I Liga
Stadion Miejski w Opolu
Zuschauer: 2106 (106 Gäste)
Die Tour zum polnischen Pokalfinale nahm ich mir schon vor mehreren
Monaten fest ins Visier. Es galt nur noch die Spiele vor und nach dem Finale zu
planen. Relativ frühzeitig waren die Spiele dann bis in die vierte Liga runter
auch terminiert, doch manche nicht endgültig… So wurden die Spieler immer
wieder hin und her geschoben, sodass auch meine Tour sich dem teilweise
anpasste. Schließlich stand dann Opole (Oppeln) als erste Station fest. So
bestieg ich am Donnerstag am Würzburger Bahnhof den Sindbad-Bus, der mich über
die Nacht rüber in den Osten brachte. Um 9 Uhr am Morgen war ich schon in
Opole, der historischen Hauptstadt Oberschlesiens, angekommen.
Heutzutage bzw.
schon seit 1950 gibt es eine eigene gleichnamige Woiwodschaft, sodass die Stadt
zumindest der Verwaltung nach nicht mehr zu Oberschlesien gehört. Gelegen ist
diese kleinste Region des Landes genau zwischen Niederschlesien mit Wroclaw und
der Woiwodschaft Schlesien mit Katowice als Hauptstadt. In der Woiwodschaft
Schlesien wiederum liegt auch das Gebiet um Sosnowiec, welches aber wiederum
nicht zum historischen Schlesien gehört. Bei solch einer frühen Ankunft hatte
ich mehr als genug Zeit für die Stadt. Zuerst begab ich mich zur Oder und lief
entspannt den Fluss runter auf die Insel Wyspa Bolko, wo sich übrigens auch der
Zoo befindet. Nach dem Spaziergang durch die Natur ging es für mich wieder
zurück ins Stadtleben. Die Zeit des Brunches war gekommen und so suchte ich die
Bar Pierożek auf. Ein echt gutes Lokal mit Selbstbedienung, wo man das Nationalgericht
Pierogi in allen möglichen Variationen bekommt. Empfehlenswert! Für mich gab es die Teigtaschen
mit Kartoffeln und Speck sowie ein Glas Kompot. Anschließend schaute ich etwas
genau in der Altstadt vorbei. Dort gibt es nun nicht viel zu sehen, da die
Stadt erheblich am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört worden ist. Opole
erinnerte mich extrem an den Ort Ivano-Frankivsk im Westen der Ukraine. Richtig
überrascht wurde ich dann aber auf dem Marktplatz bei den Schildern der
Partnerstädte, denn dort stand diese ukrainische Stadt sogar tatsächlich auch
noch mit drauf. Zeit war immer noch mehr als genug, sodass ich noch meine Haare
schneiden ließ, nach Graffiti suchte, am Stadion vorbeischaute sowie ein zweites Mal eine Portion
Pierogi reingehauen habe. Um 18 Uhr konnte ich dann endlich die Bleibe für die
kommende Nacht betreten. Das Apartment mit Blick auf den Marktplatz haben die
beiden Osnabrücker gebucht. Diese waren aber auf dem Weg von Wroclaw in einen
Riesenstau gekommen, aber wenigstens konnte ich schon mal einchecken. Nach Ankunft der beiden begaben wir uns schon direkt zum Stadion. Der Ground des Zweitligisten, der zu seiner Zeit ein Fassungsvermögen von bis zu 25000 aufwies, besitzt heutzutage nur noch eine zugelassene Tribüne für ca. 5000 Zuschauer. Diese entstand während dem letzten Umbau in den Jahren 2010-2012. Hässlich ist das Stadion jetzt nicht, aber auch bei nur einer Tribüne wirkt es einfach unvollständig. Die Fanblöcke befinden sich dann jeweils außen darauf. Zum Anpfiff war nur der Heimblock besetzt, wo sich ein Block aus etwa 200 Einheimischen und ihren Freunden formierte. Obwohl Opole historisch zu Oberschlesien gehört, hat die Fanszene diesen Lokalpatriotismus wie bei Ruch oder Górnik gar nicht und man sieht sich als 100% polnisch. Dennoch pflegt man zumindest eine lange Freundschaft zu Polonia Bytom aus Oberschlesien. Aus Bytom waren übrigens zum heutigen Abendspiel auch ein paar angereist. Früher hatte die Opole-Szene auch extrem viele (rechte) Skindheads in den eigenen Reihen. Bis Anfang der 2000er waren im Block somit Hitlergrüße oder rechtsradikale Symbole zu sehen. Von der Stimmung her erlebten wir von Opole an diesem Abend noch nicht wirklich etwas Außergewöhnliches, was auch nicht unbedingt erwartet wurde. Der Heimblock schepperte seine Gesänge immer kurz und fuhr die abwechslungsreiche Schiene ohne jetzt ein Lied länger durchzuziehen. Optisch gab es gegen Ende des Spiels ein unspektakuläres Fahnengewehe. Die Gäste sind aus der niederschlesischen Stadt Glogów (Glogau) mit Bussen angereist. Wie ich rausfinden konnte, sind sie in denselben Stau von Wroclaw nach Opole wie schon die beiden Osnabrücker ein paar Stunden zuvor geraten. Somit waren sie erst zur zweiten Halbzeit am Stadion angekommen. Bis dann durch die Kontrollen alle drin waren lief auch schon die zwanzigste Minute der zweiten Hälfte. Dann wurde auch schon geschlossen mit dem Support losgelegt. Am Pufferblock formierte sich gleich ein kleiner Haufen von Einheimischen zum „Rumgucken was geht“. Letztendlich ging aber wie befürchtet auch nichts in Sachen Sport. 106 Gäste waren da, wovon 27 Freunde aus Gorzów Wielkopolski waren. Wobei man festhalten sollte, dass es für die nicht allzu große Fanszene von Chrobry und einen Freitag definitiv eine sehr ordentliche Zahl an Auswärtsfahrern ist.
























