Samstag, 11. Mai 2019

Brescia Calcio - Benevento Calcio 2:3

Serie B
Stadio Mario Rigamonti
Zuschauer: 14000 (ca 120 Gäste)

Heute machten wir uns auf den Weg nach Brescia. Die zweitgrößte Stadt der Lombardei weiß mit einer wunderschönen Innenstadt zu überzeugen. Vor ein paar Jahren war ich schon einmal hier und deshalb ließen wir heute das Sightseeing ausfallen. Die Highlights dürften die Burg und San Salvatore – Santa Giulia sein, letzteres steht sogar auf der Liste des Unesco Kulturerbes.

Der Fußball wurde wie in vielen anderen Städten und Ländern von englischen Gastarbeitern nach Brescia gebracht, die ihre Freizeit mit einem Lederball verbrachten. Die Jungen der Stadt begannen sich schnell für dieses imponierende Spiel zu interessieren und organisierten Teams, nach Bezirken unterteilt, wobei die damaligen Regeln des Fußballspieles mehr oder minder ignoriert wurden.1910 und 1911 kam es dann zu 2 Fusionen der ersten Fußballvereinen der Stadt, 1911 gilt heute auch als Gründungsdatum von Brescia Calcio. Seit dieser Zeit ist der Verein mehr oder weniger eine Fahrstuhlmannschaft, seit 1929 wechselten sie sagenhafte 29 Mal zwischen den ersten drei Ligen. Meistens spielten sie in der Serie B, die sie auch in der ewigen Tabelle anführt. Dieses Saison geht es endlich einmal wieder nach oben in die Serie A, abwarten wie lange es diesmal dauert bis der Weg wieder nach unten geht. Die erfolgreichste Zeit des Vereins dürfte nach dem Aufstieg 2000 gewesen sein.  Am Ende der Saison wurde ein 7. Platz erreicht, der den Klassenerhalt bedeutete. Gleichzeitig wurde die Qualifikation für den UI-Cup erreicht, in dem man sogar bis ins Finale vorstieß, da allerdings Paris SG unterlag. Es war das erste Mal, dass der Klub international in Erscheinung trat (abgesehen von den Teilnahmen am sog. englisch-italienischen Pokal). In den folgenden drei Jahren wurde jeweils der Klassenerhalt in der Serie A erreicht und sogar eine weitere Teilnahme am UI-Cup in der Saison 2003/04. Nach dieser Saison erfolgte allerdings der Abschied von Roberto Baggio, der im Alter von 37 Jahren seine Karriere beendete. Baggio stand für Brescia Calcio in 95 Spielen in der Serie A auf dem Platz und erzielte dabei 45 Tore.
Das Stadio Mario Rigamonti wurde 1959 mit einem Fassungsvermögen von 27.000 Plätzen eröffnet. Mittlerweile ist die Kapazität aufgrund von Sicherheitsbestimmungen auf gut 16.000 reduziert worden. Benannt ist das Stadion nach einem Sohn der Stadt, der Mitglied des Grande Torino war und bei der Flugzeugkatastrophe ums Leben kam. Ihm wurde heute auch per Spruchband gedacht, da sich die Katastrophe zuletzt das 60. Mal jährte. Genial ist das Bergpanorama im Hintergrund und insgesamt ein schicker Ground, der nur etwas durch die vielen Stahlrohrtribünen gestört wird.
Tickets besorgte ich mir noch in Deutschland, da dieses Spiel relativ schnell ausverkauft zu sein drohte. Hier nochmal ein dickes Dankeschön an Andi nach Nürnberg für die Hilfe, nachdem mein Konto bei Ticketone.it streikte. Normalerweise wäre bei einem Schnitt von nicht ganz 8000 Zuschauern pro Spiel ein Ticket vor Ort kein Problem gewesen. Dennoch ging ich auf Nummer sicher und sollte mit meinem Bauchgefühl recht behalten. Außer reservierte Tickets ging am Spieltag nichts mehr aus den Kassenhäuschen raus.
Die Curva Nord bot heute eine durchwachsene Leistung, hier merkte ich, dass es für sie um nicht mehr besonders viel ging. Die Meisterschaft und der Aufstieg waren bereits unter Dach und Fach und ab und an erreichten sie dennoch eine beachtliche Lautstärke. Auch gab es eine Fähnchenchoreo, die sich über das ganze Stadion erstreckte, zu bestaunen. Eine lange Freundschaft verbindet Brescia mit dem AC Milan und den Nürnberger Ultras. Diese entstand als einige Mitglieder auf dem Weg zu einem Konzert in Deutschland Rast in Nürnberg machten und dort auf einige Nürnberger in einer Kneipe trafen. Das Ganze dürfte Anfang der 2000er ins rollen gekommen sein. Aber auch schon früher reisten Nürnberger regelmäßig nach Brescia, aber eher um sich inspirieren zu lassen. Stichwort dürfte hier der ‘‘blaue Klaus‘‘ sein, Mitgründer der Ultras Nürnberg 1994, er begleitete schon Anfang der 90er die Bresciani zu Auswärtsspielen.
Vor einigen Jahren kam es in Brescia innerhalb der Fanszene zu einem Bruch, seit dieser Zeit steht eine Gruppe auf der Gegengerade und versucht von dort aus Stimmung zu machen. Heute dürften das so um die 80 Ultras gewesen sein, die mit einem Blockfahnenmarathon ins Spiel starteten. Akustisch blieben sie im Gegensatz zur Curva Nord jedoch relativ blass.
Die Gäste enterten ca. 5 Minuten nach dem Spielbeginn den Gästeblock. Stimmungstechnisch war da auch immer etwas geboten, viele schöne Fahnen wurden durchgängig geschwenkt und es gab einen optisch geschlossenen Support der gut 120 mitgereisten Kampanier.
Was noch auffiel, war, dass sich niemand wirklich an den Toren der Gäste störte, diese wurden weder per Lautsprecher durchgesagt, erst mit Verspätung an der Anzeigetafel eingeblendet oder auch nur ansatzweise vom Heimpublikum kommentiert. Irgendwie merkwürdig, aber auch schon wieder cool, wie der Gegner einfach ignoriert wurde.
Nach dem Spiel wurde noch kurz der Überreichung des Meisterpokals zugeschaut ehe wir den Abend bei Pizza und Vino della Casa ausklingen ließen.

Text/Fotos: Harry