Bundesliga
BSFZ-Arena
Zuschauer: 3993 (ca. 1500 Gäste)
Eine Woche nach meiner Rückkehr aus der Ukraine sollte schon die
nächste Auslandsreise angetreten werden. Nach den aus Fansicht
langweiligen Spielen in der Heimat und davor dem deutschen
Amateurfußball, war ich wieder froh, fantechnisch etwas zu sehen. Obwohl
Österreich von uns aus gar nicht so weit weg ist, habe ich dort bis
jetzt wenig gesehen. Demnächst will ich mich neben der Schweiz auch noch
Österreich genauer zuwenden und einiges hier abhaken. Dieses erste
Maiwochenende eignete sich perfekt für einen Besuch in Wien. Für Samstag
war ein Doppler in unmittelbarer Umgebung von Wien geplant, während am
Sonntag ein Spiel in Sankt Pölten fallen sollte.
So startete ich am
Freitagabend mit dem Fixbus in die Hauptstadt Österreichs. Gegen 7 Uhr
morgens war ich dann am Busbahnhof Erdberg in Wien angekommen und machte
mich auf den Fußmarsch zum Hauptbahnhof, wo meine Bleibe gelegen war.
Zeit bis zum ersten Kick war noch genug, sodass ich gemütlich die
knappen 4 km laufen konnte. Nach einer kurzen Verschnaufpause im a&o
Hostel ging es dann in den Belvederegarten, wo ich für die nächsten
zwei Stunden im Kunstmuseum des Oberen Belvederes verbrachte. Trotz des
alles andere als günstigen Eintritts bin ich in solch großen Städten
immer wieder für bedeutende Kunstmuseen zu begeistern. Bevor es nun zum
Spiel gehen sollte, machte ich noch einen Halt in einem böhmischen
Restaurant, wo slowakischePiroggen mit Brimsen verspeist wurden. Vom
Hauptbahnhof nahm ich dann eine S-Bahn in den Süden der Stadt, wo im
Viertel namens Mauer ein Amateurspiel anstand. Die Landesliga ist die
vierthöchste Spielklasse des Landes und wird in 9 Staffeln ausgetragen.
Mein heutiger Gastgeber, die Sportunion Mauer spielt eben in der Staffel
des Wiener Landes. Sowohl der Ground als auch das Wetter und das Spiel
an sich waren wenig begeisternd, sodass ich am Ende froh war, nach den
90 Minuten weiterziehen zu dürfen. Die nächste Station bzw. das
Hauptspiel des Tages stand in Mödling an. Zwar liegt die Stadt lediglich
16 km von Wien entfernt, doch sie gehört schon zum
niederösterreichischen Bundesland. Der Fußballclub der Stadt hat
aufgrund der Fusion zweier Traditionsvereine einen Mix im Namen aus
Admira und Wacker. Die Fusion wurde noch im Jahr 1971 durchgeführt und
seitdem heißt der Club auch FC Admira Wacker Mödling. Seit 2017 ist, wie
in Österreich leider üblich, offiziell auch noch der Sponsorenname im
Clubnamen integriert. An die Erfolge der Vorgänger mit insgesamt 9
Meistertiteln und 6 ÖFB-Cups konnte der Fusionsverein nie anknüpfen.
Seit der Fusion war Mödling sechsmal im Pokalfinale (ohne Titelgewinn)
und schaffte es genau vor 30 Jahren die Vizemeisterschaft des Landes zu
ergattern. Ich freute mich heute nach mehreren gesehenen Heimspielen
tatsächlich zum ersten Mal die Rapider auswärts sehen zu dürfen. Die
Vorfreude legte sich schnell, da die Grün-Weißen trotz des erfolgreichen
Spiels keine besondere Support-Leistung auf den Rängen zeigten. Optisch
machte der Auswärtsblock mit dem vielen Material natürlich schon was
her, doch die akustische Unterstützung ließ meistens zu wünschen übrig.
Bei mir auf der Haupttribüne kam zumindest selten bzw. wenig an. Zum
Teil dürfe es am unspektakulären Gegner gelegen haben, denn welche
Motivation hat man denn schon als Ultras zum zweiten Mal in der Saison
in Mödling aufzukreuzen… Aber auch sportlich läuft es diese Saison für
den Rekordmeister nicht so optimal. Obwohl man in der Europa League in
die Zwischenrunde und auch im Landespokal ins Finale gekommen war,
schaffte man in der Liga nach der regulären Saison lediglich den 8.
Platz. So musste der SC Rapid in die Qualifikationsgruppe. Die
Bundesliga wird seit diesem Jahr wie in vielen mittelosteuropäischen
Ländern nach der regulären Hin- und Rückrunde in zwei Gruppen
aufgeteilt. Die unteren 6 Mannschaften spielen aber in Österreich nicht
nur gegen den Abstieg, sondern können noch in die 2. Runde der Europa
League Qualifikation kommen. Darauf konzentrieren sich diese Saison die
Wiener. Zuerst gibt es ein Playoffspiel zwischen dem ersten und zweiten
der Qualifikationsgruppe und dann trifft der Sieger auf den
fünfplatzierten der Meistergruppe. Bestimmt verabscheuen viele der
Kollegen solche Modelle als eine typische Entwicklung des modernen
Fußballs, doch ich finde das System ehrlich gesagt ganz interessant.
Zumindest ist es besser als in meiner Heimat, der Ukraine, wo die
Playoffrunde der unteren sechs Teams total desaströs ausschaut.
Die
Heimfans um die Gruppe Gate 2 Admira präsentierten zum Anpfiff eine
Choreo mit einem schwarzen Panther (Vereinssymbol) und dem Spruch
„Zusammen für unseren Verein zerreißen“ Die Szene der Admira besteht
schon aus sehr jungen Kerlen. Diese waren stets bemüht in ihrem Eckblock
für Support zu sorgen, doch von denen kam mehr das Getrommle als der
Gesang an. Die Trompeten in der Nordkurve, die mein Kollege bei seinem
Besuch in Herbs 2018, als extrem nervig bewertet hat, empfand ich nicht
verkehrt. Im Gegenteil, man könnte daraus was eigenes auf die Beine
stellen und profitieren, wie z.B. Zenit mit Trompeten die Kurvengesänge
koordiniert.
Text/Fotos: Шаффи
P.S. Der Käsekrainer, den
ich in der Pause gefuttert habe, sieht übrigens nicht nur auf dem Bild
eklig aus, sondern schmeckt auch so.
















