I Liga
Stadion im. Ojca Wladyslawa Augustynka
Zuschauer: 268 (ca. 40 Gäste)
Da fast alle angrenzenden Staaten mittlerweile ja als Risikogebiet eingestuft sind, nur Polen nicht, rückte dieses von mir bisher recht stiefmütterlich behandelte Land, auf meine Liste. Nach Krakau wollte ich schon lange einmal und so wurde Bibiana gefragt und gebucht. Montag Nacht ging es für uns mit dem Bus nach Krakau.
Dienstag wurde dann etwas die Altstadt besichtigt, in der wir direkt ein schönes Zimmer zu einem Schnapperpreis gebucht hatten. Danach ging es in die Fabryka Schindlera, das ehemalige Gebäude der Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler ist nun ein staatliches Museum.
Das Museum stellt die Zeit der deutschen Besatzung Krakaus von 1939 bis 1945 da, ein besonderer Schwerpunkt ist das Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto und im Zwangsarbeitslager Plaszow im Vergleich zu den Beschäftigten in Schindlers Fabrik. Auch Bezüge zum Film Schindlers Liste, der teilweise im Gebäude gedreht wurde, werden hergestellt. Das Museum wurde 2010 eröffnet und ist Teil der Historischen Museums der Stadt Krakau, in weiteren Bauten der Fabrik befindet sich das Museum der Gegenwartskunst.
Uns hat die Ausstellung gefallen und gleichermaßen schockiert und ich kann nur jedem, der in Krakau ist, hier einen Besuch ans Herz legen.
Mittwoch ging es schon recht früh mit dem Zug nach Nowy Sacz. Die Stadt liegt nördlich der Sandezer Beskiden in einer Talweitung an der Mündung der Kamienica in den Dunajec auf 290 Meter Höhe, hat 84.000 Einwohner und ist ein regionales Industrie- und Dienstleistungszentrum.
Leider war den ganzen Tag Regen gemeldet und so schauten wir uns zuerst die nette Altstadt an, mit Margarethenkirche, Heiliggeistkirche und dem schicken Rathaus. Als der Regen dann stärker wurde, suchten wir die vorher rausgesuchte Lokalität auf.
Diese Gastwirtschaft befindet sich im Kellergewölbe des Rathauses und beim betreten waren wir wohl die einzigen Gäste. Da noch niemand bereit war uns zu bedienen, konnten wir die gruselige Deko bewundern. Was da für ein Tand und Kitsch rumstand, ließ uns schon überlegen den Ort wieder zu verlassen. Ihr kennt sicher die Kochsendungen von Rach, Rosin und den Kochprofis, welche miese Lokale coachen und deren Inneneinrichtung auf Vordermann zu bringen. Dies wäre hier echt auch mal nötig.
Da wir Zeit hatten bestellten wir uns erstmal eine Suppe als Vorspeise, diese war auch gut. Als Hauptspeise orderte ich mir Pierogi. Diese Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen sind die Spezialität des Hauses und es gibt ganze drei Seiten voll zur Auswahl. Für mich gab es welche mit Kartoffeln und Speck gefüllt und diese waren echt mega lecker !
Da das Spiel schon um 16:00 Uhr angepfiffen werden sollte, ging es für uns eine Stunde vor Kick-off durch den mittlerweile strömenden Regen zum Ground. Im Vorfeld hatte ich mir Karten reservieren lassen. Durch Corona muss man ja fast überall seine Tickets im Vorfeld sortieren. Am Eingang waren diese auch bei den Ordnern hinterlegt und wir hatten 20 Zloty (4,50€) zu berappen. Wer bei solchen Preisen noch mit irgendwelchen Plastikkarten wedelt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen !
Das Stadion wurde 1970 eröffnet und wurde nach dem Fall des Kommunismus in Polen, nach dem beliebten katholischen Priester Pater Wladyslaw Augustynek umbenannt. Nach dem Aufstieg von Sandecja in die Ekstraklasa musste der Verein 2017 die gesamte Saison in Nieciecza Zabno spielen, da das Stadion nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprach. Nach dem Abstieg ging es wieder ins Augustynek-Stadion zurück und musste 720.000 Zloty für die Renovierung des Stadions ausgeben, um den Bestimmungen für die I.Liga zu entsprechen, inklusive neuer Sitze.
Seit dieser Zeit steht eine vollständige Renovierung des Stadions auf dem Plan um für die Ekstraklasa gerüstet zu sein. So sollen vier brandneue Tribünen mit Dach und einer Kapazität von 8.000 Plätze entstehen.
Aktuell besteht das Stadion aus drei Tribünen. Eine überdachte Haupttribüne, eine Gegentribüne ohne Dach mit schwarz-weißen Sitzschalen und „Sandecja“-Schriftzug und einer weitläufigen Stehkurve mit Gästeblock. Kapazität dürfte an die 3.000 liegen.
Zum Glück durften wir auf der überdachten Tribüne Platz nehmen, ansonsten wäre es wegen dem Regen wohl kein rechtes Vergnügen geworden. Anfangs waren keine aktiven Fans auszumachen. Etwa in der 10. Spielminute lief ein etwa zwanzigköpfiger Mob Jugendlicher von der unausgebauten Seite aus über die Gegengerade. Anfangs dachte ich noch das es sich wohl um die Gäste handeln würde. Stellte sich nach dem aufhängen derer Zaunfahnen als Fans von Sandecja heraus. Deren weiße Zaunfahne war mit silberner Farbe bemalt und am Rande war das für Polen obligatorische Hooligan-H zu sehen. Sicher etwas unvorteilhaft Silber auf Weiß zu malen. Kurz wurde eingeklatscht und etwas supportet bevor man sich wieder aufs Fußball schauen besann.
In der Halbzeit lief ich mal zur nicht ausgebauten Seite, denn dort vermutete ich einen Grill. Dieser war dort auch, und offerierte Kielbasa und Steaks. Gegenüber verkaufte die Heimszene ihre Fanutensilien. Da die Steaks ganz gut aussahen, gönnte ich mir eines. Diese war ganz ok, leider wie die meisten Steaks in Stadien recht durchwachsen.
Mittlerweile war wohl auch der Auswärtsmob im Gästeblock an der Ecke angekommen, von dem wir von unseren Plätzen weder was sehen noch hören konnten. Etwa 40 stabile Gestalten tummelten sich dort hinter zwei Zaunfahnen. Respekt liegen doch knapp 600 Kilometer Fahrt quer durch Polen hinter ihnen und das unter der Woche !
Auf dem Platz hatte die Heimmannschaft keine Chance und am Ende wurden sie sogar von Teilen des Heimpublikums verhöhnt. Verdient verloren sie mit 1:4 und gehen wohl recht schweren Zeiten entgegen.
Im Dauerregen ging es für uns zurück zum Bahnhof, auf dem Weg kamen wir am Gästeblock vorbei, dort standen utopisch viele Bullenwannen. Am Ende dürfte auf jedem Auswärtsfan eine Wanne gekommen sein. Absoluter Wahnsinn !
Entlang des Weges entdeckten wir noch schöne Graffitis von Sandecja und wir waren froh das im alten Zug die Heizung auf volle Pulle lief, waren unsere Klamotten doch richtig nass.
In Krakau wurde noch ein Absacker genommen bevor es in die Senkrechte ging.
Text/Fotos: Pressi




