Sonntag, 26. Mai 2019

SC Berliner Amateure - SG Eichkamp-Rupenhorn 2:1

Kreisliga B Staffel 3
Stadion Züllichauer Straße
Zuschauer: ca. 400

Nun ging es quer durch Berlin in den Stadtteil Kreuzberg. Am Südstern aussteigen und gerade aus, vorbei an polnischen Kommunionkindern und deren, ihre neuesten High-Heels tragenden Müttern, vorbei und man steht vor dem Stadion Züllichauer Straße.

Hier hatte gerade das U32-Senioren-Spiel zwischen den Berliner Amateuren und Blau-Gelb Berlin angefangen. So kam ich doch noch auf meine 3 Spiele am Tag.
Hier hatte ich nur einen ordentlichen Ground recherchiert. Man kann sogar von einem Stadion sprechen. Zwar ist es nur ein Kunstrasen älterer Prägung, aber an jeder Seite ist Ausbau. Auf der Gegengeraden weniger Stufen, aber der Rest ist schon echt super für einen Kreisligisten. Sogar ein kleiner überdachter Unterschlupf findet sich auf der Haupttribüne. Kleiner Geheimtipp hier.
Auch was hier geboten war, konnte mich absolut begeistern. Denn heute war das jährliche Sommerfest des Vereins. Hier war allerhand los. Jugend- und Frauenteams, sowie reichlich Zuschauer genossen das bunte Rahmenprogramm. Die Getränkekarte war genauso reichhaltig wie die einer zünftigen Gardinenkneipe. Mit Schnaps und ganzen Flaschen Hochprozentigem die man kaufen kann. Das Essensangebot war auch top ! Steaks, Bratwurst, Buletten, Salate, Teigtaschen. Quasi alles was das Herz oder der Magen begehrt. Preislich finde ich das in Berlin für eine Weltstadt echt billig. Da zahlt man in uns im Landkreis Würzburg auf den Sportplätzen mehr.
Auch für die Kids war viel geboten. Hüpfburg, Kinderschminken und später noch Gratis-Eis.
Der SC Berliner Amateure wurde am 25.6.1920 von Franz Emberger gegründet. Wenn es auch zu jener Zeit im deutschen Fußball noch kein Profitum gab, so zeigten sich schon damals Bestrebungen, den Fußballsport als ein geschäftliches Unternehmen zu organsisieren. Es kam zwar nicht zu dieser entscheidenenden Umgestaltung, aber es wurde doch schon von einzelnen Vereinen die strengen Amateurbestimmungen durch verschleierte Zuwendungen umgangen.
Es taten sich aus verschiedenen Vereinen (BSV 92, BFC Preissen und dem VFB Pankow) einige begeisterte Fußballanhänger zusammen, die noch wirklichen Amateurfußball betreiben wollten.
Als aber verschiedenen Spieler, die bisher der Oberliga angehörten, erfuhren, dass in der untersten Spielklasse begonnen werden musste, verloren einige die Lust am neuen Verein. Es blieben nur Morawetz und Rogan. Viele unbekannte und doch schwungvolle Spieler kamen hinzu und begannen 1920/21 mit den Punktspielen. Man holte drei Meisterschaften in Folge .
1945 wurde der SC Berliner Amateure durch die Alliierten aufgelöst. So musste der Verein unter dem Namen SG Kreuzberg-Ost weiter spielen. 1949 gründete sich der SC Berliner Amateur neu.
Erfolgreichste Zeit war Ende der 60er-Jahre mit dem Aufstieg in die Amateurliga Berlin. Dort hielt man sich bis 1971, dann konnte man nicht mehr mithalten und verschwand in den Niederungen des Lokalfußballs.
Nach dem ersten Bier und der Aufnahme fester Nahrung durch eine gute Bulette, war ich wieder total fit. Das ganze Ambiente hier war echt super. Überall turnten Kids herum, Leute trugen tablettweise Bier durch die Anlage, es wurde geschlemmt und alle Kulturen und Arten von Leuten waren hier.
Das macht ja den Fußball aus, gelungene Integration von anderen Kulturen, Ländern und alle sozialen Schichten. Die Berliner haben auch irgendwie eine herzliche Art miteinander umzugehen finde ich. Dazu die Berliner Schnauze, welchen ich als besten Dialekt in Deutschland einordnen würde. Herrlich !
Natürlich lies ich mich anstecken und das Bier schmeckte schon wieder, sodass es nicht bei einem blieb.
Da vorher noch andere Jugendteams spielten, verschob sich der Anpfiff des Hauptspiels fast um eine halbe Stunde. Mir war es ja Recht, denn mein erstes Seniorenspiel konnte ich so fast ganz sehen und es war einiges geboten beim 3:5 gegen Blau-Gelb.
Im Hauptspiel konnten die Berliner Amateure mit einem Sieg den Aufstieg in die Bezirksliga klar machen, was Ihnen nach einem 0:1 Rückstand auch gelang. Nun tobte der Mob und anschließend startete die Meisterfeier, zu der auch noch eine Band aufspielte.
Sehr sympathisch das alles hier, mir gibt sowas mehr als ein Profispiel zwischen Wehen und Ingolstadt oder Augsburg - Paderborn.
Aber da gehen ja auch die Meinungen und Geschmäcker auseinander. Somit dürfte ich heute mit dieser Spiele- und Groundauswahl den Joker gezogen haben.
Denn besser wie heute konnte man diesen guten Ground kaum machen denke ich mal. Eintritt wurde wohl heute auch keiner verlangt, wegen des Sommerfestes. Denke hier hat heute jeder genug Geld gelassen um den Jahresetat der nächsten Saison zu decken ;-)
Text/Fotos: Pressi