Samstag, 3. Oktober 2020

KS Wieczysta Krakow - KS Borek Krakow 13:0

 Klasa okregowa, Krakow II

Stadion Wieczysta

Zuschauer: ca. 350

 

Die Stadt Krakau selbst konnte uns mehr als begeistern. Architektonische Schönheit und kulturelle Vielfalt machen die 750.000 Einwohnerstadt zu einem Juwel. Die Altstadt wurde schon 1978 zum Weltkulturerbe erklärt. Ihre Bauten aus Mittelalter, Renaissance und Barock strahlen alten Charme aus.

Krakaus Bedeutung liegt nicht in seiner Größe, sondern darin, dass hier die polnische Nationalidentität ihre Wurzeln hat. Krakau war Zeuge des Anfangs der Höhepunkte und Untergänge des polnischen Staates. Hier wurden Monarchen gekrönt und die älteste Universität Polens gegründet, welche Krakau zum Wissenschafts- und Kulturzentrum Osteuropas machte.

Wir residierten in einer Nebenstraße des 1257 angelegten Rynek Glowny. Dies ist der größte mittelalterliche Marktplatz Europas, dessen Mittelpunkt die berühmten Tuchhallen bilden. Auch ansonsten strotzt die Altstadt nur so von sehenswerten Gebäuden, wovon doch recht viele Kirchen sind. Ist Polen wohl das katholischste Land Europas. Vom 70 Meter hohen Rathausturm hat man einen schönen Blick über die Stadt. Sehenswert sind auch die Elemente der alten Stadtmauer im Norden. Da wir ja tagsüber meist Programm hatten, wurde das Sightseeing Programm meist früh morgens oder abends abgerissen. Auffällig sind die vielen jungen Leute, die die Stadt anzieht. Vor allem Briten lassen sich hier hemmungslos volllaufen, wie eigentlich überall auf der Welt 😉

Wie schon im vorigen Bericht erwähnt, hab ich noch in keiner Stadt die ich bisher bereist habe, so ein hohes Aggressionspotential nachts oder morgens auf der Straße gesehen, wenn die Leute besoffen waren. War echt schon teilweise unangenehm dort mit Frau an Schnapsleichen und Kotzlachen vorbei zu laufen und ich bin wahrlich kein Kind von Traurigkeit.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen des Amateurfußballs, da habe ich nach dem gestrigen trostlosem Spiel bei Slask Wroclaw auch deutlich mehr Bock drauf, als auf minimal gefüllte, moderne Arenen.

Mit dem Bus ging es 6 Kilometer nordöstlich in den Stadtteil Rakowice zum 1942 gegründeten Verein KS Wieczysta. Die Bilder bei Europlan gaben nicht viel her und ließen keine Stadionperle erwarten. Am Eingang wurde man freundlich begrüßt und darauf hingewiesen das es keinen Eintritt kosten würde.

Der Verein scheint wohl gerade aufzurüsten. So wurde auf die alten Stehtraversen eine große Stahlrohrtribüne mit schwarz-gelben Schalensitzen gezimmert. Das Fassungsvermögen schätze ich jetzt mal auf 500 Plätze. Wir waren wie meist, recht bald dran und waren mit die Ersten. Der Blick auf ein paar Plattenbauten und eine Kirche war schonmal recht nett.

Bis zum Anpfiff füllte sich der Ground immer mehr, ständig kamen neue Leute an und mit ihnen auch erstaunlich viele Kinder. Am Ende war die Tribüne doch fast voll besetzt, hätten wir jetzt nicht unbedingt erwartet.

Schon vor Anpfiff bespaßte das Maskottchen, was kann es anderes als eine Biene sein, bei schwarz-gelben Vereinsfarben ? Auch Mützen und Caps war die Biene Wieczystek ins junge Publikum, auch ich hätte beinahe eine gefangen, verzichtete aber drauf und gab sie einem Kind. Hier wird das absolut richtig gemacht und auch die Kinder eingebunden. Denn sie sind die Fans von morgen !

Das Spiel war doch recht einseitig und Wieczysta spielte die Gäste von Borek an die Wand und landete mit 13:0  einen wahren Kantersieg. Auch andere Partien der Truppe gehen ähnlich hoch aus, wie ich recherchierte und man spielt dann sicher nächste Saison eine Liga höher. Vor allem der Herr Majewski stach mit satten fünf Toren heraus.

Ich registrierte immer mehr Leute, die eine Wurst oder Bier in der Hand hielten, konnte aber keinen Verpflegungsstand ausmachen, in der Halbzeit entdeckte ich ihn dann doch recht versteckt hinter einem Zaun welcher mit Strohmatten behangen war. Also Kielbasa und Bier bestellt und wieder an den Platz gegangen. Eigentlich hatte ich ja nach einigen Tschechien-Touren die Schnauze voll von Fettwürsten, der Hunger verleitete mich aber dann doch dazu.

Allerdings war die Wurst ähnlich unserer Bratwurst bzw. einer Räucherwurst und nicht ganz so fetthaltig wie sonst. So war auch Bibiana begeistert von der leckeren Wurst, meidet sie doch sonst Klobasa in Tschechien. Dazu wurde ein eigenes Bier gereicht, welches auch recht schmackhaft war. Nach dem Reinfall gestern, geht heute der Daumen nach oben für die klasse Verpflegung !!!

Fußball, Sonnenschein und gute Verpflegung, was will man denn mehr ? Wir fühlten uns hier rundherum wohl. Auch gibt es wohl eine Art Fanszene. So wurde ich im Netz auf einige Bilder mit Pyro auf den Verein aufmerksam und deswegen wurde dieses Spiel ausgewählt. Heute hing leider nur eine Zaunfahne und es gab weder Support noch Pyro.

Leider passten die Ordner und der Vereinsmokel auf wie die Schießhunde und mir war kein Bild von der Tribüne möglich, das war aber auch das einzige Manko heute.

Am Ausgang steht sogar ein Fanshop, welcher nach dem Spiel auch ordentlich frequentiert war. Für uns sollte es nun weiter gehen zu Prokocim Krakow, welche ihr Spiel am Dienstag leider auf Mittwoch verschoben und wir so damals vor verschlossenen Toren standen.

Aber sowas lasse ich nicht auf mir sitzen und so wurde der zweite Anlauf genommen !

 

Text/Fotos: Pressi