Freitag, 14. Juli 2017

FC Flora Tallinn - FC Levadia Tallinn 3:3

Meistriliiga
A Le Coq Arena
Zuschauer: 878 (ca.300 Gäste)

Nach 4 langen Monaten ging es für mich endlich auch wieder mal ins Ausland. Ursprünglich wollte ich alle drei baltischen Staaten abhaken, doch dafür reicht ein verlängertes Wochenende nicht. So blieb als logische Konsequenz die Route Tallinn - Helsinki.
Da beide im Kalenderjahr kicken, also perfekt.
So ging es nach der Arbeit nach Frankfurt und von da aus mit Lufthansa nach Tallinn.
Estland ist das nördlichste Land des Baltikums und ist seit 1991 unabhängig.
Durch die Ankunft nach Mitternacht lohnte sich die Fahrt in die Stadt nicht und ich versuchte mich mehr schlecht als recht im Airport-Sleeping. 
Dadurch dass ich kaum schlief und ich um 6 Uhr total durchgefroren war, machte ich mich zu Fuss in die Stadt auf. Vom Flughafen immer geradeaus mit dem Rollkoffer in 40 min zum Hostel, das direkt in der Altstadt lag.
Nach einem Frühstück erkundete ich diese.
Diese ist UNESCO-Weltkulturerbe und man kommt sich vor, als wäre man ins Mittelalter versetzt worden. Ein Postkartenmotiv jagte das nächste. Absolut traumhafte Stadt! Sehr empfehlenswert!
Aber wo Licht ist, da gibts auch Schatten. In der Altstadt ist wirklich eine Touristenfalle neben der nächsten und bei Bierpreisen bis zu 8€ und dementsprechenden Essenspreisen vergeht mir der Appetit. Versteht mich nicht falsch,es ist klar, dass es etwas teurer ist, wo Touristen sind, aber irgendwo ist auch die Grenze erreicht. Sowas finde ich einfach nur unverschämt.
Denn ansonsten kann man das Preisniveau mit dem unserigen vergleichen.
So wurde etwas länger gesucht und eine günstige Kneipe gefunden. Da gabs Bier für 3€ , eine klasse Soljanka und herzhafte und süße Pfannenkuchen.
Dann wurde es auch schon Zeit wieder aufzubrechen. König Fussball rief mit dem Tallin-Derby.
Der Spielort die A Le Coq Arena ist etwa eine halbe Stunde Fussmarsch von der Altstadt entfernt. Im übrigen ist sie nicht nach einem französischen Pornodarsteller benannt, wie der Name vielleicht vermuten lässt, sondern nach einer Brauerei. Das Bier schmeckt aber eher etwas dünne, finde ich zumindest. 
Karten gabs natürlich problemlos für 5€ bei freier Platzwahl.Den großen Fussball und Support hab ich hier trotz Derby sicher nicht erwartet.
Das Stadion ist von aussen ein Desaster und erinnert an sozialen Wohnungsbau. Von innen ist es ganz ok, aber mit knapp 10.000 Plätzen total überdimensioniert für den lokalen Fussball. Denke höchstens mal bei einem guten Gegner der Nationalmannschaft wird es hier voll.
Gastgeber FC Flora ist der größte Sportverein Estlands und ist 1990 gegründet worden. Er ist sowas wie der FC Bayern Estlands mit 10 Meistertiteln und 7 Pokalsiegen.
Gegner Levadia Tallin kommt ursprünglich aus Maardu und ist nach dem ukrainischen Präsident Viktor Levada und seiner Metallherstellungsfirma benannt. So haben übrigens die meisten estischen Vereine Namen von Firmen.
Aktuell war es das Spitzenspiel Erster gegen Zweiter.
Die Heimszene hatte schon ordentlich Zaunfahnen angeflaggt und besteht so aus 30-40 Leuten, ein älterer haute auf die Trommel und ein paar Schwenkfahnen waren auch im Einsatz. 
Und auch ansonsten war das schon okay hier. Sicher nix weltbewegendes aber das war ja auch nicht zu erwarten.
Auf der Gegenseite wurde von 17 Leuten eine große "Levadia Tallinn"-Fahne und eine kleine "White Green Supporters"-Fahne aufgehängt. Ja beide Vereine haben dieselben Farben !
Die Levadia-Lads standen je 2 Meter auseinander so wirkte der Haufen recht kompakt. Sie haben mir übrigens etwas besser gefallen. 
Zur 30. Minute wurde ich mit einer Pyroshow von Seiten Floras überrascht, damit habe ich ja überhaupt nicht gerechnet.
Paar Bengalos, Blinker und grüner Rauch. Top ! Alles unvermummt gezündet. Scheint hier wohl keinen zu jucken oder Strafen dafür zu geben.
Als auf der Gegenseite dann der Ausgleich fiel, legten diese mit weissem Rauch und zwei Böllern nach.
Lustig war, dass derjenige der sie anscheinend gezündet hat, vom Ordnerchef an den Rand gezogen wurde und wohl eine Ansage bekam. Daraufhin blieb er so ca 10 min am Rande stehen. Hatte sowas von in die Ecke stellen und schämen aus der Schule früher!
Levadia erhöhte noch auf 3:1 und mir war irgendwie klar, das Ding hier ist noch nicht durch und so kam es, das kurz vor Schluss noch der Ausgleich fiel. Beinahe hätte es sogar noch zum Siegtreffer gelangt...aber das wäre des Guten doch zuviel gewesen.
So trennte man sich schiedlich friedlich unentschieden . Die meisten Gäste saßen am Rande der Hauptribüne, und sogar an der Ecke zum Heimblock waren welche zu finden, von denen einer recht ordentlich pöbelte, aber gehört ja dazu und Hass war in diesem Duell überhaupt nicht zu finden. 
Es soll wohl das beste Spiel hier in Estland sein, dass man machen kann. 
In der Altstadt gings noch in einen Pub um den neuen Länderpunkt mit ein paar Cidern zu feiern. Auch in Estland ist mein Lieblingsgetränk weit verbreitet und es gibt unzählige Sorten zu probieren. 
  
Hier gehts zum zweiten Spiel der Tour

Text/Fotos: Pressi