Sonntag, 4. Oktober 2020

KS Hutnik II Krakow - AP KMITA Zabierzow 2:1

Klasa okregowa, Krakow II

Stadion Miejski Hutnik Krakow – KR

Zuschauer: 60

 

Sonntag stand als erstes nach dem Frühstück die Besichtigung des Wawel-Hügels an. Der Burgberg am Ufer der Weichsel, war bis 1596 Sitz der polnischen Könige. Ein Besuch gleicht einer Zeitreise durch die polnische Herrschaftsgeschichte. Entlang der ul. Kanonicza erreicht man das Königsschloss mit Schatz- und Waffenkammer. Die dreischiffige, überwiegend gotische Kathedrale Hl. Wenzel und Hl. Stanislaus wurde durch zahlreiche Kapellen erweitert.

Im Sigismundturm hängt die sogenannte Sigismundglocke. Am Fuße der Wawel liegt die Drachenhöhle, eine Kalksteinhöhle, erreichbar durch den Diebesturm.

Dann besichtigten wir die wunderschöne Josefskirche, welche 1832 im Stil des Klassizismus errichtet wurde. Das Kirchengebäude ist ein Beispiel für den Weichsel-Ostsee-Stil, die polnische Variante der Neugotik, die an die mittelalterliche Backsteingotik im Raum der Weichsel und Ostsee anknüpft.

Dort legten wir eine Pause ein und  ich bestellte mir das erste Bier des Tages. Bibiana war heiß auf ein weiteres Spiel nachdem geplanten Wisla-Heimspiel. Ich checkte die Tagesansetzungen im Raume Krakau und dabei fiel mir fast mein Glas aus der Hand… denn das Spiel Wisla gegen Lechia Gdansk war plötzlich verschwunden. Kurz nachgeschaut war es auf den 28.10. verschoben. Ich gehe jetzt mal von einem Corona-Fall aus.

Der Schreck saß uns tief in den Gliedern, so mussten wir schnell nach einer Alternative suchen. Das Heimspiel der zweiten Mannschaft von Hutnik Krakau rückte in den Blickpunkt, bei Europlan war das geniale Miejski-Stadion als Spielort angegeben. Ich hatte zwar leichte Zweifel, aber würde es dort stattfinden, wäre die Alternative doch besser vom Stadion her als das neue Wisla-Stadion. Vorher war leider nichts mehr zu machen, so schlenderten wir noch in der Stadt umher und aßen noch eine Pizza in einem Hipster-Laden, welche jetzt nicht sonderlich gut war.

Anschließend nahmen wir die Straßenbahn nach Nowa Huta. Dort entstand rund um das größte und modernste Stahlwerk ab 1949 eine Planstadt für die Arbeiter im Stil des Sozialistischen Realismus. Man nannte sie Nowa Huta (neue Hütte) und wollte damit ein Vorbild für kommunistisches Zusammenleben und -arbeiten schaffen.

Gedacht als Gegenentwurf zum bürgerlichen Krakau, entwickelte sich Nowa Huta in den 1970er-Jahren zu einer Hochburg der Arbeiteropposition. Dennoch gilt der Stadtteil mit seinen rund 250.000 Einwohnern vielen traditionellen Krakauern bis heute als das ungeliebte sozialistische Kind.

Am Stadion angekommen, waren alle Tore verrammelt und somit war mir klar, dass hier wohl nicht gespielt wird, auch wenn wir doch recht zeitig vor Ort waren. Das Stadion wird aktuell umgebaut um es Zweitligatauglich zu machen. Von weit her hörten wir Pfiffe und sahen mehrere Nebenplätze. Darauf fanden aber größtenteils Jugendspiele auf halben Platz statt, also nichts was man zählen könnte.

Wir nahmen am Kunstrasen Platz, welcher eine kleine Tribüne hatte und es kam Bewegung in die Sache. Anscheinend kam gerade die Gastmannschaft an und inspizierte den Kunstrasenplatz welcher voller Laub lag. Auf deren Rückweg ging ich ihnen entgegen und fragte auf Englisch ob sie denn aus Zabierzow seien und wollte wissen auf welchem Platz sie denn kicken würden. Da entgegnete mir ihr Wortführer mit Hipster-Bart und Designer-Tätowierungen: „No Deutschland !“

Da war ich erstmal sprachlos…hätte ich auf Deutsch gefragt, hätte ich es ja noch verstanden, aber so…rassistisches polnischer W….r !

Dieser lief dann später als Kapitän auf und war zugegebenermaßen der beste Mann auf dem Platz. Allerdings so ein richtiges Arschloch, welcher bei jeder Aktion beim Schiri Beschwerde einlegte und ständig reklamierte. 

Wir nahmen auf der Tribüne Platz und hatten nunmehr ein Hassobjekt und die Sympathien lagen klar bei Nowa Huta, welche ja mit dem 1. FC Magdeburg befreundet sind.

Glücklicherweise konnten diese das Spiel knapp gewinnen und der Pisser mit der Nr. 9 musste mit seiner Truppe punktlos die Heimreise antreten. Sehr schön !

Wir hatten genug Zeit bis unser Zug in die Heimat fahren sollte und gingen nochmals in ein Brauhaus essen, dieses war auf Bayerisch gemacht, was mich den Kopf schütteln ließ und ich erwartete kein gutes Essen. Zum Abschluss bestellte ich mir nochmals Pierogi, welche auch echt lecker waren.

Dann tranken wir noch einen Cocktail auf dem Rynek und als einzige Gäste verabschiedeten wir uns nochmals von unserem englischen Stammpub. 

Krakau ist auf jeden Fall eine Reise wert !

Text/Fotos: Pressi