Serie B
Stadio Comunale San Nicola
Zuschauer: 13.449 ( 15 Gäste)
Nun ging es 400 Kilometer südostwärts in die Hauptstadt der Region Apulien. In vier Stunden waren wir in der bedeutenden Hafen- und Universitätsstadt an der Adria, welche 324.000 Einwohner hat.
Zuerst gingen wir etwas essen, da unser Hostel noch nicht bezugsfertig war. In Ermangelung an geöffneten Läden landeten wir einen totalen Reinfall. Ganz miese Carbonara mit billigen Schinken und das Ei hatte auch schon gestockt. Ein Glück konnte man es mit Bier herunterspülen.
Danach Sachen ins Hostel, welches für je 12,50€ doch recht annehmbar war, hatte ich schon viel schlimmere Burgen.
Nun ging es mal auf Sightseeing durch die Stadt. Basilika San Nicola, Kathedrale San Sabino, Teatro Piccinni und das Castello Svevo di Bari. Zwischenstopp wurde in einer Bar gemacht wo wir unsere Entdeckung der Tour genossen. Borghetti, ein italienischer Kaffee-Likör...geiles Zeug! Gibts übrigens vor jedem italienischen Stadion in so einer Art Ampullen von fliegenden Händlern. Gehört zu Italien wie Pizza!
Auch an die Strandpromenade verschlug es uns bei bestem Wetter. Sehr schön anzusehen und ein Riesenrad steht auch da, ähnlich wie in Coney Island ( Warriors...kommt raus und spielt).
Allerdings stinkt es am Hafen wie die Sau. Weil jeder seinen Müll wohl einfach ins Meer schmeisst. Verstehe generell nicht wie man sein Land so zumüllen kann. Ist ja ein Problem in allen südlichen Ländern.
Als Essenstipp kann ich euch "Mastro Ciccio" empfehlen. Ein Selbstbedienungsrestaurant. Allerdings ist die Pizza Weltklasse und die angebotenen Focaccia´s wahre Kunstwerke!
Mit dem 20er Bus von Centrale ging es dann raus zum Stadion Comunale San Nicola.
Eine halbe Weltreise, denn es liegt 6km ausserhalb des Zentrums, unmittelbar an der Autobahn SS16.
Erbaut wurde es anlässlich der WM 1990, fasst 58.270 Zuschauer und ist nach dem Schutzpatron von Bari Nikolaus von Myra, benannt.
Es wurde für das alte, marode Stadio della Vittoria gebaut, da Bari den Zuschlag für die WM 90 bekam, wo fünf Spiele im San Nicola stattfanden.
Von aussen sieht es aus wie ein Raumschiff und erinnert an eine fliegende Untertasse.Nachdem der Bus eine Schleife gefahren war und wir endlich an der Schnellstrasse aussteigen konnten, waren wir schon vom Äusseren total begeistert.
Nachts wird es auch noch gelb beleuchtet und es wirkt nochmal futuristischer.
Auf dem Riesenparkplatz waren einige Foodtrucks. Vergesst die Salmonellenbuden bei uns, die nach nichts ausschauen und oft versifft sind und ausser Bratwurst und Buletten nix im Angebot haben. Hier sind sie bunt beleuchtet und total sauber. Auch die angebotenen Speisen schauen einfach lecker aus. Ja, die Italiener haben es essenstechnisch drauf. Da geht nicht viel drüber !
Natürlich waren unsere Freunde die Borghetti-Händler im Einsatz. Salute !
Im Inneren war natürlich unter der Woche gegen einen Gegner wie Novara Calcio recht wenig los. Dieser wurde immerhin von 15 Tifosi auf den 900 Kilometer langen Weg begleitet. Hut ab !
Faszinierend die Besonderheit dieses komplett überdachten Grounds: Der obere, überdachte Rang besteht aus 26 voneinander getrennten Teilen. Ähnlich wie die Zinnen einer Burg. Denke der Abstand zwischen den einzelnen Teilen dürfte so fünf Meter betragen. Hier hat sich der Stadionarchitekt Renzo Piano mal richtig was einfallen lassen.
Ein Ground, der in keiner Sammlung fehlen darf !
Die Fußballmannschaft des 1908 gegründenten AS Bari formte sich erst 1928. Das Vereinswappen zeigte einen schwarzen Hahnenkopf mit rotem Kamm. Deshalb wird der Verein auch Galletti genannt.
Im März 2014 meldete der Club Insolvenz an. Am 2. Mai 2014 wurde der Verein vom ehemaligen Schiedsrichter Gianluca Paparesta für zwei Millionen Euro gekauft und in FC Bari 1908 umbenannt und das Logo des Vereins durch ein neues ersetzt. Verwirrend denn oft wird der Club noch als AS Bari geführt und auch ich hatte ihn unter diesem Namen auf dem Schirm, bis es mir auf dem Ticket auffiel.
Sofort ins Auge stachen mir im Inneren des San Nicolas die zwei großen Zaunfahnen im Unterrang auf denen poetische Aussagen standen.
"Wissen wie man Bari liebt, halte es hoch und beobacht es immer mit den Augen eines Liebenden" und auf der anderen: "Die Größte aller Ideen - Liebe bis in den Tod!"
Das sind doch mal Fahnen mit Aussagen und nicht irgendwelchen kleinen unbedeutenden Gruppenfahnen wie teilweise bei uns.
Die Kurve war im Oberrang recht ordentlich gefüllt mit den drei größten Gruppen "Seguaci della Nord" (Fans aus der Nordkurve) "Bulldog" und "Re David"
Klasse die Schalparade und das stolze Mitsingen der schmissigen Vereinshymne. Auch danach fand ich den Auftritt der Nordkurve gut. Sicher nichts überrragendes, aber man merkt, dass hier Ultra viel mehr ist. Es wirkt nicht so aufgesetzt wie teilweise in Deutschland oder woanders. Die Ultra-Bewegung hat ihre Wurzeln ja in Italien und das ist eigentlich überall zu spüren, auch bei jeder noch so kleinen Gruppe oder Verein.
Ultra - Stile di Vita oder Vivere Ultra per vivere !
Auch bei uns auf der Gegengeraden waren zwei kleinere Gruppen, welche ehr Richtung Normalos gehen, aber auch wie in der Kurve ab und an Pyro zündeten. Mir zwar immer suspekt warum man nicht mehr auf einmal zündet, gehört aber wohl zum italienischen Stil des Chaos.
Aber Star war ganz klar das Stadion, man konnte sich einfach nicht sattsehen.
In der Pause kamen wir kurz mit einem älteren Bari-Fan am Bierstand ins Gespräch, welcher nicht verstehen konnte was zwei Deutsche unter der Woche hier gegen Novara machen und ließ sich unsere komplette Tour erklären.
Nach dem Spiel fuhr wieder meines Erwartens doch ein Bus in die Stadt, ich hatte mich ja mit meinem Grundpessimismus auf eine Wanderung in die Stadt eingestellt. Aber Daumen hoch dafür, Bari !
Im Bus kamen wir mit zwei englischen Groundhoppern aus Leeds ins Gespräch. Und wie das mit den Gesellen von der Insel so ist, landeten wir mit Ihnen noch auf ein paar Bier in einer urigen Kneipe.
Und als Groundhopper bzw Fußball-Fan hat man ja immer genug Gesprächsstoff und es wurde doch etwas später als geplant bis wir in unserer Low-Budget-Bude im gemeinsamen Doppelbett landeten...




























































