Regionalliga Nordost
Stadion Lichterfelde
Zuschauer: 650 (ca. 150 Gäste)
Da überall Corona-Fälle auftreten schon oft Spiele ausfallen und die Sieben-Tage-Inzidenz überall rasend schnell nach oben steigt, rechnete ich damit dass das vorletzte Wochenende im Oktober das letzte Wochenende vor einem drohenden Lockdown sein wird. Zwar liegt der Wert in Berlin mit am höchsten, doch dort hat man selbst wenn 100 Spiele ausfallen sollten, wohl immer noch weitere 100 Spiele zur Auswahl.
Also beschloss ich das ganze Wochenende in der deutschen Hauptstadt zu verbringen.
Die Anreise mit der Bahn war die bequemste, statt mit dem Bus durch die Nacht zu fahren. Kurz vor Mittag war ich am dortigen Hauptbahnhof angekommen. Sofort ging es für mich in den Stadtteil Lichtenberg, denn ich wollte endlich mal das dortige Stasi-Museum besuchen. Dort steht das Gebäude der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit, kurz MfS. Man bekommt einen tiefen Einblick in das Wirken des DDR-Geheimdienstes.
Unten an der Kasse zahlt man 8€ Eintritt, den Audio-Guide für 2€ kann ich dazu nur empfehlen. Wer zusätzlich noch Fotos machen möchte, muss noch einmal einen Euro klar machen. Aber da in den Räumen niemand steht, ist das eher unnötig.
Das Museum ist sehr zu empfehlen und sehr gut aufgemacht, selten hat mich ein Museum so gefesselt wie dieses hier.
Der Gebäudekomplex an der Normannenstraße fing als Finanzamt für den Stadtteil Lichtenberg an. 1961 zieht das Ministerium für Staatssicherheit ein. Im Haus 1 sitzt Erich Mielke fast 30 Jahre lang. Das MfS erweitert das ganze Gelände in den 70ern enorm, sogar eine Neuapostolische Kirche siedelte es dafür um. Stellt Euch die Zentrale als Inbegriff des Machtapparats und der Überwachung der DDR vor – und das bis zum Mauerfall.
Am 15. Januar 1990 besetzen Demonstranten das Gebäude. Daraus erwächst eine Bürgerbewegung, die die Auflösung vom MfS koordiniert und überwacht. Vor allem macht sie den Erhalt der Akten und Originalräume erst möglich.
Nie gezeigte Objekte, Medienstationen und Technik zur Bespitzelung informiert über weitreichende Praktiken. Darunter zum Beispiel der rote Koffer, in dem Mielke Informationen über Honecker aufbewahrt.
Das Herzstück des Museums ist die Minister-Etage im zweiten Stock. Hier sind die Arbeitsräume von Mielke und seinen engsten Mitarbeitern. Sein Büro ist heute noch so gut wie unverändert.
Absolute Empfehlung von mir für dieses Museum, schaut es euch unbedingt an, wenn Ihr mal wieder in Berlin seid !
Während meines Rundgangs kam die Meldung, dass mein geplantes Spiel heute Abend im Mommsenstadion zwischen TeBe und dem BFC abgesagt ist. Irgendwie hatte ich ja schon damit gerechnet, also schnell auf das Spiel zwischen Viktoria und Babelsberg umgeschwenkt. Leider funzte die Online-Buchung über mein Handy nicht, sodass ich die daheim gebliebene Bibiana bemühen musste mir ein Ticket zu buchen. Zwar bestand die eventuelle Möglichkeit am Stadion, doch in Corona-Zeiten gehe ich lieber auf Nummer sicher !
Nach dem Museum checkte ich erstmal in mein Hostel in Charlottenburg ein, danach ging ich auf ein paar Schultheiss-Biere in die legendäre Kneipe „Zum Hecht“. Dies ist eine Berliner Kult-Kneipe mit Tradition. Es ist eine der wenigen Kneipen die 24 Stunden geöffnet ist, hier kommt man schnell ins Gespräch und rauchen darf man hier auch noch. Angeblich wurde hier in einem Hinterzimmer die RAF gegründet.
Anschließend ging es bei strömenden Regen Richtung Lichterfelde, immer mit Blick darauf, ob das Spiel nicht auch noch abgesagt wird. Viele Alternativen standen aber heute nicht mehr zur Auswahl. Doch ich sollte Glück haben und bei Ausstieg aus dem Bus, war das leuchtende Flutlicht ein Indikator für ein wohl stattfindendes Spiel.
Der Weg in Berlins Südwesten nach Lichterfelde, das zum Bezirk Steglitz gehört, lohnt sich, denn die denkmalgeschützte Tribüne des einstigen Adolf-Hitler-Stadions ist ein feines, einfallsreich gestaltetes 20er-Jahre-Bauwerk.
Das Stadion liegt am Teltowkanal, gegenüber dem Klinikum Steglitz.
Prunkstück der Anlage war die 800-Plätze-Tribüne, eine frei tragende Eisenkonstruktion, deren im Halbkreis geschwungenes Dach noch heute imponiert und eine erstaunliche Leichtigkeit vermittelt. Integriert ist die Tribüne in das zweigeschossige Hauptgebäude, das von den sogenannten Torhäusern flankiert wird. Vor dem Hauptbau liegt der Ehrenhof, heute Stadion-Vorplatz.
Erstmal am falschen Eingang aufgelaufen, denn heute war der Haupteingang Zugang zum Gästeblock und man musste erstmal ums halbe Stadion herum, um hinten an die Haupttribüne zu gelangen. Da es immer noch regnete und ich mir aus Kostengründen ein Ticket für den nicht überdachten Bereich besorgt hatte, ging ich noch auf zwei Bier in die nette Vereinsgaststätte. Es gab sogar Sitzplätze an der großen Glasscheibe mit Blick auf den Rasen, doch pünktlich zum Anpfiff stand ich auf der Gegengeraden. Dort kann man oberhalb eines Walles im Umlauf stehen und hat einen guten Blick auf die Haupttribüne. Am linken Rand befand sich der Gästeblock, welcher heute von etwa 150 Babelsbergern bevölkert war, die aktive Fanszene war leider nicht vor Ort.
Am rechten Rand waren die Heim-Fans untergebracht, welche ja auch eine kleine aktive Gruppe haben, wie ich schon beim Berliner Pokalfinale 2019 sehen konnte. Diese ist aber eher Old-School und keine Ultragruppierung, muss ja auch nicht überall sein sowas.
Übrigens ist der FC Viktoria 1889 Berlin aus dem Ortsteil Lichterfelde, am 1.Juli 2013 aus der Fusion des BFC Viktoria 1889 und des LFC Berlin entstanden. Er stellt Deutschlands größte aktive Fußballabteilung mit mehr als 1600 Mitglieder in rund 65 verschiedenen Teams. Der Stammverein BFC Viktoria 1889 gewann übrigens 1908 und 1911 sogar die deutsche Meisterschaft.
2007 sorgte man bundesweit für Schlagzeilen als das für 1894 geplante Endspiel gegen den FC Hanau 1893 nachgeholt und dieser inoffizielle Titel gewonnen wurde.
Das Spiel konnte die Viktoria klar gewinnen und baute damit die Tabellenführung in der Regionalliga Nordost weiter aus, mal gespannt ob der Aufstieg gelingt, wobei ich nicht weiß ob man diesen überhaupt anstrebt und wo man dann spielen würde.
In der Halbzeit gönnte ich mir eine Bratwurst, welche ganz okay war.
Danach ging es nochmals in den Hecht. Hier tobte das Leben, als ob es kein Corona gibt…ohne Maske, die Tische und der Laden voll bis oben hin. Sogar die Polizei tauchte in dem Laden auf. Allerdings ging es nach deren Abzug ungehindert weiter. Verstehen muss man das nicht, aber ich war froh das ich hier mal wieder das Kneipenfeeling ohne Corona-Beschränkungen genießen durfte !
Hechtfieber !
Text/Fotos: Pressi
























