Samstag, 4. Mai 2019

FC Admira Wacker Mödling - SK Rapid Wien 3:4

Bundesliga
BSFZ-Arena
Zuschauer: 3993 (ca. 1500 Gäste) 


Eine Woche nach meiner Rückkehr aus der Ukraine sollte schon die nächste Auslandsreise angetreten werden. Nach den aus Fansicht langweiligen Spielen in der Heimat und davor dem deutschen Amateurfußball, war ich wieder froh, fantechnisch etwas zu sehen. Obwohl Österreich von uns aus gar nicht so weit weg ist, habe ich dort bis jetzt wenig gesehen. Demnächst will ich mich neben der Schweiz auch noch Österreich genauer zuwenden und einiges hier abhaken. Dieses erste Maiwochenende eignete sich perfekt für einen Besuch in Wien. Für Samstag war ein Doppler in unmittelbarer Umgebung von Wien geplant, während am Sonntag ein Spiel in Sankt Pölten fallen sollte.
So startete ich am Freitagabend mit dem Fixbus in die Hauptstadt Österreichs. Gegen 7 Uhr morgens war ich dann am Busbahnhof Erdberg in Wien angekommen und machte mich auf den Fußmarsch zum Hauptbahnhof, wo meine Bleibe gelegen war. Zeit bis zum ersten Kick war noch genug, sodass ich gemütlich die knappen 4 km laufen konnte. Nach einer kurzen Verschnaufpause im a&o Hostel ging es dann in den Belvederegarten, wo ich für die nächsten zwei Stunden im Kunstmuseum des Oberen Belvederes verbrachte. Trotz des alles andere als günstigen Eintritts bin ich in solch großen Städten immer wieder für bedeutende Kunstmuseen zu begeistern. Bevor es nun zum Spiel gehen sollte, machte ich noch einen Halt in einem böhmischen Restaurant, wo slowakischePiroggen mit Brimsen verspeist wurden. Vom Hauptbahnhof nahm ich dann eine S-Bahn in den Süden der Stadt, wo im Viertel namens Mauer ein Amateurspiel anstand. Die Landesliga ist die vierthöchste Spielklasse des Landes und wird in 9 Staffeln ausgetragen. Mein heutiger Gastgeber, die Sportunion Mauer spielt eben in der Staffel des Wiener Landes. Sowohl der Ground als auch das Wetter und das Spiel an sich waren wenig begeisternd, sodass ich am Ende froh war, nach den 90 Minuten weiterziehen zu dürfen. Die nächste Station bzw. das Hauptspiel des Tages stand in Mödling an. Zwar liegt die Stadt lediglich 16 km von Wien entfernt, doch sie gehört schon zum niederösterreichischen Bundesland. Der Fußballclub der Stadt hat aufgrund der Fusion zweier Traditionsvereine einen Mix im Namen aus Admira und Wacker. Die Fusion wurde noch im Jahr 1971 durchgeführt und seitdem heißt der Club auch FC Admira Wacker Mödling. Seit 2017 ist, wie in Österreich leider üblich, offiziell auch noch der Sponsorenname im Clubnamen integriert. An die Erfolge der Vorgänger mit insgesamt 9 Meistertiteln und 6 ÖFB-Cups konnte der Fusionsverein nie anknüpfen. Seit der Fusion war Mödling sechsmal im Pokalfinale (ohne Titelgewinn) und schaffte es genau vor 30 Jahren die Vizemeisterschaft des Landes zu ergattern. Ich freute mich heute nach mehreren gesehenen Heimspielen tatsächlich zum ersten Mal die Rapider auswärts sehen zu dürfen. Die Vorfreude legte sich schnell, da die Grün-Weißen trotz des erfolgreichen Spiels keine besondere Support-Leistung auf den Rängen zeigten. Optisch machte der Auswärtsblock mit dem vielen Material natürlich schon was her, doch die akustische Unterstützung ließ meistens zu wünschen übrig. Bei mir auf der Haupttribüne kam zumindest selten bzw. wenig an. Zum Teil dürfe es am unspektakulären Gegner gelegen haben, denn welche Motivation hat man denn schon als Ultras zum zweiten Mal in der Saison in Mödling aufzukreuzen… Aber auch sportlich läuft es diese Saison für den Rekordmeister nicht so optimal. Obwohl man in der Europa League in die Zwischenrunde und auch im Landespokal ins Finale gekommen war, schaffte man in der Liga nach der regulären Saison lediglich den 8. Platz. So musste der SC Rapid in die Qualifikationsgruppe. Die Bundesliga wird seit diesem Jahr wie in vielen mittelosteuropäischen Ländern nach der regulären Hin- und Rückrunde in zwei Gruppen aufgeteilt. Die unteren 6 Mannschaften spielen aber in Österreich nicht nur gegen den Abstieg, sondern können noch in die 2. Runde der Europa League Qualifikation kommen. Darauf konzentrieren sich diese Saison die Wiener. Zuerst gibt es ein Playoffspiel zwischen dem ersten und zweiten der Qualifikationsgruppe und dann trifft der Sieger auf den fünfplatzierten der Meistergruppe. Bestimmt verabscheuen viele der Kollegen solche Modelle als eine typische Entwicklung des modernen Fußballs, doch ich finde das System ehrlich gesagt ganz interessant. Zumindest ist es besser als in meiner Heimat, der Ukraine, wo die Playoffrunde der unteren sechs Teams total desaströs ausschaut.
Die Heimfans um die Gruppe Gate 2 Admira präsentierten zum Anpfiff eine Choreo mit einem schwarzen Panther (Vereinssymbol) und dem Spruch „Zusammen für unseren Verein zerreißen“ Die Szene der Admira besteht schon aus sehr jungen Kerlen. Diese waren stets bemüht in ihrem Eckblock für Support zu sorgen, doch von denen kam mehr das Getrommle als der Gesang an. Die Trompeten in der Nordkurve, die mein Kollege bei seinem Besuch in Herbs 2018, als extrem nervig bewertet hat, empfand ich nicht verkehrt. Im Gegenteil, man könnte daraus was eigenes auf die Beine stellen und profitieren, wie z.B. Zenit mit Trompeten die Kurvengesänge koordiniert.


Text/Fotos: Шаффи 

P.S. Der Käsekrainer, den ich in der Pause gefuttert habe, sieht übrigens nicht nur auf dem Bild eklig aus, sondern schmeckt auch so.