Hessenliga
Sportanlage an der Kastanienallee
Zuschauer: ca. 300
Nach 33 Jahren Abstinenz kehrt der älteste Fußballverein Hessens zurück in die Hessenliga. Grund genug für mich einmal in der Brüder-Grimm-Stadt vorbei zu schauen. Fußballerisch hatten die 1893 gegründeten Hanauer schon bessere Zeiten erlebt, 1894 sollten sie sogar im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Viktoria Berlin antreten. Aufgrund von Geldmangel konnten die Hanauer jedoch nicht nach Berlin zum Endspiel anreisen. 2007 kam es dann nach 113 Jahren zu einer symbolischen Neuaustragung welche die Berliner in Hin- und Rückspiel für sich entscheiden konnten.
Aber auch danach spielten die 93er recht erfolgreich und erreichten mehrmals das Finale um die süddeutsche Meisterschaft wo sie allerdings immer unterlagen. 1905 konnten sie allerdings nicht antreten weil nur 2 Spieler zum Finale anreisten. Bis 1916 landeten sie noch öfters im Halbfinale um danach für knapp 20 Jahre von der Bildfläche zu verschwinden. Erst im Jahre 1933 konnten sie sich wieder in den neu gegründeten Gauligen durchsetzen und wurden Hessenmeister und an der deutschen Meisterschaft teilnehmen. Diesen Titel errangen sie auch in den Jahren 1935, 1936 und 1938 und stellten mit Heinrich Sonnrein sogar einen deutschen Nationalspieler. nach dem 2. Weltkrieg ging es sportlich nochmals bergauf, 1953 stiegen sie in die 2. Liga Süd auf. Mit Einführung der Bumdesliga ging es wieder runter in die Hessenliga worauf sie im Folgejahr erneut abstiegen. 1978 schafften sie nochmals den Weg zurück in die 2. Bundesliga Süd, stiegen aber sofort wieder ab und von da an begann die Talfahrt welche in den 90er Jahren in der Kreisliga A endete.
Da ich das ganze auch noch mit einem Spiel im Herbert-Dröse-Stadion doppeln konnte machte den Ausflug nach Hessen nur noch interessanter für mich.
Die Sportanlage in der die Hanauer ihre Heimspiele absolvieren ist lediglich ein besserer Sportplatz, lediglich die kleine Stehtraverse, die sich die Fans aus Bierkästen gezimmert haben, hebt sie von einem stinknormalen Sportplatz ab. Etwas in die Jahre gekommen aber bei gutem Wetter sicherlich recht einladend ist der Biergarten hinter dem Vereinsheim. Wobei mich die Preise (3€ für ein 0,33er Flaschenbier) etwas abschrecken würden mehr als eins zu trinken. Während ich noch überlegte wie die hier das Topspiel gegen Kassel über die Bühne bringen wollen, klärte der Stadionsprecher etwas später noch auf, dass sie ihr nächstes Heimspiel in der ca 1 km entfernten alten Heimat dem Herbert-Dröse-Stadion gegen Kassel austragen werden.
Die Fans sammelten sich kurz vor dem Anpfiff auf der oben erwähnten Bierkastentribüne und hingen ihre Zaunfahnen auf. Keine Ahnung als was sie sich selbst bezeichnen, aber ich denke mit oldschool liege ich nicht ganz daneben. Während in der ersten halbzeit eher sporadisch mal ein Schlachtruf erklang war die zweite Hälfte sogar überraschend Stimmungsvoll und so hörte ich einige lustige Lieder. Für einen Oberligisten auf alle Fälle mehr als in Ordnung!
Soll die Klasse gehalten werden muss allerdings noch bisschen was passieren den spielerisch war das heute nicht wirklich herausragend. Waldesgrimes konnte mich zwar auch nicht überzeugen, aber gewann dennoch verdient meiner Meinung nach. Einzige Lichtblick gab zumindest der Hanuer Keeper ab, den fand ich nicht schlecht und seine Vorderleute hatte er auch lautstark im Griff. Ich drück jedenfalls die Daumen das der Klassenerhalt für den Traditionsverein klappt!
Hanau hat die Bombe!
Text/Fotos: Harry