Sonntag, 5. August 2018

SV Meppen - VfL Osnabrück 0:2

3. Liga
Emslandstadion
Zuschauer: 12 500 (ca. 1300 Osnabrücker)


Kommen wir nun zum Hauptspiel des Wochenendes, dem Derby in Meppen. Nach dem Doppler am Samstag wurde ich gegen halb 12 in der Nacht von Tim an meinem Hotel in Osnabrück abgesetzt. Da die Rezeption zu der Uhrzeit nicht besetzt war, war vereinbart, dass ich meinen Schlüssel im Briefkasten abhole, doch dieser war leer. Glücklicherweise konnte doch noch ein Zimmer in einem anderen Hotel organisiert werden, sodass ich nicht unter der Brücke, sondern doch zivilisiert im Bett übernachten konnte. Am Sonntag früh genug aufgewacht und gestärkt durch das Frühstück ging es quer durch die Stadt zum Hauptbahnhof.
Von da sollte die Osnabrücker Meute etwa viertel vor 11 Uhr mit dem Zug losfahren. Zum Bahnhofsplatz kamen immer mehr einzelne Fans gemäß dem Aufruf in Trikots des VfL, auch die Kollegen von den Brückengängen sind inzwischen eingetrudelt. Für mich sollte es im selben Zug, mit dem auch die Szene unterwegs war, nach Meppen gehen. So wurde ich auf dem Bahnsteig vom Capo angesprochen, wo denn mein Trikot geblieben ist. Aber doch bringt das Zugfahren mit einem von Fans überfüllten Zug doch gewisse (finanzielle) Vorteile mit sich… Nach über einer Stunde Fahrtzeit mit Umstieg in Rheine war man schließlich am Meppener Bahnhof eingefahren. Dort trennten sich die Wege meiner Wenigkeit und der Lila-Weißen: Ich begab mich zum Fuß zum Stadion während die Gästefans in den Shuttle von der Staatsmacht gepresst wurden. Auf dem Weg zum Emslandstadion, das sich ca. 20 Minuten vom Bahnhof befindet, wurde noch mein Rucksack in einem Hotel deponiert. Beim heutigen Spiel waren nämlich keine Taschen erlaubt, aber gleichzeitig bestand keine Abgabemöglichkeit am Stadion. Das finde ich schon asozial, denn wenn man schon Taschen verbietet, dann soll man dem Zuschauer wenigstens eine Alternative anbieten.
Das Emslandstadion gibt es schon seit 1924. Damals war es noch ein Sportplatz, der nach und nach zu einem Stadion wurde. Der Zuschauerrekord von 18.000 konnte bei einem Testspiel gegen den FC Barcelona im Jahr 1982 erreicht werden. Inzwischen hat der Ground nach den letzten Umbaumaßnahmen eine Kapazität von fast 14.000. Die größten Veränderungen gab es zuletzt in der Nordkurve, wo in der vergangenen Winterpause neue Stehränge erbaut wurden. Beim heutigen Derby wurde aufgrund der Sicherheit die Kapazität übrigens auf 12.500 reduziert. Diese wurde komplett ausgenutzt und der Verein meldete ausverkauft. Schon beim ersten Tag des Onlineverkaufs, als auch ich zugeschlagen habe, bemerkte ich wie schnell die Karten doch vergriffen werden. Für den kleinen Verein ist dies schon ein großer Pluspunkt. Es liegt aber wohl daran, dass im Umkreis vom Meppen keine sportliche Konkurrenz herrscht. Der SV Meppen ist seit letzter Saison in der 3. Liga vertreten. Somit kommt es nach jahrelanger Pause wieder mal zu regelmäßigen Aufeinandertreffen mit dem VfL Osnabrück. Davor waren die Teams 2000 das letzte Mal in derselben Liga gewesen. Dadurch, dass Meppen wirklich im Niemandsland liegt, wird das Match gegen Osnabrück schon als ein Derby bezeichnet. Als Derby gilt für die Emsländer auch das Spiel gegen VfB Oldenburg.
Schon frühzeitig betraten die lila-weißen Gäste ihren Block auf der Nordseite. Schritt für Schritt wurde dort aufgeflaggt: Mittig die Fahne der Hauptgruppe „Violet Crew“, außenrum dann weitere Gruppenfahnen sowie Ultras-typische Lappen. Die Zaunbeflaggung war sehr dicht und nett anzusehen. Auch mit der Stimmung legte Osna schnell und mit kräftiger Lautstärke los. Angemessen empfand ich auch den Mix aus den normalen sowie Schmähgesängen. Zum Intro gab es hier ein Fahnenmeer sowie Konfetti. Die Heimseite bereitete für das brisante Duell selbstverständlich auch eine Choreo vor. Diese war recht einfach gestaltet und sicherlich nicht auf dem kreativsten Level. Doch man sollte bedenken, dass die Meppener auch schon eine kleinere Fanszene bilden. Akustisch konnte ich die Hausherren leider selten wahrnehmen, weil ich direkt neben dem starken Gästebereich gesessen war. Optisch konnte man im Heimblock aber teilweise sogar recht gute Mitmachquoten beobachten, was die Bilder sicherlich gut wiedergeben können. Eine gewisse Unreife bzw. fehlende Erfahrung der Meppener zeigte sich gut an einer Stelle: Als der Heimblock einen Wechselgesang mit der Haupttribüne anstimmen, aber als Antwort auf „Meppen“ – ein überlautes „Scheiße“ aus dem Gästeblock erhielt. Und statt mit diesem Fehlversuch aufzuhören, wurde einfach weitergemacht und somit sich selbst ins Lächerlich gezogen. Die Gäste waren schon durch ihre Quantität qualitativ besser aufgestellt. Öfter wurden auch die Osnabrücker im benachbarten Sitzblock zum Mitmachen bewegt, sodass zwischendurch laute Wechselgesänge entstanden sind. Im zweiten Durchgang belustigte sich Meppen noch mit einem Spruchband über ihre Gegner und den Skandal mit dem VfL-Neuzugang Felix Schiller, der auf einem Video besoffen gegen seinen neuen Verein pöbelte. „Schon Schiller sagte einst: Osnabrück ich ficke dich!“ hieß es auf dem Band. In Osnabrück nimmt man die ganze Sache mit dem Schiller teilweise mit Selbstironie. Der Spieler wurde zwar vom Verein finanziell bestraft, aber die Szene jetzt auch keine Suspendierung oder gar Vertragsauflösung, wie es in anderen Ländern sicherlich der Fall gewesen wäre.
Nach dem wirklich spannenden Derby ging es dann mit der Bahn mit Umstiegen in Rheine und Hannover nach Würzburg, wo man gegen halb 10 abends ankam.


Text/Fotos: Шаффи