Sonntag, 18. August 2019

HNK Hajduk Split - HNK Gorica 3:0

HNL
Stadion Poljud
Zuschauer: 14.054

Kennt ihr das? Wenn ihr ständig ein Stadion vor der Nase habt und ihr könnt kein Spiel drinnen sehen? Man will dieses aber unbedingt kreuzen? So ging es mir mit dem Poljud. Seit vier Tagen hab ich es bei jedem Blick aus unserem Zimmer vor den Augen und es kribbelt bei jedem Anblick. Doch heute sollte es endlich soweit sein. Spieltag!

Doch erst hatten wir eine Bootsfahrt gebucht um Split auch mal aus der anderen Perspektive zu sehen. Kostete 100 Kuna ( 1€ = 7,2 Kuna). Kann ich nur empfehlen, man sieht viel und bekommt auch einige kleine Informationen. Sogar ein Badestopp war dabei.
Generell muss ich sagen, das mich die Strände in Kroatien jetzt nicht umgehauen haben. Die meisten Strände sind ja nicht aus Sand sondern mit Kieselsteinen. Was jetzt beim Laufen oder Liegen ja nicht sonderlich prickelnd ist. Ich empfehle das Tragen von Badeschuhen. Denn auch im Meer liegen die Steine und man muss aufpassen sich nicht zu verletzen oder umzuknicken. Einziger Vorteil man hat nicht ständig Sand auf dem Badetuch.
Nur wegen einem Strandurlaub würde ich sicher nicht nach Kroatien fahren. Da bevorzuge ich lieber Sandstrände. Dafür hat das Land natürlich viel andere Sachen zu bieten.
Nach der Bootstour holten wir uns an einem Straßenimbiss etwas zu essen, für mich gab es natürlich Cevapi im Fladen und für die Tochter Zwiebelringe und noch einen Burger. Schon von überall her sah man Leute in Hajduk-Trikots, T-Shirts, Schals und Mützen.  In den Parks hockten Leute bei Bier und teilweise mit Joints und stimmten sich auf das Spiel ein.
Schon wenn man durch Dalmatien fährt, fällt eines sofort auf: Die riesigen und schönen Wandmalereien der Torcida. An der Autobahn, an Tunnel, an Häusern und auf Plätzen. Richtige Kunstwerke, ich behaupte mal Hajduk hat mit der Torcida die beste Street-Art-Abteilung der Welt !
Auch ich habe etliche Kunstwerke ablichten können, so wird irgendwann mal ein Special mit den Kunstwerken veröffentlicht werden. Also Augen offen halten, es lohnt sich !
Die Torcida gilt ja als älteste Fanorganisation in Europa. Sie wurde am 28. Oktober 1950 gegründet und hat mit ihren aktuell 8.000 Mitgliedern einen starken Einfluss auf die Entscheidungen der Vereinsführung.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte der Sport im ehemaligen Jugoslawien einen hohen Stellenwert. Aufbauen auf alten Stadtklubs wurden neue Vereine gegründet (Dinamo Zagreb, Partizan, Crvena Zvezda) die schnell erfolgreich wurden und sich mit alten Vereinen wie Hajduk Split spannende Meisterschaftsduelle lieferten, die oft erst am letzten Spieltag entschieden wurden.
Diese Situation gab es auch am vorletzten Spiel im Oktober 1950 vor dem Spiel zwischen Hajduk Split und Crvena Zvezda, dem entscheidendem Spiel für die jugoslawische Meisterschaft, welches in Split ausgetragen wurde. Die Begeisterung führte bei einer Gruppe von Hajduk-Split-Fans, die zu der Zeit in Zagreb studierten, zu der Entscheidung eine organisierte Fangemeinschaft zu bilden. Damals orientierten sich die Studenten an der brasilianischen Torcida, die bei der Weltmeisterschaft 1950 durch temperamentvolle Unterstützung aufgefallen sind. So wurde Torcida durch einen Kern von 113 Studenten und anderen Jugendlichen, hauptsächlich aus Dalmatien stammend, gegründet.
Unser Ticket holten wir uns an einem der Kassenhäuschen. Es herrschte großer Andrang davor, auch weil jetzt viele Kroaten aus dem Ausland Urlaub machen und natürlich dann ein Spielbesuch bei ihrem Herzensverein ansteht. Ich hatte ja sogar auf ein Europacup-Quali-Match von Hajduk gehofft, doch diese Hoffnung zerschlug sich in der ersten Runde.
Hajduk brachte es doch tatsächlich fertig gegen den maltesischen Verein Gzira auszuscheiden. Man gewann das Hinspiel auf Malta mit 2:0. Im Heimspiel führte man früh mit 1:0 und es war praktisch die zweite Runde erreicht. Was sich dann abspielte grenzt an ein „Wunder“ oder besser gesagt an Schiebung ! 
In der letzten halben Stunde ließ man sich doch tatsächlich noch drei Buden einschenken. Wer hier noch an ein sportliches Wunder glaubt, der glaubt auch sicherlich noch an den Weihnachtsmann.
Wenn hier nicht die kroatische Wettmafia viel Geld bei Balkan-Bet gesetzt und gewonnen hat, fress ich einen Besen ! Wahrscheinlich hatte hier Ante Sapina wieder seine Finger im Spiel ! Da lachen ja echt die Hühner !
Die Torcida stürmte übrigens nach Spielschluss den Innenraum und man versuchte auch an den Präsidenten ranzukommen. In der Woche danach wurde auf Druck der Torcida der Trainer entlassen. Nun ist Damir Buric für die Mannschaft verantwortlich, den man ja auch aus Deutschland (Freiburg, Gladbach, Mannheim) kennt.
Denn kroatische Sportler gehören sicherlich zu den Mentalitätsmonstern und geben alles für ihren Verein und vor allem ihr Land. Da ist es wirklich unwahrscheinlich, dass man so gegen eine limitierte Mannschaft aus Malta ausscheidet, dazu noch so spektakulär.
So musste heute ein Spiel gegen Gorica herhalten. Das ist ein Verein aus dem Süden der Landeshauptstadt Zagreb, welcher auch erst 2009 aus dem Zusammenschluss von NK Radnik Gorica und NK Polet entstand.
Das Stadion Poljud wurde 1979 anlässlich der Mittelmeerspiele erbaut und ist eine echte Perle. Ihr Aussehen soll an eine geöffnete Muschel erinnern und das Äußere wirkt auch noch heute futuristisch. Auch die Lage kann voll überzeugen. Es liegt am Rand eines Wohngebietes, dessen Plattenbauten dem ganzen noch einen rauen Charme verleihen. Dazu ist das Meer auch nur einen Steinwurf entfernt, übrigens wenn ihr mal Eiswürfel braucht…auf dem Parkplatz steht eine Eiswürfelmaschine…
Das Stadion trägt auch den Beinamen „Poljudska Ijepotica“ (Die Schönheit von Poljud). Poljud heißt übrigens der Stadtteil in dem das Stadion liegt, es fasst aktuell 34.448 Plätze. Auf der Südtribüne können keine Zuschauer Platz nehmen, dort steht die Anzeigetafel und eine Art VIP-Balkon. An den oberen Wänden sind die Vereinserfolge aufgelistet. Seit 2005 wartet der HNK Hajduk Split nun auf eine Meisterschaft, aber seit der Verhaftung von Mamic, weiß man ja, dass der Hauptstadtklub Dinamo wohl offensichtlich bevorteilt wird.
Vom recht ordentlichen Zuschauerzuspruch war ich angenehm überrascht, habe ich doch auf 9.000 Zuschauer getippt, was bei dem Wurstgegner wohl normal der Fall gewesen wäre. Der HNK Gorica wurde von 20 Anhängern begleitet, welche den Namen „Good Boys“ tragen. Sie hatten vier Zaunfahnen und zwei Schwenker im Gepäck und konnten sich kaum Gehör verschaffen. Auch von der Anzahl her, keine guten Jungs ;-)
Das lag jetzt nicht an der atemberaubenden Performance der Torcida. Ich denke angesichts des Gegners und dem räudigen Ausscheiden aus dem internationalen Wettbewerb war heute eher Schonkost angesagt.  Im Spiel nach dem Ausscheiden wurde übrigens ein Spruchband (Ihr hab uns den Sommer versaut) gezeigt, was die aktuelle Gefühlslage wohl treffend beschreibt.
Darf man als kleiner Groundhopper eine so mächtige und geschichtsträchtige Kurve denn überhaupt kritisieren ?
In der zweiten Halbzeit wurden im vorderen Bereich ein paar rot-blau-karierte Fähnchen geschwenkt und nach dem 3:0 etwas Pyro gezündet. Mir hat es hier trotzdem irgendwie gefallen und ja ich hege auch gewisse Sympathien zu dem Klub.
Wer sich fragt was denn der Vereinsname bedeutet. Als Heiducken bezeichnete man zu der Zeit der türkischen Herrschaft über Südosteuropa meist bandenmäßig organisierte Gesetzlose, besonders Wegelagerer, Plünderer und Freischärler.
Im Stadion wird übrigens auch Bier ausgeschenkt, ansonsten gibt es das südosteuropäische Angebot aus Nüssen, Kernen, Popcorn und Eiscreme.
Nach dem Spiel gingen wir noch in eine nahe Strandbar und ließen den Abend bei einem wundervollen Sonnenuntergang ausklingen.
Sicher werde ich hier noch mal aufschlagen, denn ein Spiel gegen Dinamo oder Rijeka in einem volleren Poljud und mit zwei motivierten Kurven könnte hier ein echtes Highlight werden.

Hajduk živi vječno  (Hajduk lebt ewig)

Text/Fotos: Pressi