Samstag, 17. August 2019

Jagiellonia Białystok - Górnik Zabrze 3:1


Ekstraklasa
Stadion Miejski w Białymstoku
Zuschauer: 10 656 (ca. 200 Gäste)


Nach zwei Stunden Zugfahrt aus Warszawa war ich in der Hauptstadt der Wojwodschaft Podlaskie - Białystok angekommen. Die Region liegt im Nordosten von Polen an der Grenze zu Belarus und Litauen. Nach der Einwohnerzahl und der Bevölkerungsdichte ist die Wojwodschaft eine der kleinsten im Lande. Die Stadt bestand historisch aus vielen unterschiedlichen Nationalitäten, sodass hier nicht nur Juden, Polen und Weißrussen lebten, sondern sogar noch eine Gemeinschaft von Tataren bestand.
Die Altstadt ist recht schön und ich konnte die Zeit dann auch noch im Grünen an der Universität gut rumbringen. Allgemein bewundere ich Polen ja immer wieder für die Sauberkeit und die Ordnung, welche man in Deutschland inzwischen leider nirgendwo mehr vorfinden könne. Da hat sich meine Einstellung nur nochmal bestätigt. Das Stadion, wo der Pokalfinalist von 2019 seine Spiele austrägt, ist eine moderne Arena mit einer Kapazität von 22 386 Plätze. Es wurde Stück für Stück an Stelle des alten Stadions aufgebaut. In der Podlaskie Wojwodschaft geht fußballtechnisch recht wenig, sodass neben dem Erstligisten nur noch die Fanszenen ŁKS Łomża und Wigry Suwałki mehr oder weniger landesweit bekannt sein dürften. Jagiellonia, Jaga genannt, ist aber die klare Nummer Eins. Bis 2007 war der Verein erst 4 Jahre seiner langen Vereinsgeschichte in der ersten Liga vertreten. Seit dem letzten Aufstieg spielt man aber nun 12 Jahre in der Ekstraklasa. In der Zeit war der Club einmal Pokalsieger geworden und zweimal auf dem zweiten Tabellenplatz in der Liga (2016/17 und 2017/18) abgeschnitten. Bekannt ist der Verein vor allem durch seine seltsame Farbenkonstellation bestehend aus Rot und Gelb. Manche Hopperkollegen fahren darauf so ab, dass sie sich gleich bei Ankunft sogar Trikots von Jaga holen. Ähm, Geschmack ist natürlich relativ! Ich ließ es sein und begab mich lieber gleich auf die Haupttribüne. Generell ist die Kurve der Gelb-Roten nicht nur bedingt durch die Farben recht einzigartig. Noch als die polnische Ultras-Kultur irgendwann in den 80ern in den Kinderschuhen steckte, war Jaga bei Heimspielen nicht nur ein Zuschauermagnet, sondern stellte einen zahlreichen Fanblock auf. Mit der Zeit war man dann zwar wieder bedingt durch Abstiege abgerutscht, doch mit dem Aufstieg und Fertigstellung des Stadions läuft es wieder bergauf. Bei dem anstehenden Spiel war mir durchaus im Vorfeld bewusst, dass es kein Brüller sein wird. Die Gäste haben zwar was drauf, aber mit Jaga keinerlei Berührungspunkte und aufgrund der Entfernung aus Oberschlesien auch nicht hochmotiviert für das Match. In etwa 200 sind dann im Gästeblock erschienen und supporteten auch schon bei guten Mitmachquoten die 90 Minuten ohne große Pausen durch, aber eben ohne jegliche Besonderheiten.
Bei der Heimszene war es entsprechend auch so. Generell hat Jaga bis auf Mazur Ełk, die letztes Jahr noch als FC (Fanclub) galten, keine Freundschaften, aber zugleich auch nicht besonders viele Feinde außerhalb der Region. Der größte Feind ist ganz klar Legia, die vor guten 5 Jahren alle Fahnen von Jaga gezogen hat. Das Aufeinandertreffen der beiden Clubs habe ich bereits 2016 in Warszawa gesehen. Aber zurück zum Thema! Das Stadion war am Ende in etwa zur Hälfte gefüllt wird, was eine typische Auslastung für Jaga darstellt. Seit der Eröffnung war es gerade einmal ausverkauft (2017 im Meisterschaftskampf gegen Legia). Die Fankurve wirkt genau so überdimensioniert wie das Stadion. Die Kibice standen dabei auch nicht geschlossen zusammen, sondern war im Gegenteil wild verteilt auf der Tribüne. Ein gutes Bild gab er schon deswegen gar nicht ab. Die Gesänge kamen bei mir dennoch schon sehr gut an, sodass ich insgesamt doch zufrieden sein kann. Am Anfang habe ich noch überlegt, ob ich nicht lieber entspannt einen Dreier in Warszawa (Olimpia, Ursus und Polonia) machen sollen, doch da man nicht so einfach bzw. oft in die Ecke von Białystok kommt, bevorzugte ich lieber dieses Spiel und letztendlich auch zufrieden gewesen.

 
Text/Fotos: Шаффи