Samstag, 14. April 2018

Atalanta Bergamasco Calcio - FC Internazionale Milano 0:0

Serie A
Stadio Atleti Azzurri d´Italia
Zuschauer: 20.076 (ca. 2000 Gäste)

Meine Bahn von Brescia nach Bergamo hatte 10 Minutern Verspätung. Für die Strecke benötigt man eine knappe Stunde.Erkundet hatte ich die Stadt schon bei meiner letzten Italien-Tour 2011 und besonders begeisterte mich die Cita Alta. Die Oberstadt, die unter Denkmalschutz steht, zieht sich wie ein Amphitheater an einer Anhöhe empor und ist vollständig mit einer fünf Kilometer langen Stadtmauer umgeben. Sehr sehenswert !
In Bergamo, wo schon der Polizeihubschrauber über dem Bahnhof kreiste, schnell in den Bus, welcher schon ordentlich mit Fußballpublikum gefüllt war. Gebucht hatte ich meine Unterkunft in Stadionnähe und wollte vorher noch schnell einchecken und meinen Rucksack loswerden. Das Personal erkannte meine Eile und fragte als ich schnaufend ankam: “You are going to the match?“.
Dann gings ne Viertelstunde zu Fuß Richtung Ground. An den zahlreichen Foodtrucks, wo reges Treiben herrschte, blieb sogar noch Zeit für ein Bier.  Hier war feinstes Publikum unterwegs, zahlreiche Alt-Ultras, fiese Gestalten und erprobte Kämpfer. Sehr schön !
Das Ticket für die Distinti Nord habe ich den Abend vor dem VVK-Start online bestellt. Auch in Italien werden bei Top-Gegnern die Preise angehoben. 
Atalanta Bergamo wurde 1907 gegründet und ist bekannt für sein Jugendsystem, welches nicht nur die Produktion von Spielern für die erste Mannschaft erhöht, sondern begann in den wichtigsten nationalen Ligen mehrere Titel zu gewinnen. Mit dem 4. Tabellenplatz 2016/17 qualifizierte man sich für die Euro-League und schied erst vor kurzem unglücklich gegen den BVB aus. Auch bekannt sind die Freundschaften zu Eintracht Frankfurt und dem FC Wacker Innsbruck. Die Geschichte der Ultras geht zurück bis ins Jahr 1976, als sich mit der Brigate Neroazzure die erste Gruppierung gründete.
Ein gewisser Bocia, einte die mittlerweile zahlreichen Gruppen als charismatischer und legendärer Capo kurz vor der Jahrtausendwende zur Curva Nord.  Er sagte auch einst: "Wir hassen jeden" und somit ist eigentlich kein Verein in Bergamo gern gesehen. Die Kurve hat eine politische eher linke Ausrichtung und engagiert sich für Stadt und Region.
Jedes Jahr wird die Curva Nord La feste della Dea - das Fest der Göttin- abgehalten um mit den Leuten in Kontakt zu treten und somit ist man fest in der Stadt und Region verwurzelt.
La Dea (Die Göttin) wird Atalanta von seinen eigenen Anhängern ehrfürchtig genannt
Die Curva Nord eröffnete das Spiel mit einer Schalparade und einem Transparent "Conquistiamo L´Europa" (Erobern wir Europa). Dahinter wurden einige Bengalen gezündet. Auch akustisch zeigte Atalanta, dass sie sicher zu Recht zu den besten und respektiertesten Kurven Italiens zählen. Vor allem in der ersten Halbzeit wurden die Lieder in einer Lautstärke und Tempo geschmettert, dass es eine wahre Freude war. Top!
Besonders hatte es mir das Lied “Serve una serata magica“ (Beschere uns einen magischen Abend) angetan. Absoluter Ohrwurm und man sang sich richtig in einen Rausch hinein ! Auch wurde während des Spiels immer mal wieder Pyro gezündet.
Eine zweite Kurve um "Forever Atalanta" gibt es in der Curva Morosini.Welche aber, genauso wie der neben ihnen liegende Gästeblock, niemals von mir zu hören waren. 
Auch optisch traten die Gäste bis auf eine handvoll Schwenker und einen Blinker nicht in Erscheinung. 
Starker Auftritt der Curva Nord, der bei einem Sieg wohl noch enthusiastischer ausgefallen wäre, so rang Bergamo den Milanesen zumindest einen Punkt ab und kann somit weiter von einer Teilnahme am Europa-Cup träumen.
Nach Abpfiff gings mit einem kurzen Bierstop, schnell Richtung  Hostel, denn um 4 sollte schon wieder der Handywecker klingeln.

Text/Fotos: Pressi