Samstag, 14. April 2018

Brescia Calcio - FC Carpi 1909 1:1

Serie B
Stadio Mario Rigamonti
Zuschauer: 6.319 (ca. 80 Gäste)


Endlich stand auch für mich mal wieder eine größere Tour an. Schon länger hatte ich Italien ins Auge gefasst. Machten die Reisen meiner Kollegen und der allgemeine Tenor in der Hopper-Szene Italien sei wieder im Kommen, mir doch große Lust.

Ausserdem war 2001 Italien, mit dem mittlerweile abgerissenen Turiner Stadio Delle Alpi, mein erster Länderpunkt und leider sind nicht mehr viel Stadien dort dazu gekommen.
Mittlerweile kenn ich mich dort auch null mehr aus, doch früher war ich fasziniert von den Fotos im legendären “Match live“ und es war mein Traum solche Kurven mal live vor Ort zu sehen. Das hatte sich dann mit der Einführung der Tessera erstmal erledigt.
Gesetzt in der englischen Woche waren die genialen Grounds in Bari und Neapel.

Da ich heute zwei Spiele doppeln konnte sollte es zuerst nach Brescia gehen.Freitag um 19 Uhr wurde der PC auf Arbeit runter gefahren und mit guter Laune und einigen Bieren ging es zum Bahnhof. Mein Zug nach München hatte aufgrund einer Signalstörung 40min Verspätung.
So wurde ich schon leicht hippelig ob meines gebuchten Busses. Doch der Puffer reichte glücklicherweise. Deswegen plan ich normal immer großzügig Zeit ein. Diesmal wurde der Bus gewählt, da Flugzeiten und Preise eher ungünstig waren.Pünktlich in Mailand angekommen, mußte man vom Busbahnhof quer durch die Stadt zum Centrale. Von dort mit der günstigen Regionalbahn weiter in die zweitgrößte Stadt der Lombardei, nach Brescia.
Brescia ist ein ganz nettes Städtchen mit knapp 197.000 Einwohnern und mit ihrem Einzugsbereich gilt sie als drittgrößte italienische Industrieregion.
Der archäologische Bereich des Forum Romanum und der klösterliche Komplex von San Salvatore-Santa Giulia gehören zum UNESCO-Weltkulturerbes. Ist ja ein neuer Trend unter einigen Hoppern hier auch noch eine Liste zu führen und alles abzuhaken...Wer´s braucht.

Ich schau mir interessante Sachen gern an, führe hier aber nicht auch noch eine Extra-Liste.
So erkundete ich die Innenstadt und das Castello, für welches man eine knappe Stunde einplanen sollte. Danach hatte ich Hunger und es wurde ein Restaurante gesucht.
Hier versuche ich immer Touristenfallen zu vermeiden und gucke immer wo Einheimische sind. Heute landete ich einen Glückstreffer. Wenn die Nonna mich nur mit Händen und Füßen versteht bin ich sicherlich richtig. Ich bekam eine hervorragende Carbonara. In Deutschland esse ich das Gericht nicht, da es hier nur die Version mit Sahne versetzt gibt. Hier war sie perfekt zubereitet mit Ei. Allerdings sind die Bierpreise in Italien fast überall bei 4€ für 0,4l, was doch etwas teurer als zuhause ist.
Danach gings mit der Metro zum Stadio Mario Rigamonti. An der Station Mompiano steigt man aus und ist fast da. Ticket gabs etwas abseits in einem blauen Container. Einige Foodtrucks bieten Essen und trinken an. Beinahe hätte ich meiner Tochter das Brescia-Ultragirls-Shirt gekauft. Schöne Sachen hatten sie da an beiden Verkaufsständen.
Auch wird man hier ja als Fußball-Touri in Ruhe gelassen. Hier ist man deutlich entspannter als in Deutschland, wo einige Ultras in Hoppern mittlerweile ein neues Feindbild gewonnen haben. So wie ich heut rumlief, wäre ich zuhause sicherlich angelabert worden. Hier waren alle gechillt.
Der FC Bari wurde 1911 gegründet und ist mit seinem charakteristischen V auf der Brust, eine typische Fahrstuhlmannschaft zwischen Serie A und B. Seine beste Zeit hatte der Verein als der italienische Welktklasse-Spieler Roberto Baggio (2000-2004) in seinen Reihen spielte. Bekannt durch sein Zöpfchen.
Das Stadion hatte mal eine Kapazität von 27.000 und musste wegen Sicherheitsbestimmung fast halbiert werden. Besonderheit sind die Steinbänke im Unterrang. Dahinter wurde ein zweiter Rang mit Stahlrohr-Tribüben errichtet. Die Curva Nord, Standort der aktiven Fans, wurde komplett mit Stahlrohr in die alte Kurve gebaut.
Das Bergpanorama im Hintergrund konnte mich begeistern.
Meine Karte holte ich mir für Gradinata Alta Lateral, obwohl ich wußte das unten eine Gruppe Ultras steht, doch war mir die Haupttribüne mit 30 Euro einfach zu teuer. Da wir diese Seite auch nur hobbymäßig betreiben und wir ausser Euren Likes nix verdienen, muss man auch ab und an auf die Kohle schauen. Noch billiger ist allerdings Bassa (Unten) und man kann trotzdem überall auf der Gegegeraden mit hin.
Die Fankurve ist seit 2012 gespalten. In der Nordkurve stehen die seit 2011 aus einem Zusammenschluss entstandene Curva Nord Brescia, während auf der Gegengerade die Ultras Brescia 1911 beiheimatet sind. Der Name ist allerdings noch die inoffizielle Bezeichnung. Es ist ein gemischter Haufen aus Alt und Jung. Zu Gast bei Ihnen waren heute zwei “Magic Fans“ aus St. Etienne, zu denen eine Freundschaft besteht.
Optisch setzten sie Abfangs mit einem “Lets go“-Transparent und Doppelhaltern, garniert mit einer Prise Rauch Akzente.
Ihren akkustischen Auftritt fand ich sehr suspekt. 6 Capos versuchten sich vor dem ca.60köpfigen Haufen.
Selten wurde mal in die Lieder der Curva Nord eingestimmt. Ansonsten kochte man sein eigenes Süppchen.
Viel zu leise und leidenschaftslos wurde vor sich hingemurmelt. Selbst direkt hinter Ihnen war kaum was zu hören. Seltsame Truppe.
Anders dagegen die Curva Nord, welche schöne Songs teilweise in guter Lautstärke schmetterte. Zwar kein Gala-Auftritt, aber durchaus in Ordnung.
Gäste waren etwa 80 die knapp 130 Kilometer aus Carpi angereist. Ein paar schöne Zaunfahnen und Schwenker fielen positiv auf. Zu hören waren sie leider nie.
Im Spiel verschoss Brescia erst kläglich einen Elfer, bevor in der 81. Minute der erlösende Siegtreffer zu fallen schien, doch in letzter Sekunde konnte der Gast noch ausgleichen.Für mich gings schnellen Fusses zur Metro. Am Bahnhof wurde noch eine Pizza vertilgt bevors mit dem Zug zum Erzrivalen nach Bergamo ging.

Text/Fotos: Pressi