Niederösterreich-Arena
Zuschauer: 3217 (ca. 650 Gäste)
Gleich am Morgen nach Sankt Pölten zu fahren, fand ich nicht ganz zielführend, da es dort wesentlich weniger als in Wien zu sehen gibt. Doch aufgrund des Dauerregens war auch Sightseeing in der Hauptstadt keine Option. Da hätte ich bloß gestern beim besseren Wetter den Museumbesuch sein lassen sollen und es lieber heute angeschaut… Nun, ändern konnte ich es nicht mehr. Etwas sinnlos flanierte ich am Bahnhof rum und nahm dann doch den Zug in die Landeshauptstadt Niederösterreichs. Die private WESTbahn mit ihren Sonderangeboten ist dabei übrigens günstiger als die Staatsbahn ÖBB.
Mit Verspätung dauerte die Fahrt in die 60 km entfernte Stadt ca eine Stunde. St. Pölten gilt zwar als eine der ältesten Städte des Landes, hat aber nun nicht wahrlich viel zum Ansehen zu bieten. Die Altstadt war somit schnell angeschaut und nachdem ich zum Brunch gegessen hatte, ging es zu Fuß zum Ground, welcher außerhalb des Zentrums liegt. Die 8000 fassende Arena wurde 2012 fertiggestellt und ersetzte damit für den SKN St. Pölten als Heimspielstätte den Voithplatz. Der aktuelle Verein besteht übrigens erst seit 2000. Zuvor gab es den Fusionsverein aus dem Jahr 1971, den VSE St. Pölten (bis 1998) sowie den FCN St. Pölten (bis 2000). Der letzte Club ging in Konkurs und beendete seine Geschichte mit dem Lizenzentzug. Der neugegründete Club arbeitete sich aus der fünften Liga Schritt für Schritt hoch. Seit 2016 spielt man nun in der Oberklasse. Während man in den ersten beiden Saisons gegen den Abstieg spielte, sind die St. Pöltner in der aktuellen Saison in die Meistergruppe gekommen und werden diese ohne Chance auf Europa League auf dem letzten Platz beenden. Sportlich hat der Verein aber damit bis dato den größten Erfolg seiner jungen Geschichte erreicht. Im Heimblock machten sich um die 50 Mann hinter der Hauptfahne der Wolfbrigade-Fahne breit. Mit Fahnen, Megaphon und Trommel ausgestattet haben die Jungs zwar alles im Angebot was man heutzutage als Ultras braucht, doch stimmungsmäßig konnten diese, wie erwartet, nicht überzeugen. Auf der Gegenseite fanden sich um die 500 Steirer, die heute noch Unterstützung aus Karlsruhe bekamen. Schon bevor die Grazer loslegten, konnten sie mit ihrem ansehnlichen Fahnenbild punkten. Der Banner gegen die Sonntagsspiele ließ mich schmunzeln… Zu einem war es die Formulierung der Message. Zum anderen würde man in vielen anderen Ländern schon mit Sonntagspielen sehr glücklich sein, da immer mehr die Spiele am Montag zum Standard werden. Andere Länder, andere Sitten, wie es so schön heißt. Mit dem Anpfiff ging der Support der Blackies sehr gut los. Nach vier Minuten feierte man mit Fackeln in der Hand das Tor der eigenen Elf. Gezündet wurde dann später in der ersten Halbzeit noch kurz einmal. Die Gesänge der Schwarz-Weißen konnten mich das ganze Spiel über überzeugen. Teils war es kreativ, teils aber „nur“ laut. Jedenfalls gefiel mir der Auftritt der Grazer deutlich mehr als der der Rapidler am Vortag, sodass ich mich noch mehr auf das nächste Wochenende mit einem Heimspiel von Sturm gegen die Austria freute. Gegen das Ende des Spiel wurde im Gästeblock noch ein weiteres Spruchband gegen das Fernsehen bzw. Spiele am Sonntag geziegt. Außerdem machten die Gäste auf dem aktuellen Thema mit der Stadionfrage in Graz aufmerksam. Die Stadtverwaltung möchte nämlich, dass das Liebenaustadion sowohl von Sturm als auch noch dem in die 2. Liga aufgestiegenen Grazer AK benutzt wird, während die beiden Clubs und ihre Anhänger die „Ein-Stadion-Lösung“ als nicht mehr zeitgemäß ansehen.
Text/Fotos: Шаффи
















