Freitag, 2. August 2019

SFC Opava - FC Banik Ostrava 0:2

CFL
Stadion v Městských Sadech
Zuschauer: 6087 (1009 Gäste)


Das tschechische Schlesien-Derby war schon länger interessant für mich, doch aufgrund der unpassenden Terminierung, schwieriger Anreise und der Kartensituation schob sich mein Besuch in Opava vor sich hin. Dieses Mal passte die Terminierung und auch die Anreise war durch einen Kollegen mit Mietauto einfacher. Die Terminierung meinte es generell gut mit uns, denn für Samstag stand noch ein anderes Derby in Mähren, im Osten der Tschechischen Republik, an. Sonst waren es noch drei weitere Spiele, die unsere erste Auslandstour der Saison abrundeten.
Die Kartenfrage für das für Freitag angesetzte Derby ließ sich nicht wirklich im Vorfeld lösen. Das Stadion hat lediglich eine Kapazität von 7500 Plätzen. Nach Abzug von Gästeblock und Pufferblock blieben generell nicht mehr viele freie Karten. Diese konnten zunächst nur von Dauerkartenbesitzer gekauft werden. Am vorletzten Tag war der Verkauf der übriggebliebenen Karten (600) für Normalsterbliche aber lediglich für vor Ort freigegeben worden. Das schlesische Derby ist wohl eins der wenigen Fußballspielen in CZ, bei dem man neben dem Prager Derby ein Kartenproblem bekommen könnte. Somit bestieg auch ich ohne ein Derbyticket sicher zu haben den Flixbus in die Hauptstadt des östlichen Nachbars. Gegen halb 9 war ich pünktlich in Praha Hradčanská angekommen. Nach über einer guten Stunde hatte das Warten ein Ende und ich wurde von dem Hopperpärchen aus dem Ruhrpott aufgesammelt. Den Philipp kenn ich bereits seit der Israel-Tour im Dezember letzten Jahres. Seine Freundin Jess habe ich nun auch kennenlernen dürfen. Vor uns lag nun eine gute Strecke von 370 km in den Osten. Mit dem kleinen Skoda Citigo und den Hunderten Baustellen auf der Stecke war dies alles andere als ein Zuckerschlecken, doch in einer guten Gesellschaft vergeht die Zeit schnell. Wobei Philipp sich als ein wahrer Top Typ erwies, als er wie aus dem nichts mir auch noch ein Ticket klarmachen konnte. Er hat einen Opava-Fan (David) angeschrieben. Dieser hat schon vor ein paar Tagen für die beiden Kollegen die Zutrittsberechtigungen für das Derby organisiert und nun wurde bei einem seiner Kumpels noch eine weitere Dauerkarte frei, die er mir gerne bereitstellen konnte. In Opava, der drittgrößten Stadt des Moravskoslezskýkraj (Mährisch-Schlesische Region), waren wir dann gegen 15 Uhr angekommen. Dem Sightseeing wurde doch lieber eine Mahlzeit vorgezogen, sodass wir den Platz 2 der Stadt bei TripAdvisor U Trikohoutu aufsuchten. Anschließend ging es mit vollem Magen zum Ground, der wie der Name schon sagt im Stadtpark liegt. Am Parkplatz wurden wir dann eben von David aufgesammelt, der Philipp noch ein gelbes Trikot brachte. Schließlich hieß bei Opava schon immer „Alle in Gelb“ und da sollte man sich selbst als Hoppernase aus Respekt dranhalten. Wie es sich am Ende herausstellte, war dies sogar ein Geschenk von dem Tschechen. Er hat uns erzählt er wäre schon von Dutzend anderen Deutschen angeschrieben worden, doch unser Philipp sollte der erste gewesen sein und somit sagte er ihm zu. Zwar hatten wir unsere Plätze auf der Gegengerade, doch unser Versuch auf die Haupttribüne zu gelangen, war erfolgreich, sodass wir nun eine gute Ansicht auf die beiden Blöcke hatten. Banik bekam eine gute Kartenquote von 16% in Opava und war demnach mit ca. 1000 Mann vor Ort. Unterstützung gab es natürlich aus Oberschlesien in Form von 46 GieKSa Kibice. Am Zaun war hier schon der Choreospruch gehangen: „Unter den Hufen der Pferde stirbt euer Verein“. Der Spruch kann dann später zur ca. 20 Minute mit dem Ausrollen der Blockfahne zur Geltung. Dort war das Wappen der Stadt Ostrava zu sehen, bei dem ein Pferd (Stadtzeichen) das Wappen des SFC Opava zertrampelte. Die Choreo war am Ende mit etwas Rauch untermalt. Das Gemalte gab zwar ein gutes Bild ab, aber die Pyrotechnik kam eher bescheiden zum Einsatz, um einen ordentlichen Eindruck bei uns zu hinterlassen. Im Heimblock auf der Gegengerade bereiteten sich die Hausherren sich währenddessen erst auf ihre Choreo vor. Über den beiden Zaunfahnen („Opavsti Chalupari“ und „Slezsky FC Opava“) wurde ein Spruchband drübergehangen. Nachdem alle gelben und blauen Zettel hochgehalten wurden, begann man auch mit dem Ausrollen der Blockfahne. Diese beschäftigte sich mit den Abrissarbeiten der eigentlichen Heimat Baniks, dem Stadion Bazaly. Der Spruch am Zaun lautete passend dazu „Ein König ohne eine Burg ist kein König“ Als Kral Banik bzw. King Banik bezeichnet sich Banik selbst, während Opava als Joker dargestellt wird. Im zweiten Teil der Choreo wurde eben ein Joker mit Totenkopf auf der Blockfahne ausgerollt und am Rande wurden dann einzelne Bengalos abgefackelt. Nach den beiden Choreos waren dann wieder Zaunfahnen an den Fanblöcken zu sehen. Bei Opava waren es nur noch die beiden erwähnten Fahnen gewesen, während Banik mit „VLAJKONOŠI DOMÁCÍ“, „OSTRAVACI“, „CHACHAŘI“ und 5 weiteren kleinen Stoffen glänzte. Sowohl von der Optik als auch von der Akustik her wirkten die Gäste an diesem Abend deutlich interessanter. Ohne die Heimszene kleinreden zu wollen, ist Banik aber fantechnisch einfach generell um einiges voraus. Nicht nur, dass es eine viel größere Szene ist, Banik gilt als eine klare Nummer Eins des Landes. Mit dem Entscheidungstor in der 82. Minute folgte bei Banik noch die letzte Pyroshow, welche aber wieder nicht mit reichlich Bengalos ausgeschmückt war. Anscheinend wurden nicht die ganzen Fackelreserven über die Kontrollen gebracht, denn anders kann ich mir die magere Pyro nicht erklären. Mit dem Derby waren wir schlussendlich zufrieden, auch wenn die Action im Stadion auf tschechische Art und Weise mehr oder weniger entspannt ablief. Nach dem Abpfiff versuchten wir mit David erst vergeblich Bier zu bekommen, denn ein Stand nach dem anderen meldete immer wieder „Pivo ist alle“. Am Ende klappte es nach langem Hin und Her doch in der Stadionkneipe. Nach ein paar Bier mussten wir uns leider vom David verabschiedeten, denn für uns Drei stand die Übernachtung in Třinec an. Dabei erlebten wir eine lustige Situation als wir ein Bild mit David vor dem Stadioneingang machten. Plötzlich wollten sich noch mehr Besoffskis mit ihren Kinder mit unserem Tschechen ablichten zu lassen. Aufgrund seines Trikots wurde der Kollege wohl für einen Spieler gehalten. Oder war es denn vielleicht doch ein Star?!

Text/Fotos: Шаффи