Sonntag, 5. August 2018

SK Dynamo Ceske Budejovice - FC Sellier & Bellot Vlasim 1:0

Fortuna Narodni Liga
Strelecky Ostrov
Zuschauer: 1305 (2 Gäste)

In der litauischen Hafenstadt Klaipeda nahm ich die erste Fähre nach Smiltyne um die Kurische Nehrung zu besuchen. Das ist eine 98 km lange, 400m bis 3,8km breite, von Südwesten sanft nach Norden gebogene Landzunge, die das Kurische Haff seit 10.000 Jahren von der Ostsee abriegelt. Hier gibt es sowohl weißen Strand und vom Wind getriebene Sanddünen, wie in der Sahara.
So blieb etwas Zeit am fast menschenleeren Strand mal die Seele baumeln zu lassen. Ansonsten ist auch die Hafengegend recht nett.
Nach einem Frühstück ging es zum eigentlich anvisierten Spiel von Koralas Klaipeda. Das Klaipeda Centrinio Stadiono hat 3 Plätze, ein großes Stadion welches leider verschlossen war und ich es nur durch Gitter ablichten konnte. Geiles Teil ! Ansonsten gibts noch einen Kunstrasen mit einer Sitzplatztribüne, wo wohl die meisten Spiele stattfinden und noch einen Kunstrasen ohne Ausbau, wo gerade die gegnerische Mannschaft ein Trainingsspielchen absolvierte. Das hieß für mich, dass das Spiel wohl später angepfiffen wird und ich hier ohne Spiel abziehen werde. Schade, aber sowas gehört ja auch zu unserem Hobby. Es läuft halt nicht immer alles nach Wunsch !
Mein Bus fuhr etwas verspätet ab, so dass ich schon Hummeln im Arsch hatte, da ich in Marijampole nur 25 Minuten zum Umsteigen hatte. Doch wie alle auf dieser Tour genutzten Busse, war auch dieser überpünktlich und ich konnte mir noch zwei Dadu-Eis gönnen. Nun ging es wieder über Polen nach Prag, dort ging es erstmal in den Bahnhof zur kleinen Körperpflege und danach kaufte ich mir das Ticket nach Budweis und ein paar Pivos für die Zugfahrt.
Ceske Budejovice (Budweis) ist das wirtschaftliche Zentrum Südböhmens und mit 95.000 Einwohnern gleichzeitig die größte Stadt der Region.
Der historische Stadtkern ist noch heute intakt. Der quadratische Marktplatz mit 133 Metern Laubengängen an jeder Seite wird durch den achteckigen Samsonbrunnen in der Mitte vervollständigt. Zudem gibt es noch den barocken "Weißen Turm und den gotischen "Schwarzen Turm", auf letzteren begab ich mich auf die 255 Stufen nach oben, bei der Hitze nicht ganz so einfach, doch im Gegensatz zu den schnaubenden deutschen Touristen, gelang mir das noch ganz gut. Dort hat man einen herrlichen Blick über Ceske Budejovice. Im übrigen gehrört das barocke Rathaus zu den schönsten Gebäuden Tschechiens !
Die Stadt ist allgemein durch das zweite weltberühmte Bier Tschechiens bekannt, dem "Budweiser/Budvar". Nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Plörre.
Zum Mittagessen begab ich mich wieder in ein Brauerei-Restaurant. Als Vorspeise gabs ene Knoblauchsuppe mit Käse und Brotcroutons. Als Hauptspeise das obligatorische Gulasch mit Knödeln. Lecker wars !
Dann gings endlich wieder zum Fußball.
Der SK Dynamo Budejovice wurde 1905 gegründet und blieb lange ohne überregionalen Erfolg, erst 1934 beschloss die Vereinsführung, den Professionalismus einzuführen. Zweimal unterlag man im Pokalfinale (1986, 1992) und man wurde eine richtige "Fahrstuhlmannschaft. Fast jährlich stieg man auf und wieder ab. In der Winterpause 2004/5 gelang dem Verein mit der Verpflichtung von Nationalspieler Karel Poborsky, der im Streit seinen Vertrag bei Sparta Prag aufgelöst hatte, ein spektakulärer Coup. Er war maßgeblich am Wiederaufstieg in die Gambrinus-Liga beteiligt. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass er selbst Vorstandsvorsitzender des Vereins ist. Er spielte schon zu Jugendzeiten für den Klub und startete von hier aus ab 1994 seine Weltkarriere.
Das Stadion Strelechy Ostrov ist recht modern mit blauem, gewellten Dach und einer etwas älteren Haupttribüne. Fassungsvermögen sind 6.681 Sitzplätze. Heute war freier Eintritt, frag mich nicht warum. Und so mußte ich der Dame hinter dem Ticketschalter die Kartenrohlinge abschwatzen. Hätte lieber die vielleicht 3€ für ein richtiges Ticket bezahlt. Wenn ich irgendwo keinen freien Eintritt brauche dann ist das sicher in Tschechien ! Aber gut, man will ja nicht meckern.
Besonderheit ist der Kinderspielplatz auf einer Hintertortribüne, hier kann Papa das Kind abgeben und sich dem Budvar-Konsum hingeben während des Spiels. Gute Idee !
Auf der gegenüberliegenden Seite sammelten sich die aktiven Fans von Budweis hinter einer "Ultras Budweis"-Fahne. Natürlich hat das hier soviel mit Ultra zu tun, wie RB mit Tradition. Aber ab und an wurde was ins Viereck gerufen. Ist halt mal kein Fußballland, das schöne Tschechien.
Im Gästeblock waren 2 Hansel, ob die überhaupt Fans des Vereins mit dem total bescheuerten Namen aus Vlasim waren, ist zudem ja auch fraglich.
Im Spiel gelang in der letzten Minute der Siegtreffer für das Heimteam und so kann man eventuell ja wieder dieses Jahr den Fahrstuhl nach oben nehmen.
Zur Halbzeit gönnte ich mir, trotz des üpigen Mittagsmahls, eine Klobasa. Da ich nicht ohne diese Fettwurst meine Tour beenden wollte. Hätte ich mal lieber nicht getan. Denn die Klobasa schmeckte überhaupt nicht. Geschmacklos, mit viel zu dicker Haut. Pfui, also Finger weg davon! Das musste ich natürlich erstmal mit Bier herunterspülen. Da wäre selbst der Hot-Dog wahrscheinlich besser gewesen.
Nach dem Spiel ging es direkt mit dem Zug wieder zurück nach Prag. Der Bus brachte mich pünktlich nach Würzburg, wo ich mich noch eine knappe Stunde aufs Ohr legen konnte, bevor wieder die Pflicht rief.
Eine schöne Tour ging nach 4.000 Kilometer, 2 Ländern, 5 Spielen und 3 Nächten im Bus zu Ende. Nächstes Mal werd ich mir wohl doch lieber mal ein Hostel extra gönnen.


Text/Fotos: Pressi