Freitag, 30. August 2019

PFK Slavia Sofia - PFC Arda 1924 Kardzhali 2:3

Parva Liga
Stadion Slavia
Zuschauer: 500 (ca. 40 Gäste)

Endlich sollte es für mich nach Bulgarien gehen. Dieses Jahr habe ich mir zwei bestimmte Länderpunkte vorgenommen und eins davor war Bulgarien. Ursprünglich stand der Besuch beim Sofia-Derby im Fokus, doch nachdem es der Terminierungsgott wieder einmal gut gemeint hat, sprang dabei auch noch das Plovdiv-Derby für das Wochenende raus. Nach drei Tagen in Bulgarien ging dann die Tour in der Ukraine weiter, dazu aber später mehr…
Zunächst ging es also am späten Donnerstagabend nach Dortmund, wo am nächsten Morgen der Flug in die bulgarische Hauptstadt startete. Gegen Eins war ich dann in der größten Stadt der Republik angekommen. Der Flieger landete im alten Terminal 1, welches noch komplett in den Anfang 90ern geblieben ist. Da die Metro in die Stadt aus dem Terminal 2 fährt, ging es mit dem Shuttle eben zum neuen, modernen Flughafengebäude. Gleich die U-Bahn genommen und 15 Minuten später stand ich am Nationalstadion des Vasil Levski. Im gleichen Park, 500 Meter steht das Stadion des CSKA, wo ich schon mal die Zugangsberechtigung für das am Sonntag anstehende Derby abholen konnte. Die heruntergekommene Ambiente und die Lage des Stadions konnten mich schnell überzeugen, sodass dieser Ground beim nächsten Bulgarien-Besuch ziemlich sicher in Angriff genommen wird. Schon bei der Planung der Reise musste ich eigentlich feststellen, dass die Stadienlandschaft dortzulande extrem viel zu bieten hat. Somit wird sich der nächste Trip dorthin nicht lange auf sich warten! Inzwischen hatte ich ordentlich Hunger bekommen, sodass der Laden Izbata Tavern aufgesucht. Aufgrund der Hitze bestellte ich mir lediglich den Schopska-Salat sowie die kalte Suppe Tarator. Beide Gerichte sind die Klassiker für Bulgarien schlecht hin und vor allem bei hohen Temperaturen definitiv zu empfehlen. Anschließend ging es quer durch die Innenstadt zum Bus- und Hauptbahnhof. Schnell wurden meine Erwartungen bestätigt, dass Sofia jetzt von seinen Sehenswürdigkeiten her keine wirkliche Touristadt sei. Selbst im Zentrum ist die eine oder andere Ecke echt heruntergekommen und mir ging mehrmals der Gedanke durch den Kopf, wie denn Bulgarien es überhaupt schon 2007 in die EU geschafft haben soll. Denn selbst in meiner Heimat Ukraine geht es rein optisch besser zu. Am Busbahnhof zog ich mir genau das letzte Ticket für die Busfahrt aus Plovdiv zurück und am Bahnhof konnte ich mir noch eine Fahrkarte für die Hinfahrt organisieren. Somit war ich für den morgigen Ausflug nach Plovdiv gut versorgt. Schließlich ging es zum Hotel, wo ich mich noch eine Zeitlang nach der kurzen Nacht ausruhte, ehe es wieder rausging. Das Erstligaspiel von Slavia war ja recht spät auf 20:30 terminiert, doch davor wollte ich noch was essen. Dafür ging es in den berühmten Happy Grill, der bei deutschen Hopper wie auch bei meinem Kollegen Pressiwohl mehr Vorfreude als ein Sofia-Derby mit sich bringt. Von dieser Restaurantkette liest man ja gefühlt in jedem Bulgarien-Bericht. Nachdem ich in der Speisekarte Sushi, Burger und anderen Kack gelesen habe, würde ich ja am besten schon gleich gehen, doch eine Chance sollte es bekommen. Nun ja, das Essen war natürlich dementsprechend und für mich wird es bei dem einen Besuch bleiben.
Slavia kickt sei Frühling dieses Jahres wieder im eigenen Stadion, welches im Stadtteil Ovcha Kupel liegt. Mit der Straßenbahn der Linie 4 oder 5 ist es eigentlich gut erreichbar, doch ich entschied mich aufgrund des Zeitpolsters lieber die 3 km zu laufen. Der Ground des siebenfachen Landesmeisters ist typisch für die Längengrade in Form einer Schüssel gebaut. Es ist schon gut in die Jahre gekommen, versprüht aber umso mehr Charme. Für die Zuschauer ist mehr oder weniger nur die Haupttribüne geöffnet, wo sich auch links unten die einheimischen Ultras positionierten. In der ersten Halbzeit schaffte ich es dennoch in die Kurve zu kommen, während nach der Pause das Tor dahin schon dicht gemacht wurde. Bei den Zuschauerzahlen in Bulgarien wirkt das Stadion mit seinen 25 000 Plätzen schon sehr überdimensioniert. Letzte Saison waren gegen Levski gerade mal über 4000 Zuschauer am Start. Übrigens sollte anstelle der alten Bude ein modernes Stadion entstehen. 2014 wurde sogar vom Verband ein Vertrag mit einer deutschen Baufirma unterzeichnet, doch bis heute ist da rein gar nichts passiert. Sportlich ist Slavia deutlich hinter Levski und CSKA anzusiedeln, wobei man nach der Wende noch Hoffnungen gemacht hat an die alten guten Zeiten vor dem Sozialismus anknüpfen zu können. Seit 1990 konnte der älteste Verein der Hauptstadt aber nur einmal die Meisterschaft (1996) und zweimal den Pokal (1996 und 2018) holen. Fantechnisch ist Slavia vergleichsweise zu den beiden Großen natürlich klein aufgestellt, sodass man sich in Sofia nur mit Lokomotiv messen kann. Interessant finde ich jedoch die untypische Freundschaft der Schwarz-Weißen in die Schweiz, nämlich zur Fanszene von YB.
Nach dem Spiel wollte ich nach der kurzen Nacht nicht viel Zeit mit den Öffis vertreiben und buchte mir über TaxiMe eine Fahrt direkt bis zum Hotel. Diese bulgarische App kann ich übrigens nur weiterempfehlen, denn bei der Kartenzahlung gibt es noch einen “guten” Rabatt, welcher manchmal sogar für eine komplett kostenlose Fahrt ausreicht. Jedoch geht mir immer noch der Gedanke durch den Kopf, ob ich nun den Ground und damit auch den Länderpunkt zählen kann… bei der Hopperpolizei in Hannover munkelt man nämlich, dass dies kein Groundhopping sei. Mit der Sünde werde ich aber wohl leben müssen.

Text/Fotos: Шаффи