Samstag, 24. August 2019

SV Grödig - SV Austria Salzburg 3:0


Regionalliga Salzburg
Untersberg-Arena
Zuschauer: 1600 (ca. 600 Gäste)

Spontan ließ ich mich selbst für ein Auswärtsspiel der Salzburger Austria motivieren und buchte mir lediglich ein Tag vor der Abfahrt eine ICE-Verbindung in die viertgrößte Stadt Österreichs. Durch einen 15 Euro Gutschein war der Preis von 50 Euro noch völlig im Rahmen für eine Tagestour, sodass man kurz nach halb 7 in einem ICE nach München saß. Auf dem Weg hatte man durch einen außerplanmäßigen in Adelsberg eine Verspätung eingefangen, sodass der Anschluss in der Landeshauptstadt verpasst wurde.
Doch beim meinem Zeitpuffer und der hohen Zugtaktung auf der Strecke halb so schlimm, denn schon in 20 Minuten ist der nächste IC gegen Osten abgefahren. Um Zwölfe war ich somit in der Geburtsstadt des Wolfgangs Amadeus Mozarts angekommen. Das anstehende Spiel war zwar in Grödig, einem Vorort der Mozartstadt, die Zeit bis zum Anpfiff sollte dabei aber in Salzburg verbrachte werden. Ich war zwar hier schon mal im Jahr 2002, als ich nach Deutschland eingewandert bin, doch erinnern konnte ich mich eigentlich an nichts mehr. Beim besten Wetter wurde entspannt die Altstadt erkundet und am Ende noch die Festung Hohensalzburg bestiegen. Den Besuch im Inneren der Burg plane ich definitiv für den nächsten Besuch ein, denn zumindest zu einem Heimspiel des SV Austria will ich in der nächsten Zeit auch noch unbedingt. Bevor ich mich auf die Busfahrt nach Grödig einließ, wurde an einer der Imbissbuden eine Pusztakrainer Wurst mit Meerrettich verspeist. Am Marktplatz stehen sehr viele Wurststände, bei denen alle möglichen Würste verkauft werden. Diese scheinen zudem nicht nur touristisch zu sein, sondern bei Einheimischen beliebt zu sein. Das Spiel rückte näher, sodass ich den Linienbus nach Grödig genommen habe und 30 Minuten später war ich in dem Vorort angekommen. Von da läuft man noch ein Stück zur Untersberg-Arena, die seit 2014 einen Sponsorennamen trägt. Die Kapazität des Grounds ist seit dem ersten Bundesligaaufstieg des SV Grödig (2013) beläuft sich auf 4330 Plätze. Es ist lediglich auf drei Seiten ausgebaut. Die Gegengerade fehlt zwar komplett, doch dafür genießt man einen wundervollen Blick auf den riesigen Untersberg. Nach drei Saisons in der Bundesliga ist der Verein gleich in die drittklassige Regionalliga West runter, da der Club auf die Profilizenz verzichtete. Seit dieser Saison entstanden drei neue Regionalligen der Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg, die aber nicht wirklich mit den klassischen Regionalligen Ost und Mitte gleichzusetzen sind. Während die Meister dieser beiden Ligen direkt in die Erste Liga aufsteigen können, wird der eine Aufsteiger aus den drei ländergebundenen Regionalligen nach der Winterpause in einer Eliteliga ausgespielt. Der Wunsch die alte Regionalliga West in drei Ligen aufzulösen, kam mehr oder weniger von den Vereinen selbst um die Reisekosten zu sparen. Durch den zweiten Platz letzte Saison in der Salzburger Liga sind auch die Violetten in die neue Liga mitreingerutscht. Der fangetragene Verein wurde 2005 gegründet, nachdem der Salzburger Brausekonzern den SV Austria Salzburg von 1933 übernommen hat und die Traditionen des alten Vereins beiseitegelassen hat. In Österreich ist es ja normal gang und gäbe mit den Sponsorennamen bei den Fußballvereinen, doch dass die Vereinsfarben, Wappen flötengehen, ist es damals zum ersten Mal passiert. Die Fanszene von Austria, die zu den besten im Lande gehört, hat es natürlich nicht akzeptiert und gründete darauf den ersten Fanverein auf dem Kontinentaleuropa. Der neugegründete Verein krabbelte sich langsam hoch und ist sogar für die Saison 2016/16 in der Ersten Liga und damit im Profifußball angekommen. Immer wieder kämpfen die Salzburger mit finanziellen Problemen oder auch die Stadionfrage wurde in der Vergangenheit zwischendurch zum Thema. Das Engagement und der Zusammenhalt um den Verein finde ich bewundernswert und damit mein voller Respekt an die Violetten. Für das „Auswärtsderby“ in Grödig hat die Szene zu einer Trikotfahrt aufgerufen. Passend dazu war auch die Choreo,  bei der mittig ein Trikot ausgerollt und drum herum mit lilanen Fähnchen gewedelt wurde. Am Zaun war ein Spruchband „Gebt alles für dieses Trikot zu lesen“. Mit den „Alles geben“ hat es an diesem Tage aber nicht wirklich geklappt, denn am Ende zeigte die Anzeigetafel ein gerechtes 3:0 für die Hausherren. Dabei hätten es aber zumindest die Gästefans, die mit ihren guten 500 Mann die Mannschaft ohne Pausen gut unterstützten, sicherlich verdient gehabt. Der Stil der Austrianer ist recht italienisch geprägt. Die Austrianer haben schließlich nicht umsonst zu drei italienische Kurven gute Kontakte. Nach Udine und Barletta sind es sogar schon länger offizielle szenenübergreifende Freundschaften, während man mit Catanzaro noch gute Kontakte pflegt. Der Auftritt in Grödig konnte mich überzeugen, dabei gab es nicht nur die erwähnte Choreo zum Spielbeginn, sondern es wurden mehrmals Bengalos und Rauchtöpfe abgefackelt. Ein Heimblock besteht zwar faktisch auch, doch diesen würde ich jetzt mit ihren „mehr Fahnen als Leute“ nicht als eine Szene bezeichnen. 
Nach dem Spiel hatte ich eigentlich über eine Stunde Zeit bis mein Zug Richtung Heimat fahren würde, doch mit den Öffis könnte es eng werden, sodass ich mich im Stadion durchfragte und letztendlich eine Mitfahrgelegenheit zum Salzburger Bahnhof gefunden hatte. Die Rückfahrt lief wie geschmiert ohne Verspätungen, sodass ich gegen 23 Uhr wieder im schönen Mainfranken angekommen bin.

Text/Fotos: Шаффи