Senvages Stadionas
Zuschauer: ca. 120 (ca. 20 Gäste)
Nach der gestrigen, harten Nacht fiel das Aufstehen schwer. Mühevoll packte ich mein Zeug und verzichtete auf die Dusche, da man bei der Hitze sowieso alles wieder gleich klitschnass ist. Den Rucksack im Hostel gelassen, ging es erstmal zum frühstücken. Typisch in Litauen gibt es hauchdünne Blynai, was unseren Pfannkuchen entspricht.
Die gibt es in allen Variationen, von herzhaft mit saurer Sahne oder süß mit Marmelade. Ich entschied mich für welche mit Käse und Schinken. Mit einer eiskalten Cola genau das richtige um den Kater zu bekämpfen.Eigentlich ist ein Besuch auf dem Gedimashügel Pflicht. Wie ich gestern erfahren von Philipp erfahren hatte, ist dieser gerade wegen Renovierungsarbeiten gesperrt.
Fürst Gediminas ließ am Zusammenfluss von Vilnia und Neris in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts drei Burgen errichten; auf dem Burgberg die Obere oder Gediminas-Burg, unterhalb davon am heutigen Kathedralenplatz die Untere Burg,die später zum Palast des Großfürsten ausgebaut wurde, sowie auf dem Plikasis bzw. Drei-Kreuze-Berg die Schiefe Burg.
Von der Oberen Burg blieb der Gediminasturm erhalten, das Wahrzeichen der Stadt, auf dem seit 1990 wieder die Nationalflagge Litauens weht.
Normalerweise kann man auch mit der Standseilbahn die 71 Höhenmeter überwinden, aber wie gesagt auch heute noch geschlossen. So ging ich auf den nebenanliegenden Drei-Kreuze-Berg. Er bietet eine herrliche Aussicht auf Vilnius und die Flusslandschaft. Drei monumentale Betonkreuze erinnern an den Standort der Schiefen Burg die 1390 von Kreuzrittern niedergebrannt wurde.
Auch heute war es wieder brennend heiß, erinnerte mich an meine Tour durch die Ukraine zur EM 2012, bei der ähnliche Temperaturen herrschten und man damals die Hälfte der Nächte im Zug verbrachte. Diesmal wurden 3 Nächte im Bus verbracht.
Anschließend ging es in die Künstlerrepublik Uzupis.
Hier haben sich Bildhauer, Maler, Architekten und Grafiker angesiedelt um sich ganz ihrer Kunst zu widmen.
Hier am Rand von Vilnius zwischen Gartenlauben und der gotischen Annenkirche bietet die Stadt den Freiraum, der sonst fehlt. Die scheckigen Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert, in denen einst öffentliche Bäder lagen gehören genauso wie die verfallenen Wohnhäuser mit ihren düsteren Hinterhöfen zur Republik Uzupis. Hier wohnen rund 2.000 Bewohner, die ihren eigenen Pass haben und ihren eigenen Präsidenten und Bischof wählen. Ein Schild lehrt man solle stets wie die Mona Lisa lächeln. Ihre öffentlich angeschlagene Verfassung umfasst 41 Artikel, wie das Recht auf Glück - alllerdings auch auf Unglück.
Auch heute kühlte ich mich mit einigen Frappe´s herunter. Zu Mittag gabs heute Potato Sausage mit sauerer Sahne, auch sehr lecker, allerdings reichte mir heute die kleine Portion vollkommen.
Um der Hitze zu entgehen ging ich noch in das litauische Nationalmuseum. Muss man jetzt nicht unbedingt machen. Hier gibt es 4 verschiedene Touren, die alle extra buchbar sind oder halt zusammen. So kann man mit dem Aufzugtrick von Tour 1 auch die Tour 2 besuchen.
Im übrigen hat mir jetzt Vilnius besser gefallen als Tallinn, welches ich ja letztes Jahr zu dieser Zeit besuchte. Erstens ist die Altstadt um einiges größer und auch ist hier der Touri-Abzock nicht so weit gediehen wie in Estland. Denn dort war in der Altstadt alles total überteuert, während in Vilnius man zu humanen Preisen essen und trinken kann.
Dann ging es endlich wieder zum Fußball. Wieder ging ich zu Fuß, mache ich ja gerne, denn so sieht man auch was von den Städten außerhalb der Touri-Pfade.
Eigentlich gehts vom Zentrum immer geradeaus. Erst überquert man die Neris, bevor es dann abenteuerlich wird. Auf Europlan ist als Spielort der Zweiten von Zalgiris das LFF-Stadion angegeben. Soccerway meldete ein kleineres Stadion. So vertraute ich lieber Soccerway, da mir das 1000er-Stadion für den Kick realistischer erschien.
Als es plötzlich über nicht asphaltierte Wege ging und aus modernen Häusern, die ursprünglichen Holzhäuser wurden, kamen in mir doch erste Zweifel auf...stimmt denn die Adresse ???
Hier schien mir nichts auf einen irgendwann erscheinenden Ground hinzudeuten ! Doch ich hatte genug Zeit und so ging ich weiter und siehe da zwischen einem Gymnasium und einer Platte lag er da, der Kunstrasen mit einer Tribüne. Genauso wie ich mir die meisten Grounds in Litauen vorstelle, nachdem ich ja schon einiges in Fanzines las. Gerade kam die Gastmannschaft an und ich verzog mich erstmal in ein nahes Einkaufszentrum, welche hier überall stehn. Denn ich mußte mal dringend den Darm entleeren.
Als ich wiederkam wärmten sich beide Teams auf und ich nahm auf der Tribüne Platz. Eintritt wurde keiner verlangt.
Jetzt kamen mir leise Zweifel an meinem Hobby. Muss das sein ? Kunstrasen ? 3. Liga Litauen ? Bei sich ankündigenden Gewitter ?
JA, muss es !!! Da es die letzten Tage so heiß war, hatte ich komplett auf irgendwas verzichtet mitzunehmen was mich vor dem Gewitter geschützt hätte. Doch erstmal zog dieses nach ein paar Tropfen weiter.
Zalgiris Vilnius wurde 1947 gegründet, als Litauen zur Sowjetunion gehörte, die Vereinsfarben sind traditionell Grün-Weiß. Der Verein wurde bisher dreimal umbenannt. Im Jahr seiner Gründung hieß er "Dinamo", von 1948 bis 1961 "Spartakas". Seit 1962 heißt der Verein jetzt "Zalgiris", im Gedenken an die Schlacht bei Tannenberg (1410).
Der bekannteste Spieler dürfte HSV-Legende Valdas Ivanauskas sein. Auch bekannt als "Ivan, der Schreckliche".
Zu meinem Verwundern füllte sich der Ground doch noch recht ordentlich, sogar einige Gästefans kamen.
Auch das Spiel war jetzt doch recht ansehnlich und es fielen auch noch 6 Tore für den Gast. Die dunklen Wolken am Himmel machten mir echt Sorgen und ein paar Blitze kündigten das nächste Gewitter an. Doch auch diesmal fielen nur ein paar Tropfen, da hab ich echt Glück gehabt !
So ging es nach dem Spiel nochmals ins Hostel und eine Dusche gönnte ich mir auch noch, sollte diese doch die letzte bis zu meiner Ankunft in Deutschland bleiben.
Nochmals kehrte ich auf einen Blynai ein und dann ging es zum Busbahnhof, wo mich der Nachtbus zu meinem nächsten Ziel, der litauischen Hafenstadt Klaipeda brachte. Dort kam ich wiederum um 3:50 Uhr nachts an. Mit meinem Gepäck gings zum Hafen, wo die letzten Nachtschwärmer heimwärts zogen und ich mir es auf einer Bank an der Fähre mehr oder minder bequem machte...
Text/Fotos: Pressi



































