DFB Pokal – 1. Runde
Rheinstadion
Zuschauer: 6500 (ca. 2700 Franken)
Durch meine jährlichen Reisen in die Ukraine
verpasste ich jedes Mal die 1. Runde des DFB-Pokals. Dieses Mal war es aber
soweit, dass ich die wohl interessanteste Runde im Pokal sehen konnte. Anfangs
war ich noch unentschlossen, welches der Pokalspiele ich besuchen soll.
Schließlich fand ich für mich persönlich dieses Jahr die Auswahl eher
bescheiden, denn ich suchte nicht nur einen neuen Ground , sondern auch eine
Partie mit einer gewissen Brisanz. Nach einer Nachfrage erfuhr ich, dass ein
bekannter Bamberger nach Kehl zum Pokalspiel des Glubbs anreist, sodass ich
mich entschied ihm anzuschließen. Das Spiel war jetzt von vornherein nicht
unbedingt fantechnisch interessant, aber wenigstens war eine der besseren
Fanszenen des Landes dabei und zudem in einem netten Ground, der sonst nur mit
der sechstklassigen Verbandsliga Südbaden machbar wäre.
Um halb 11 startete ich
mit den Kollegen im Auto in das ca. 250 km entfernte Kehl. Die Stadt liegt
direkt an der Grenze zu Frankreich, am anderen Ufer des Rheins als die
Hauptstadt des Elsass - Straßburg. Mehr als eineinhalb Stunden vor Spielbeginn
erreichten wir unser Ziel und parkten unweit des Stadions ab. Die Stimmung im
Stadionumfeld herum wirkte sehr entspannt so wie es auch sein sollte. Für 16
Euro holte ich mir problemlos eine Stehkarte, da hatte ich mir im Vorfeld doch
viel zu viele Gedanken über die Tickets für das bevorstehende Spiel gemacht.
Ich dachte mir schon, dass der Glubb als Erstligist definitiv Massen anziehen
wird, aber dem war nicht so. Schließlich wurden dann offiziell 6500 Zuschauer
im Stadion gemeldet, wovon noch über ein Drittel Fans Frankens Nummer Eins sein
dürften. Für den Sieger des südbadischen Pokals war es schon das zweite
Heimspiel des DFB-Pokals im Kehler Rheinstadion. Bereits nach dem Sieg des
südbadischen Pokals 1994 traf man hier vor 8000 Zuschauern auf den FC Schalke
04. Interessanterweise endete das Spiel vor 24 Jahren genau mit dem selben
Ergebnis wie heute. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1965 dürften diese beiden
Pokalspiele für das Rheinstadion auch die bedeutendsten gewesen sein. An sich
ist der Ground jetzt kein schlechter, jedoch auch kein perfektes Ding: Die
Kurven sind extrem weitläufig und es fehlt dort definitiv an Bäumen, was man
bei dem heißen Wetter deutlich zu spüren bekam. In den weiten Kurven waren die
fränkischen Gäste extrem verteilt, somit war ein geschlossenes Bild vom
Gästemob heute nicht wirklich vorhanden. Die Ultras stellten zwar einen relativ
ansehnlichen Block dar, dennoch hätte es mit den ganzen Auswärtsfahrern
sicherlich schöner und geschlossener gewirkt.
Zum Intro wurde eine zweiteilige
Choreo präsentiert, bei der zunächst der Verband scharf kritisiert wurde und
anschließend der Aufstieg des eigenen Vereins in die Bundesliga gefeiert wurde.
Der zweite Part wurde mit einem Chaos aus Schwenkern und Doppelhalter schön
untermalt. Das heutige Liedgut der Nürnberger fand ich wie schon immer sehr
sympathisch, wobei aber leider die Lautstärke wenig bzw. seltener
zufriedenstellend war. Bei einer besseren Anordnung der Gäste hätte man
sicherlich mehr Leute mitziehen können, aber so zog nur der Ultrahaufen mit dem
Umfeld mit. Die Glubberer lieferten auf dem Platz eine typische, nicht allzu
gute Leistung ihres Clubs in der ersten Runde des Pokals. Die Sensation blieb
aber aus und die Nürnberger schafften es mit dem späten Entscheidungstor in der
89. Minute in die nächste Runde. Eine kleine Anekdote am Rande: Der
Stadionsprecher lieferte heute einige Versprecher, aber der „Beste“ passierte
am Anfang des Spiels, als der Gastverein als der 1. FC Kaiserlautern
durchgesagt wurde.
Nach dem Spiel fuhren wir über den Fluss weiter nach
Straßburg, wo im Hotel eingezogen wurde. Für den Abend hatte unsere
Autobesatzung unterschiedliche Pläne: Während der Bamberger sich zu einem
unspektakulären Sportplatz für ein Pokalspiel begab, ging es für mich und die
beiden anderen in die sehr schöne Altstadt. Im idyllischen Restaurant
L'Epicerie wurde von uns jeweils ein Tartine, traditionell französisches Butterbrot,
verspeist. Allgemein hat es mir in Frankreich trotz meiner Vorurteile und den
leicht hohen Preisen schon gut genug gefallen, dass ich auch gleich für eine
potentiell weitere Tour ins westliche Nachbarland motiviert wurde.
Text/Fotos: Шаффи


















