Regionalliga Salzburg
Untersberg-Arena
Zuschauer: 1600 (ca. 600 Gäste)
Spontan ließ ich mich selbst für ein Auswärtsspiel
der Salzburger Austria motivieren und buchte mir lediglich ein Tag vor der
Abfahrt eine ICE-Verbindung in die viertgrößte Stadt Österreichs. Durch einen
15 Euro Gutschein war der Preis von 50 Euro noch völlig im Rahmen für eine
Tagestour, sodass man kurz nach halb 7 in einem ICE nach München saß. Auf dem
Weg hatte man durch einen außerplanmäßigen in Adelsberg eine Verspätung
eingefangen, sodass der Anschluss in der Landeshauptstadt verpasst wurde.
Doch beim
meinem Zeitpuffer und der hohen Zugtaktung auf der Strecke halb so schlimm,
denn schon in 20 Minuten ist der nächste IC gegen Osten abgefahren. Um Zwölfe
war ich somit in der Geburtsstadt des Wolfgangs Amadeus Mozarts angekommen. Das
anstehende Spiel war zwar in Grödig, einem Vorort der Mozartstadt, die Zeit bis
zum Anpfiff sollte dabei aber in Salzburg verbrachte werden. Ich war zwar hier
schon mal im Jahr 2002, als ich nach Deutschland eingewandert bin, doch
erinnern konnte ich mich eigentlich an nichts mehr. Beim besten Wetter wurde
entspannt die Altstadt erkundet und am Ende noch die Festung Hohensalzburg
bestiegen. Den Besuch im Inneren der Burg plane ich definitiv für den nächsten
Besuch ein, denn zumindest zu einem Heimspiel des SV Austria will ich in der
nächsten Zeit auch noch unbedingt. Bevor ich mich auf die Busfahrt nach Grödig
einließ, wurde an einer der Imbissbuden eine Pusztakrainer Wurst mit
Meerrettich verspeist. Am Marktplatz stehen sehr viele Wurststände, bei denen
alle möglichen Würste verkauft werden. Diese scheinen zudem nicht nur
touristisch zu sein, sondern bei Einheimischen beliebt zu sein. Das Spiel
rückte näher, sodass ich den Linienbus nach Grödig genommen habe und 30 Minuten
später war ich in dem Vorort angekommen. Von da läuft man noch ein Stück zur
Untersberg-Arena, die seit 2014 einen Sponsorennamen trägt. Die Kapazität des
Grounds ist seit dem ersten Bundesligaaufstieg des SV Grödig (2013) beläuft
sich auf 4330 Plätze. Es ist lediglich auf drei Seiten ausgebaut. Die
Gegengerade fehlt zwar komplett, doch dafür genießt man einen wundervollen
Blick auf den riesigen Untersberg. Nach drei Saisons in der Bundesliga ist der
Verein gleich in die drittklassige Regionalliga West runter, da der Club auf
die Profilizenz verzichtete. Seit dieser Saison entstanden drei neue
Regionalligen der Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg, die aber nicht
wirklich mit den klassischen Regionalligen Ost und Mitte gleichzusetzen sind.
Während die Meister dieser beiden Ligen direkt in die Erste Liga aufsteigen
können, wird der eine Aufsteiger aus den drei ländergebundenen Regionalligen
nach der Winterpause in einer Eliteliga ausgespielt. Der Wunsch die alte Regionalliga
West in drei Ligen aufzulösen, kam mehr oder weniger von den Vereinen selbst um
die Reisekosten zu sparen. Durch den zweiten Platz letzte Saison in der Salzburger
Liga sind auch die Violetten in die neue Liga mitreingerutscht. Der
fangetragene Verein wurde 2005 gegründet, nachdem der Salzburger Brausekonzern
den SV Austria Salzburg von 1933 übernommen hat und die Traditionen des alten Vereins
beiseitegelassen hat. In Österreich ist es ja normal gang und gäbe mit den
Sponsorennamen bei den Fußballvereinen, doch dass die Vereinsfarben, Wappen
flötengehen, ist es damals zum ersten Mal passiert. Die Fanszene von Austria,
die zu den besten im Lande gehört, hat es natürlich nicht akzeptiert und
gründete darauf den ersten Fanverein auf dem Kontinentaleuropa. Der
neugegründete Verein krabbelte sich langsam hoch und ist sogar für die Saison
2016/16 in der Ersten Liga und damit im Profifußball angekommen. Immer wieder
kämpfen die Salzburger mit finanziellen Problemen oder auch die Stadionfrage wurde
in der Vergangenheit zwischendurch zum Thema. Das Engagement und der
Zusammenhalt um den Verein finde ich bewundernswert und damit mein voller Respekt an die Violetten. Für das „Auswärtsderby“ in
Grödig hat die Szene zu einer Trikotfahrt aufgerufen. Passend dazu war auch die
Choreo, bei der mittig ein Trikot
ausgerollt und drum herum mit lilanen Fähnchen gewedelt wurde. Am Zaun war ein
Spruchband „Gebt alles für dieses Trikot zu lesen“. Mit den „Alles geben“ hat
es an diesem Tage aber nicht wirklich geklappt, denn am Ende zeigte die
Anzeigetafel ein gerechtes 3:0 für die Hausherren. Dabei hätten es aber zumindest
die Gästefans, die mit ihren guten 500 Mann die Mannschaft ohne Pausen gut
unterstützten, sicherlich verdient gehabt. Der Stil der Austrianer ist recht
italienisch geprägt. Die Austrianer haben schließlich nicht umsonst zu drei
italienische Kurven gute Kontakte. Nach Udine und Barletta sind es sogar schon
länger offizielle szenenübergreifende Freundschaften, während man mit Catanzaro
noch gute Kontakte pflegt. Der Auftritt in Grödig konnte mich überzeugen, dabei
gab es nicht nur die erwähnte Choreo zum Spielbeginn, sondern es wurden
mehrmals Bengalos und Rauchtöpfe abgefackelt. Ein Heimblock besteht zwar
faktisch auch, doch diesen würde ich jetzt mit ihren „mehr Fahnen als Leute“
nicht als eine Szene bezeichnen.
Nach dem Spiel hatte ich eigentlich über eine
Stunde Zeit bis mein Zug Richtung Heimat fahren würde, doch mit den Öffis
könnte es eng werden, sodass ich mich im Stadion durchfragte und letztendlich
eine Mitfahrgelegenheit zum Salzburger Bahnhof gefunden hatte. Die Rückfahrt
lief wie geschmiert ohne Verspätungen, sodass ich gegen 23 Uhr wieder im schönen
Mainfranken angekommen bin.
Text/Fotos: Шаффи






































