Freitag, 2. Oktober 2020

WKS Slask Wroclaw - MKS Cracovia Krakow 3:1

Ekstraklasa

Stadion Miejski

Zuschauer: 6.438 ( 0 Gäste )

 

Donnerstag war der einzige fußballfreie Tag der Tour. Dort wollten wir das KZ Auschwitz besichtigen und dazu sollte man sich schon einen ganzen Tag Zeit nehmen. Wir entschlossen uns das ganz auf eigene Faust zu machen und buchten uns im Vorfeld Hin- und Rückfahrt mit dem Zug. Auschwitz liegt etwa eine Autostunde westlich von Krakau. Mit dem Zug dauert es zwar doppelt so lange, ist aber viel bequemer.

Das Konzentrationslager Ausschwitz, war ein deutscher Lagerkomplex zur Zeit des Nationalsozialismus aus drei sukzessive ausgebauten Konzentrationslager. Es bestand aus dem KZ Auschwitz (Stammlager), dem Vernichtungslager Birkenau – KZ Auschwitz II und dem KZ Monowitz und etwa 50 weiteren Außenlagern.

Die SS betrieb den Lagerkomplex von 1940 bis 1945 am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim. Dort wurden die europaweit gefangen genommenen Menschen per Bahn in das KZ Ausschwitz transportiert, wovon etwa 90% Juden waren. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen.

Wir buchten uns eine Führung auf Englisch, da die deutsche Führung nicht kompatibel zu unseren Zugzeiten war. Zuerst wird man im Stammlager Auschwitz etwa einandhalb Stunden rumgeführt. Man konnte aber alles gut verstehen. Danach wird man mit dem Bus in das Vernichtungslager Birkenau gefahren und die Führung geht hier nochmals eine Stunde. Ich kann es jedem nur empfehlen, sich den wohl schrecklichsten Teil der deutschen Geschichte mal vor Ort zu Gemüte zu führen. Alles sehr beklemmend und traurig, man kann nur hoffen das so etwas nie wieder irgendwo auf der Welt stattfinden wird. Das Wetter passte sich diesem traurigen und schaurigen Ort an, leichter Nebel und Regen, passender konnte es wirklich nicht sein ! Danach ist man erstmal fix und fertig und man versucht das Gesehene irgendwie zu verarbeiten.

Am nächsten Morgen ging unser Zug recht früh nach Wroclaw, oder auch Breslau genannt. Schon der Bahnhof kann mit seinen schlossartigen Erscheinungsbild punkten.  Heute war auch der erste Tag an dem es nicht regnen sollte. Also perfekt für eine Stadtbesichtigung und da hat Wroclaw doch einiges zu bieten.

An der Oder mit ihren Nebenarmen und Kanälen gebaut, liegt das „Venedig Polens“ auf zwölf Inseln, die von 112 Brücken verbunden werden. Neben dem Wasser prägen Grünanlagen das Stadtbild: Breslau ist die polnische Großstadt mit den meisten Grünflächen.

In der Mitte der schachbrettartig angelegten Altstadt liegt der Rynek, hier fand die Neugründung Breslaus nach dem Tatarenüberfall 1241 statt. Besonders die an der Westseite stehenden prächtig dekorierte Häuser, wie das Kurfürstenhaus und das Greifenhaus stechen dabei heraus. Blickfang ist aber das spätgotische Rathaus , eines der wertvollsten Baudenkmäler Polens.

Wir setzten uns davor in einen Biergarten, um das schöne Wetter zu genießen. Natürlich gab es dazu auch ein Bier, dazu wurde ein Schmalzbrot gereicht, das bei uns aber unangerührt auf dem Teller liegen blieb. Trotzdem eine nette Geste.

Nachdem wir unser Sightseeing-Programm durch hatten, wollten wir etwas essen. Leider hatte der von uns ausgesuchte Ratskeller zu. Die „Piwnica Swidnicka“ zählt zu den ältesten Gasthäusern Europas. Schade, aber gegenüber liegt ebenfalls eine Art Brauhaus, welches polnische und internationale Küche anbietet. Dort ließen wir uns Kartoffelpuffer mit Fleisch schmecken.

Anschließend gingen wir nochmals in den Irish Pub am Salzmarkt. Dieser ist doch jetzt ziemlich anders gestaltet, als ich ihn von meinem Besuch anlässlich meines Länderpunkts Polen 2007 in Erinnerung hatte. Leider war das polnische Cider das ich bestellte, mit Spülwasser zu vergleichen. Noch nie so ein ekelhaftes Cider getrunken !

Mit der Straba fuhren wir dann ins westliche Stadtviertel Pilcyce, dort steht das für die EM 2012 gebaute Stadion Miejski. Es wurde 2011 mit einem Boxkampf zwischen Tomasz Adamek und Vitali Klitschko eröffnet und fasst 45.105 Plätze. Dieses Stadion zeigt auch das ganze Problem Polens. Überall schießen solche neuen Arenen aus dem Boden, welche meiner Meinung so gar nicht zu dem rauen Ambiente der Anhänger und des Fußballs passen. Dazu sind sie meist auch hoffnungslos überdimensioniert.

Von außen war es grün erleuchtet und wies und den Weg ins Innere. Dort kommt man sich ja immer vor wie in einem Parkhaus. Alles in frisch gegossenen Beton und grau in grau. Ob man irgendwann in 20-30 Jahren was anderes sagt, wenn es runtergerockt ist ?

Gäste aus Krakau waren heute keine gekommen, ist ja auch immer so eine Wundertüte in Polen, wenn man kein Fachmann ist. Ob es an Corona oder was anderen lag, wissen sicherlich die Experten.

In der Heimkurve wurde ein schönes Zaunfahnenbild kreiert, haben doch die Fahnen hier eine noch viel höhere Bedeutung als in unseren Breitengraden.

Über den Support gibt es leider nicht allzu viel zu schreiben. Ja es wurde gesungen, aber die schätzungsweise 500 Mann in der Kurve können natürlich keine Bäume ausreisen. Dazu war das Stadion nur zu etwa 15% gefüllt…was für eine trostlose Veranstaltung ! Ich hatte ja nichts anderes erwartet, während Bibiana sich freute ihr bisher größtes Stadion zu machen, wäre ich am liebsten zur Halbzeit verschwunden.

Aber gut, man hat ja eine Hopperehre und so holte ich am Verpflegungsstand ein weiteres Lightbier (3,5%) und ein Zapiekanka. Als ich es sah wusste ich schon, das kann nix taugen. Als Bibiana es probierte meinte sie nur „selbst der Mülleiner würde davon kotzen !“ . Ja besser kann man diesen Gaumenschmaus nicht beschreiben.

Der Schlusspfiff erlöste uns und es ging gemütlich wieder in die Stadt. Unser Bus sollte kurz vor Mitternacht fahren, doch im Busbahnhof war dieser nicht angeschrieben, also kam noch etwas Hektik auf und am Ende waren wir froh doch noch im richtigen Reisegefährt zu sitzen. Gegen vier Uhr früh kamen wir gerädert in Krakau an und nach einem Marsch an allen aggressiven Besoffenen vorbei, konnten wir uns nochmals aufs Ohr legen

 

Text/Fotos: Pressi