Kreisoberliga Bergstrasse
Robert-Kölsch-Stadion
Zuschauer: ca. 100
Eigentlich hatte ich mit einem Besuch beim VfR Bürstadt schon abgeschlossen, als bekannt wurde, das die Tribüne abgerissen wird und einem Neubau weichen muss, denn irgendwas hat man ja immer vor und schiebt solche "kleinen" Vereine ja immer vor sich her. Doch die vorletzte Chance bevor im Juni die Bagger anrollen, wollte ich dann doch nutzen.
So ging es zu zweit nach Bürstadt, das liegt in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Rhein und dem Odenwald im Hessischen Ried. 16.000 Einwohner zählt das Städtchen und wie hat einmal ein VfR-Anhänger laut geträumt: "Wenn alle Bürstädter zum Fußball gingen, dann wäre wenigstens einmal die Hütte voll !"Da man auf einem Bein bekanntlich schlecht steht, hatte ich mir vorher das Spiel der zweiten Mannschaften der FSG Riedrode und dem SV Fürth ausgesucht. Dazu steigt man eine Station vor Bürstadt in Riedrode aus und steht fast vor dem Ground. Dieser hat sogar ein Kassenhäuschen und der Nebenplatz sogar eine kleine Tribüne als Ausbau, während der Hauptplatz, ein Kunstrasen ohne Ausbau daher kommt. Schon hier traf man auf zwei Hopperkollegen von den "Globalmatadoren Schmölln".Die Verpflegung war hier 1a. Eine Bude mit einer Riesenauswahl an Kuchen und eine Grillstation mit Rindswurst und Bratwurst. Wovon die Bratwurst für hessische Verhältnisse durchaus genießbar war.
Nach dem torreichen Spiel ging es die 15 Minuten Fußweg zum Robert-Kölsch-Stadion zu Bürstadt.Die südhessische Stadt war ehemals die kleinste Zweitliga-Stadt und der Zuschauerrekord im 1923 eröffneten Stadion betrug beim Besuch des FC Bayern München zum 60. Vereinsgeburtstag im Jahr 1970 10.000 Besucher.Der deutsche Amateurmeister von 1975 stieg 1977 in die Zweite Liga Süd auf und stieg in seinen insgesamt vier Zweitliga-Jahren drei Mal direkt ab. Nur in der Saison 1979/80 schaffte man den Klassenverbleib in der 2. Bundesliga.Von 1985 bis 2002 spielte der VfR mit wenigen Unterbrechungen in der Amateur-Oberliga. Doch musste er in finanzieller Hinsicht der Vergangenheit Tribut zollen. Wegen Steuerschulden kaufte 2002 die Stadt Bürstadt das Vereinsgelände. Sechs Jahre später musste der VfR wegen Sozialversicherungsträger Konkurs anmelden und landete somit in der Kreisliga. 2014 schaffte man zwar den sportlichen Aufstieg in die Hessenliga, verzichtete aber aus finanziellen Überlegungen und spielt heute in der Kreisoberliga.Der VfR Bürstadt war einer der wenigen deutschen Fußballverein, der seine Namensrechte an einen externen Sponsor, den Geschirrfabrikanten Otto Limburg aus Bürgstadt-Bobstadt, verkaufte um weiterhin höherklassig zu spielen. So spielte der VfR in seiner erfolgreichsten Zeit von 1973 bis zum Konkurs des Sponsors 1982 unter dem Namen VfR 1910 OLI Bürstadt.Das ehemalige Waldstadion wurde 1990 in Robert-Kölsch-Stadion umbenannt, Der Gönner und Mäzen des VfR Bürstadt trug über viele Jahre Verantwortung im Vorstand und ihm wurde zu seinem 75. Geburtstag diese Ehre zu Teil.Schon der Eingangsbereich läßt Hopperherzen höher schlagen, hier taucht man gleich ein in eine Zeit als der Fußball noch rauer Männersport war und die Akteure alle in schwarzen Schuhen spielten und nicht wie jetzt üblich in pinken Schuhwerk.
Die Werbebanden haben hier teilweise noch vierstellige Postleitzahlen und es kamen bei mir Erinnerungen auf an meine ersten Stadionbesuche im Stadion an der Frankfurter Straße zu Würzburg...Es ist zwar schon einiges zurückgebaut, so ist eine Hintertorkurve schon begrünt und man kann nur noch teilweise die alten Stehstufen sehen, doch ist der Ground ein echter Traum für jeden Stadionnostalgiker. Hab ich schonmal erwähnt, dass ich auf solche rustikalen Anzeigetafeln stehe? Die 650 Plätze der Haupttribüne verfügen seit 1999 über blaue Schalensitze und heute finden wohl nur noch ein Bruchteil der angegebenen 8.000 Zuschauer Platz.Leider sind die Tage ja jetzt gezählt und zwar deshalb weil ein Abriss billiger kommt als eine Sanierung. So herrschen dort Sicherheitsmängel beim Brandschutz und den Fluchtwegen. Auch duscht schon lange niemand mehr hier, da es ohne Heizung und teils kaputten Fenstern und Asbest auch nicht mehr ratsam wäre.
Im Stadion traf man logischerweise noch mehr Hopper an, so z.b. den Junior Hofer mit Begleitung, somit war für Gesprächsstoff gesorgt.Ich gönnte mir noch ein Bier und eine Rindswurst, welche sehr gut gegrillt war und genoss das vorletzte Spiel hier, welches die Heimequipe klar gewinnen konnte und somit auf den ersten Tabellenplatz sprang.Jetzt habt ihr nur noch eine Chance auf Besuch dieses Old School-Stadions und zwar nächstes Wochenende, da dann sogar mit Freibier. Denke da wird die Hopperquote noch höher sein als heute. Kurz vor Schluss lernte man noch einen älteren Hopper aus Eisenach kennen und schoß zusammen ein Erinnerungsfoto, bevor es in größerer Guppe zum Bürstädter Bahnhof ging und von dort ohne Probleme bei mehreren Umstiegen wieder Richtung Heimat. Schade das solche Grounds immer mehr verschwinden und neuen Bauten weichen müssen!
Text/Fotos: Pressi















































