugeschlossen und der Schlüssel wie mit dem Vermieter abgesprochen in den
Briefkasten eingeworfen. Doch da bemerkten wir plötzlich, dass die Haustür
unten am Eingang auch noch zu war. Zuerst wurde noch verzweifelt nach
Möglichkeiten gesucht, wie wir jetzt aus der Situation rauskommen. Vor allem ich
hatte es eilig, da ich schon ein Ticket für den Zug hatte. So wurde dann doch
von mir hoffnungslos an dem Briefkasten geschüttelt, gerüttelt, geschlagen und
siehe da, er ging auf!
Am Bahnhof kurz vor 8 fuhr mein Zug dann nach Gliwice
(Gleiwitz). Gliwice ist der östlichste Punkt des Oberschlesischen
Industriegebiets. Für mich war es nur eine kurze Zwischenstation auf dem Weg
nach Katowice, das als Zentrum bzw. Hauptstadt des schlesischen bzw. polnischen
Potts angesehen wird. Nach Gliwice, zu einer Freundin eines Kumpels, wurde
nämlich meine Eintrittskarte für das Pokalfinale geliefert. Schnell wurde diese
dort abgeholt und schon saß in dem Regionalzug durch die Industrieregion nach
Katowice.
Nach Ankunft ging es die restlichen Meter dann zu Fuß zum HostelPinballRooms.
Die Herberge ist extrem neu, ich kann sie wärmstens empfehlen! Nach dem
Einchecken machte ich mich auf den Weg ins Zentrum. Die Stadt wurde seit meinem
ersten Besuch 2013 schon erheblich aufgehübscht. Die Infrastruktur ist total
modern und man fühlt sich, zumindest zentral, schon wie in Westeuropa. Gegessen
wurde in einem einfachen Lokal: Zuerst gab es für mich die Suppe Żurek, eine
Mehlsuppe mit Ei und Wurst drinnen. Diese ist vor allem in Oberschlesien sehr
beliebt. Danach gab es eine riesige Portion mit Placek (Kartoffelpuffer) mit
Schnitzel und Sauerkraut. Das Kraut mag ich zwar weniger, aber war dann
trotzdem schon OK. Nach Jastrzębie-Zdrój, das heute auf meinem Programm stand,
musste ich mit einem Sprinter anreisen, denn die Stadt hat seit 2005 keinen
Bahnhof mehr. Die Busse fahren einmal oder zweimal die Stunde hinter dem
Einkaufszentrum Ślązak ab. Nach knapp über einer Stunde Fahrtzeit war ich dann
in der Stadt an der tschechischen Grenze angekommen.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war sie ein Dorf mit ein paar Hundert
Einwohnern. In den 1970ern entstand daraus eine Industriestadt mit ganzen 95000
Einwohnern! Wie andere solcher plötzlich gewachsenen Städte in der Region,
sehen sich Jastrzębie bzw. ihre Einwohner die Stadt nicht als oberschlesisch, sondern
polnisch. Wie man sich wahrscheinlich schon denken kann, gibt es in der Stadt
nichts zu sehen. Dort stehen nur eine Menge riesiger Wohnblöcke umzingelt von
Bäumen. Wenigstens ist die Stadt sehr grün, aber ansonsten schon sehr
depressiv. Mit Musik von SLU (Slums Attack ist eine Crew eines polnischen
Rappers, die in den 90ern entstand) in den Kopfhörern zog ich gangstermäßig
etwas um die Wohnblöcke, um die Atmosphäre der Stadt zu fühlen. Wenn man hier
aufwächst, hat man nicht viele Möglichkeiten: Entweder wird man asozial,
Fußballfan oder asozialer Fußballfan. Langsam komme ich damit auch zum Fußball…
der einheimische Club GKS 1962 Jastrzębie entstand durch die Fusion zweier
Vereine und repräsentierte wie schon der Name sagt damals den Bergbau der Stadt.
Den Großteil seiner Geschichte verbrachte der Verein in der Drittklassigkeit,
schaffte aber dennoch zweimal die Sensation 1976 das Pokalhalbfinale zu
erreichen sowie 1988 in die Ekstraklasa aufzusteigen. Derzeit befindet sich der
GKS auf dem ersten Platz der II Liga und wird nächste Saison wohl in der
zweithöchsten Liga verbringen. Meine Vorfreude auf das heutige Spiel war
riesig: Erstens steht in Jastrzębie ein bewundernswertes Stadion, zweitens war
der heutige Gegner auch einer der Anwärter auf der Aufstieg mit einer kleinen
guten Fanszene. Mit seiner schüsselartigen Bauweise und dem Ausblick auf die
riesigen Hochhäuser dürfte es eins der schönsten noch verbliebenden Stadien
Polens sein. Glücklicherweise gibt es bislang auch keine Gerüchte zum Umbau, was
für den polnischen Stadionwandel schon fast skurril wirkt. Das Stadion betrat
ich fast eine Stunde vor Anpfiff, was ich aber dieses Mal in keinster Weise
bereute. Es lief der Holzkohlengrill, was ich in Polen überraschenderweise
dieses Mal öfter gesehen habe, als in dem Klobasa-Land Tschechien. Gegessen
habe ich aber keine Kielbasa, denn ich war immer noch satt von meiner Mahlzeit
in Katowice. Die Ränge füllten sich und am Ende war es sogar
überdurchschnittlich besucht. Leider ist in dem Stadion, wo der GKS seit 1989
zu Hause ist, nur noch die Haupttribüne für die Besucher geöffnet. Der Fanblock
positioniert sich unter dem Dach nahe des Gästekäfigs. Bei sechs Zaunfahnen
versammelten sich im Block über 350 einheimische Kibice, welche ab der ersten
Spielminute ordentlich loslegten. Unter den Fahnen übrigens auch die OBPNS
(Abkürzung für „Letzte polnische Bastion in Schlesien“) sowie „Nie schlesisch,
immer polnisch“, die die polnische bzw. antischlesische Ausrichtung der
Fanszene betonen sollen. Der Support war dann das ganze Spiel über ganz
vertretbar, einmal wurde sogar für wenige Minuten die ganze Tribüne mit Pikniki
zum Aufstehen, Einklatschen und Singen motiviert. Was mir persönlich an der
Szene sympathisch ist, ist, dass man keinerlei Freundschaften pflegt und das
noch dazu in dieser hartumkämpften Region!
Der Gästeblock blieb zunächst leer, aber so zum Ende der Halbzeit
füllte er sich nach und nach ordentlich. Erst als alle Gäste auf den Rängen
waren, wurden geschlossen die ersten Gesänge gescheppert. Die restliche Zeit
wurde auch weiterhin ganz gut supportet und die eigene Mannschaft schließlich
auch noch zum Sieg geschrien. Die Zahl der Auswärtsfans war wieder mal stark,
an dieser Stelle ist zu erwähnen, dass ich eigentlich bei jedem Spiel dieser
Polen-Tour immer einen guten Gästemob zu sehen bekam. Ist vielleicht doch nicht
alles so schlecht in Polen wie manche quatschen? Nach einem wirklich schönen
Tag hier in dem asozialen Jastrzębie ging es wieder mit dem letzten Bus um
19:45 zurück nach Katowice.
Text/Fotos: Шаффи
zum nächsten Spiel der Tour






























