Mittwoch, 21. Oktober 2020

SV Südwest Ludwigshafen II - FC Arminia Ludwigshafen III 1:1

B-Klasse Rhein-Pfalz Süd Süd

Stadion Mundenheimer Straße

Zuschauer: 50

 

Das Gute an der Corona-Zeit ist, dass ständig Spiele sind, auch unter der Woche. Nach dem Motto: Jeden Mittwoch ein Spiel ging es heute nach Ludwigshafen. Diese ist die größte Stadt der Pfalz mit etwa 172.000 Einwohnern. Sie gilt als Schwesterstadt von Mannheim und liegt ihr gegenüber am linken Rheinufer.

Sie ging in den 1840er-Jahren aus der ehemaligen Mannheimer Rheinschanze hervor und bildet mit Mannheim ein zusammenhängendes Stadtgebiet. Sie teilen sich unter anderem das Straßenbahnnetz und die Vorwahl.

Die Stadt ist vor allem als Hauptsitz der BASF und Heimatstadt des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl bekannt. Mit dem Synonym Arbeiterstadt ist sie noch freundlich umschrieben. In der Innenstadt gibt es so gut wie nichts zu sehen. Telefonläden, billige Klamottengeschäfte, Friseure, Nagelstudios, schmierige Döner- und Asia-Imbisse reihen sich aneinander und lassen schnell den Wunsch aufkommen ins Stadion zu entfliehen.

Dies taten Bibiana und ich dann auch rechtzeitig. Das Stadion an der Mundenheimer Straße liegt an einer Ausfallstraße und direkt neben dem alten Südweststadion, indem der Waldhof seine Bundesligaspiele in den 80er-Jahren austrug. Bei einem Besuch dort 2014 entdeckten wir zufällig die auch Phönix-Stadion genannte Stadionperle und seitdem steht es auf der Wunschliste.

Am Eingang wartete schon ein Vereinsmitarbeiter um die Daten zu erfassen, ansonsten konnte man sich ohne Mundschutz frei bewegen. Wir waren beim Blick auf das Stadion sofort total begeistert. Das ehemalige Phönix-Stadion ist ein klassisches Fußballstadion mit bis zu zehn grasbewachsenen Stehrängen auf allen vier Seiten, mit einer kleinen, überdachten Sitzplatz-Haupttribüne auf der nördlichen Längsseite und Vereinsheim auf der gegenüberliegenden Seite. Fassungsvermögen waren früher einmal 12.000 Zuschauer, erbaut wurde das Stadion 1949.

Alles ist etwas schief und mit Gras bewachsen, erinnerte mich an das legendäre Stadion des Rheydter Spielverein in Mönchengladbach, absolute Top-Anlage hier !

Als die Bundesliga 1963 begann, hatten die Fußballfreunde in Ludwigshafen jedes Wochenende die Qual der Wahl, waren doch gleich vier Vereine der Chemiestadt in der zweithöchsten Klasse, der Regionalliga Südwest, vertreten. Von den damaligen Spielstätten sind heute noch das Südweststadion, das TuRa-Sportfeld, das Oppauer Stadion am Güterbahnhof und der Südwest-Platz (ehemals Phönix-Platz) vorhanden.

Der SV Südwest Ludwigshafen entstand in der Hoffnung, durch eine Fusion und Zusammenlegung der Kräfte die Bundesliga zu erreichen. So fusionierten am 29. Mai 1964 TuRa Ludwigshafen mit dem SV Phönix 03 Ludwigshafen. Sowohl TuRa als auch Phönix waren selbst Ergebnisse einer Fusion.

Die Hoffnung durch die Zusammenlegung der Kräfte die Bundesliga zu erreichen, erfüllte sich für den SV Südwest nicht. Der Verein blieb bis 1996 durchgängig in der höchsten südwestdeutschen Spielklasse – bis 1974 in der Regionalliga Südwest, nach deren Auflösung vier Jahre in der Amateurliga Südwest, nach deren Zusammenlegung mit den Amateurligen Rheinland und Saarland bis 1994 in der Amateur-Oberliga Südwest. Am Ende der Spielzeit 1995/96 stieg der SV Südwest als Tabellensiebzehnter in die Fußball-Verbandsliga Südwest ab.

Am dichtesten am Aufstieg in die Bundesliga dran war der SV Südwest 1971, als der Verein die Aufstiegsrunde lediglich um einen Punkt verfehlte und Borussia Neunkirchen sowie der FK Pirmasens den Vortritt lassen musste.

Mittlerweile spielt die Erste Mannschaft nach einem Fall bis in die Bezirksliga Vorderpfalz, wieder in der Landesliga Ost.

Heute stand für die zweite Mannschaft ein kleines Derby gegen die Dritte von Arminia Ludwigshafen an, da wir noch genug Zeit auf der Uhr hatten, machten wir uns es vor dem Container mit der Vereinskneipe bequem. Ein nettes Betreiber-Ehepaar fragte ob wir den von der Zeitung seien, da ich viele Fotos gemacht hatte und ihnen das wohl aufgefallen ist. Das musste ich leider verneinen und sagte, dass wir natürlich privat hier sind.

Leider gab es nur Belegte und Brezeln, was aber bei einem Spiel der Zweiten mit dem geringen Zuschaueraufkommen doch verständlich ist. Ich gönnte mir ein Bier und Bibiana befand die Brezeln als lecker, was ja auch nicht überall der Fall und man irgendwelche Aufbacksachen verkauft. Was hier im Stadion auffiel, war das doch sehr viele Frauen anwesend waren.

Das Spiel war wie erwartet auf schlechten Niveau, was ja bei so einer tiefen Klasse normal ist. Doch das Stadion unter gelben Flutlicht entschädigte voll und ganz dafür. Für mich ist der Ground total unterschätzt und kaum bekannt, steht er doch im Schatten des großen Nachbarn nebenan, dem Südweststadion. Doch hier aufzulaufen lohnt sich für alle Stadionromantiker !

In der zweiten Hälfte wanderten wir auf die Sitzplatztribüne um das Stadion aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Dort fiel uns ein farbiger Mitbürger auf, der wohl zu Südwest gehörte. Entweder ein verletzter Spieler oder Kumpel von einem Spieler. Dieser fiel uns durch sein erhöhtes Aggressionspotential negativ auf. So leerte er nebenbei eine Flasche Vodka und irgendwelche aufputschende Drogen schienen mir hier auch im Spiel zu sein. Um nicht noch eventuell Ärger zu bekommen, vermieden wir offensichtlichen Blickkontakt mit ihm. Ständig war er am Meckern und Pöbeln und trat des Öfteren  mit voller Wucht gegen die Banden…

Was für ein Kunde !

Mit dem Abpfiff ging es zum Auto, welches ihr am besten an der rückwärtigen Seite in der Eriche-Reimann-Straße parkt, wo genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Nun kann ich auf endlich einen Haken an dieses wunderschöne Stadion machen und der Mittwoch wurde wieder einmal sinnvoll mit einem Spielbesuch genutzt, wer weiß wie lange das noch so geht…

Text/Fotos: Pressi