Stadion Maksimir
Zuschauer: 23.859 (23 Gäste)
An unserem letzten Tag in Split hatten wir einen Ausflug in den Krka-Nationalpark gebucht. Der kroatische Nationalpark Krka umfasst auf einer Fläche von 109,5km² den rund 45 Kilometer langen Flussabschnitt der Krka zwischen Knin und Skradin, sowie den Unterlauf des Nebenflusses Cikola.
Die Quelle der Krka befindet sich beim Wasserfall „Topoljski buk“, der sich nicht mehr auf dem Gebiet des Nationalparks befindet, jedoch auch unter Schutz steht. Der Fluss hat neben vielen kleinen, acht große Wasserfälle.Highlight ist hier der „Skradinski buk“, dieser setzt sich aus Rauwackenbrarieren, Inseln und Seen zusammen, die von einem Netz von Pfaden und Brücken für Wanderer durchzogen werden. Hier kann man dann auch baden.
Ich kann diesen Park nur empfehlen. Allerdings vermeidet es in den Sommerferien hier aufzulaufen, denn hier war die Hölle los und teilweise kein Weiterkommen. Hier sollte die Parkleitung mal über einen Einlassstopp nachdenken.
Von Split ging es für uns nach Sibenik, wo wir noch 2 Tage in einem echt schönen Apartment verbrachten und nochmals im Meer badeten. Hat mir gut gefallen und vielleicht werde ich hier nochmal herkommen.
Eigentlich hatte ich für das Wochenende das Spiel von Dinamo Zagreb gegen Rijeka im Auge, da jedoch Dinamo in der Champions League weiter kam, wurde dieses verschoben. Nun rückte das Hinspiel in Zagreb gegen Rosenborg Trondheim in meinen Blickpunkt. Zwar sicherlich kein Leckerbissen, aber auch nicht so schlecht. Am letzten Abend wurde ich durch die Meldung von Dinamo auf deren Facebook-Seite aufgeschreckt, das drei Tribünen schon ausverkauft wären. Dem Link gefolgt und gesehen es ist nur noch die Jug, also die ehemalige Gästekurve im Verkauf. Alle Daten eingetragen und auf bestellen geklickt, als die Meldung kam, meine E-Mail-Adresse ist ungültig. Auch mit meiner zweiten Adresse wollte es nicht klappen.
Nun wurde ein Aufruf auf einer Hopping-Seite bei FB gestartet und mein geschätzter Kollege Phillip meldete sich. Ihn lernte ich letztes Jahr in Litauen kennen und vor zwei Wochen waren wir erst gemeinsam in Tschechien. Er kennt eine Kroatin aus Zagreb, welche mir dankenswerter Weise helfen könne. Super !
Zwar glaubte ich noch an den Tageskassen zwei Tickets zu ergattern, aber in so einem Fall geh ich lieber auf Nummer sicher.
Nachmittags kamen wir in der kroatischen Hauptstadt an und bezogen unser Quartier wiederum bei einer Oma, in deren Nebenzimmer.
Den heutigen Tag ließen wir ruhig angehen und setzten uns in einen bosnischen Imbiss und bestellten uns mal wieder Fleischplatten. Rechtzeitig fuhren wir zum Stadion, wo schon ein großer Biergarten aufgebaut war und laute Musik von einem DJ erschallte.
2008 war ich hier schon mal im Europacup mit dem HSV zu Gast, so das der heutige Besuch kein neues Kreuz nach sich ziehen sollte. Ich vermeide das Hopper-Trendwort dazu…
Damals fuhren wir mit der legendären Brigada Bavaria im Bus von München aus. Schon an der Stadtgrenze wurden wir von den Bullen angehalten und gewarnt nicht in erkennbaren HSV-Klamotten rumzulaufen. So wurden den ganzen Tag über immer Kleingruppen von den Bad Blue Boys hinterhältig angegriffen und teilweise beklaut.
Die Bad Blue Boys wurden am 17.3.1986 in Zagreb, von Mitgliedern aus verschiedenen Stadtteilen gegründet. Der Name basiert auf dem Film „Bad Boys“, mit dem Sean Penn 1983 seinen Durchbruch schaffte.
Das Gruppensymbol ist eine Bulldoge und die Hymne der Gruppe stammt von der kroatischen Rockband „Pips, Chips & Videoclips“ und heißt „Ja volim Dinamo“ ( Ich liebe Dinamo).
Übrigens wurden sie vom Bleacher Report 2011 in der Liste „Hardcore Hooligan Gruppen, mit denen man sich lieber nicht anlegen sollte“ geführt.
Mittlerweile sind sie nach dem Boykott wegen des Ex-Präsidenten wieder zurück auf den Tribünen, aber nicht ganz so stark wie in früheren Glanzzeiten.
Ich erinnere mich noch an das riesige „Bad Blue Boys“-Banner das die ganze Tribünenbreite einnahm, wo das wohl geblieben ist und warum es nicht mehr aufgehängt wird ? Geklaut kann es ja sicher nicht sein, dazu hätte man schon einen Tieflader gebraucht.
Nachdem wir eine Stadionrunde gedreht hatten, kehrten wir noch in eine der nahegelegenen Kneipen ein, wo sich die unterschiedlichsten Typen von Fans von Dinamo aufs Spiel einstimmten. Hooligan, Ultra, Normalo.Hier wird man in Ruhe gelassen, da könnten sich in unseren Breitengraden mal einige Ultragruppen eine Scheibe von abschneiden !
Eine Stunde vor Anpfiff trafen wir uns mit Marina, die uns unsere Tickets übergab. Hier nochmals ein Hvala ! Im Endeffekt war das Stadion dann natürlich nicht ausverkauft und sogar auf den drei nicht im Online-Verkauf befindlichen Tribünen war noch Platz. Warum, weiß wohl nur Dinamo selbst. Ist aber mal wieder typisch Balkan.
Meine Tochter verlangte nach Sonnenblumenkernen, sodass ich ihr vor Betreten des Stadions den Wunsch natürlich erfüllte, obwohl ich mit dem knacken dieser so gar nicht zu recht komme.
Das Stadion Maksimir liegt im Nordosten der Stadt im gleichnamigen Stadtviertel. Gegenüber befindet sich der Zoo und der Park Maksimir. Eröffnet wurde es 1912 und ist mit 35.123 Plätzen das größte Stadion des Landes. Über das Stadion gehen ja die Meinungen auseinander, viele mögen es nicht und finden es hässlich. Von außen stimme ich da zumindest bei zwei Seiten zu, vor allem die Glasfront hinter der BBB-Kurve. Von innen allerdings erinnert mich der Ground etwas an Südamerika mit den drei verschiedenen, einfachen, steilen Tribünen. Während hinter dem einen Tor noch eine Kurve aus dem alten Stadion erhalten blieb.
Hier fand sogar Geschichte statt, wenn auch ziemlich schreckliche. Während der Partie zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad am 13.5.1990 kam es auf den Tribünen und dem Spielfeld zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des Heimvereins und der jugoslawischen Bundespolizei. Über das Fernsehen wurden diese Szenen in die Wohnzimmer der jugoslawischen Bevölkerung in allen Republiken übertragen.
Diese Ereignisse rund um das Spiel gelten als Auslöser für die ein Jahr später beginnenden Jugoslawienkriege.
Übrigens soll das Maksimir ab Anfang 2020 komplett überdacht und renoviert werden, denn bis jetzt hat ja keine einzige Tribüne ein Dach.
Im Stadion merkte man das die Anhänger heiß auf die Champions League waren, denn auf dem Balkan ist das Erreichen der Gruppenphase immer noch etwas Besonderes und nicht alltägliches. Zum Einlaufen der Mannschaften startete ein fünf Minuten dauernder Wechselgesang zwischen der Fantribüne und dem restlichen Stadion, das machte schon mal Appetit auf mehr und ließ großes erwarten.
Der Support war echt gut und man muss sich ja vorstellen, was wohl mit einem Dach hier möglich wäre. Aber auch so war es gut, immer wieder stiegen auch die anderen Tribünen mit ein. Optisch waren nur drei Schwenker in der Kurve in Aktion. Zwar waren die Gesänge auch eher einfacherer Art, hat mich aber überhaupt nicht gestört. Bin ich ohnehin nicht so der Freund von ewig langen Liedern. Hier wird mehr Wert auf Lautstärke und Mitmachquote gelegt und versucht die Mannschaft nach vorne zu peitschen.
Da meine Tochter mit dem Kerne knacken auch nicht zu Recht kam, drehte sich unser Vordermann um und erklärte es uns. Hier muss ich mal anmerken das ich bei meinem ersten Kauf Sonnenblumenkerne, damals bei Dinamo Bukarest, die Schale mitgegessen habe und mein Nebenmann die Hände über den Kopf zusammenschlug und es mir auch versuchte zu erklären, ich ihm dann aber schlussendlich die Packung schenkte, weil es mir zu mühselig war.
Doch heute haben wir beide Gefallen daran gefunden und es funktionierte doch recht gut. Allerdings stehen Aufwand und Ertrag in keinem Einklang !
In der zweiten Halbzeit packten die BBB ein paar optische Stilmittel mehr aus und auch wohl bedingt durch den positiven Spielverlauf wurde nochmal eine kleine Schippe drauf gelegt. War schon echt stark, hatte ich bei dem Gegner nicht unbedingt so erwartet als ich die Paarung las.
Der Gästeblock befand sich heute wohl am Rande der Haupttribüne. Dort konnte ich 23 Norweger ausmachen, davon kein einziger Ultra oder geschweige denn eine Zaunfahne. Schon echt schwach !
Das Spiel konnte Dinamo verdient mit 2:0 gewinnen und steht nun kurz vor dem Einzug in die Gruppenphase. Wäre zumindest ein bunter Farbklecks in dem doch fast jedes Jahr gleich besetzte Champions League Feld.
Magischer Moment war nachdem die Mannschaft für ihre Leistung gefeiert wurde, die ganzen abwandernden Leute auf dem Weg die Treppenabgänge hinab einfach leidenschaftlich weitersangen !
Das sind Emotionen, die den Fußball ausmachen und ich hatte eine Gänsehaut. Klasse!
Draußen in die nächste passende Straßenbahn und ab nach Hause. Hat sich wider Erwarten doch gelohnt diese Begegnung besucht zu haben.
Text/Fotos: Pressi






































