Ekstraklasa
Stadion Miejski
Zuschauer: 14
314 (ca. 500 Gäste)
Am Montag, dem
vierten Tag der Tour, stand wohl das Spiel, worauf ich mich an wenigsten bei
der Reise gefreut habe. Ich habe mir sogar Gedanken gemacht, es komplett sausen
zu lassen. Grund für solch eine Demotivation war das Stadion, wo Śląsk Wrocław
seit 2011 seine Heimspiele austrägt. Das Stadion Miejski (Städtisches Stadion,
so heißt übrigens gefühlt jedes Stadion in Polen) wurde komplett neu für die EM
2012 gebaut und ersetzte die alte Heimat des ehemaligen Armeesportclubs in der
Oporowska Straße. Dieses, wo Slask über 60 Jahre beheimatet war, wird heute
noch von der Zweiten von Slask und dem Viertligisten namens Ślęza genutzt.
Vor
jenem Stadion fand am 30. März 2003 das berühmte Aufeinandertreffen zweier
Koalitionen statt. Arka-Lech-Lubin gegen Śląsk-Lechia und Wisła. Letztere
natürlich mit Messern, da sie mit der Anwesenheit von Cracovia gerechnet haben.
Tragisches Ende: Ein Toter bei Arka und 223 Festnahmen. Bis heute wird Śląsk
nachgesagt, sie hätten sich damals mit der örtlichen Polizei abgesprochen,
sodass sie nach deren Eingreifen in aller Ruhe verschwinden konnten.
Die neue Arena
ist echt ein mieses Stück – riesig, grau und weit außerhalb der Stadt gelegen.
Bei 42000 Fassungsvermögen liegt die durchschnittliche Zuschauerzahl von Slask
in den letzten Jahren bei acht bis elf Tausend. Zum Glück gibt es aber in Polen
extrem wenig solch überdimensionaler Grounds wie dieser hier. So hat nur noch
die Gastmannschaft des heutigen Spiels, Lechia, ein riesiges Stadion, das eine
Auslastung von gerade mal 25% aufweist. Die Stadien, die erst nach der EM
geplant wurden, sind schon besser „zurechtgeschnitten“. Somit war das geplante
Spiel, noch dazu an einem Montag, meinen Vorstellungen nach ein trauriges
Ereignis. Nichtsdestotrotz stieg ich letztendlich in die total abgeranzte
Regionalbahn, die mich in 15 Minuten Fahrtzeit zur Station „Wroclaw Stadion“
brachte. Das Stadion kann auch mit mehreren Straßenbahnlinien erreicht werden,
aber mit dem Zug geht es bei identischem Preis definitiv flotter.
Für 35 zloty
(davon 5 für Tageskassenzuschlag) bekam ich mein Ticket für die Gegengerade in
wenigen Minuten. Wie schon erwähnt sind für mich die Stadien in Gdansk (Lechia)
und Wroclaw (Śląsk) die schlimmsten in Polen. Was ich in Wroclaw jedenfalls
besser finde, ist, dass hier nur ein Tribünenrang existiert. Zu Gast in der
viertgrößten Stadt Polens war heute der KS Lechia. Die Szenen der beiden Clubs
verbindet eine ewiglange Freundschaft, früher noch im Rahmen der Koalition
„TKWM“ zusammen mit Wisla. Das Bündnis der beiden Fanszenen soll sogar seit
1977 bestehen und nach dem offiziellen Ende der Freundschaft Cracovia-Polonia
Warszawa im Herbst 2017 jetzt als das älteste in Polen gelten. Dies ist auch
auf der 23 Meter langen Zaunfahne, die heute in der Heimkurve angebracht wurde,
symbolisiert. Wie bei solchen Spielen typisch in Polen standen heute die Gäste
zusammen mit in der Heimkurve – der Gästeblock blieb komplett leer. Von mir aus
nur gut so, denn dadurch war der Heimblock besser besucht als sonst. Viele
Gäste aus dem Norden waren bereits früher angereist und haben das Wochenende
bei ihren Freunden in Niederschlesien verbracht. Beide Mannschaften wurden aus
einem Block heraus von bis zu 900 Kibice unterstützt, was schon ganz
interessant wirkte. So wurde nach den Toren für Slask zwar gefeiert, aber dann
gleichzeitig ein Lied für das Gästeteam angestimmt. In zweiten Halbzeit teilte
sich der Block in zwei Teile und zog über eine gute Viertelstunde den
Wechselgesang „Lechia i Slask“ durch. Für mich ist es übrigens durchaus positiver,
wenn man es als Block schafft ein Lied über längeren Zeitraum auf dem gleichen
Niveau vorzutragen, als wenn in 30 Sekunden-Takt etwas anderes angestimmt wird.
Optisch gab es in der Mitte der ersten Halbzeit was fürs Auge. Zuerst wurde ein
Lechia-Trikot als Blockfahne ausgerollt und dazu außen rum mit grün-weiß-roten
Fahnen gewedelt. Als die Blockfahne dann wieder weg war, wurden im Block
verteilt rote Bengalos abgebrannt. Als sich die Pyroshow dem Ende neigte,
liefen ca. Dutzend Vermummte vorne an den Zaunfahnen auf und zündeten weitere
Bengalos ab. Abschließend wurde noch eine Blockfahne mit dem Heimtrikot
hochgezogen. Witzigerweise war das Trikot mit Sponsor drauf, hätte in
Deutschland wohl kaum eine Szene so gemacht… Der Stadionsprecher wollte wohl die
komplette Pyroaktion auf die Gäste schieben und bat die Lechia-Fans, das
Abbrennen von Bengalos einzustellen, obwohl ja alles in der Heimkurve
abgelaufen war und ich bezweifle, dass er sicher wusste, wer konkret da
Pyrotechnik abfackelt.






















