Ukrainischer
Pokal
Stadion Shakhty
Zhovtneva
Zuschauer: 2300
Während der
einen Woche meiner Tour war auch das Achtelfinale des Pokals angesetzt. Unter
den ganzen Spielen wählte ich mir das Spiel in Kryvyi Rih aus. Erstens war ich
nie in der Stadt gewesen, zweitens war die Anreise aus Odessa relativ
entspannt. Die Fahrt dahin und zurück ging im Nachtzug für jeweils 7 Euro in
der zweiten Klasse (Kupé). Für den Preis hätte ich natürlich auch die erste
Klasse nehmen können, aber in diesem Zug gab es nur noch die dritte Klasse
(Platzkart). Der Unterschied zwischen den beiden Klassen ist, dass das Kupé ein
Viererabteil ist, während Platzkart ein Großraumwagen mit 52 Betten ist.
Um ca.
22 Uhr startete mein Zug von Odessa nach Kryvyi Rih. Trotz der nicht allzu großen
Direktentfernung von 320 km brauchte die Bahn aufgrund des langen
Streckenverlaufs schon 12 Stunden, was mir aber natürlich nur Recht war. Kryvyi
Rih ist mit 657 000 Einwohnern die achtgrößte Stadt des Landes. Dabei ist es
aber gar keine Oblast-Stadt, sondern gehört zu der Oblast von Dnipro (früher:
Dnipropetrovsk). Kryvyi Rih ist nicht für seine Schönheit, sondern als eine
bedeutende Industriestadt sowie als Zentrum des Eisenerzbeckens (genannt
Kryvbas) bekannt. Eine Besonderheit der Stadt Kryvyi Rih ist ihre Länge: Mit 67
km vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt gilt sie als die längste Stadt
Europas. Auf der offiziellen Rathaus-Seite ist sogar von 126 km die Rede, wobei
diese Zahl mir vollkommen utopisch wirkt. So hieß es auch für mich heute meine Fahrerei
durch Kryvyi Rih aus logistischer Sicht gut zu planen. Als erstes ging es vom
Hauptbahnhof mit der Marschrutka in die Stadt bzw. zum Stadion Metalurh. Leider
wird heutzutage diese geile Kiste nicht mehr bespielt. Früher hat hier nicht
nur der FK Kryvbas seine Heimspiele, sondern in der Sowjetzeit auch die
Europapokalspiele der FK Dnipro Dnipropetrovsk ausgetragen. Da Dnipropetrovsk
damals noch eine sogenannte „geschlossene Stadt“ war und dort somit keine
Ausländer einreisen durften, musste der FK Dnipro seine Gegner im Europapokal
stets in dem 150 km entfernten Kryvyi Rih empfangen. 2013 ging der
traditionsreiche Erstligist Kryvbas aber bankrott und das Stadion wurde
kurzzeitig vom Hirnyk benutzt. Seit 2-3 Jahren wird es aber nicht mehr für
offizielle Spiele genutzt. Aktuell gibt es Gerüchte, dass der teilweise marode
Ground modernisiert werden soll. Berechtigterweise stellt sich aber die Frage
wofür, denn aktuell ist der Nachfolgerverein FK Kryvbas nur
in der 5. Liga vertreten, der ambitionierte Club FK Kryvyi Rih spielt in der vierten Liga und der Drittligist Hirnyk braucht nicht wirklich ein
solch großes Stadion. Die ganze Situation mit dem Profifußball in der Stadt ist
recht traurig, wenn man auf die frühere Zeit mit Kryvbas zurückblickt. Selbst
in den letzten Jahren hatte es Kryvbas trotz der finanziellen Schwierigkeiten
immer wieder geschafft, eine gute Erstligatruppe auf dem Platz zu haben. Nach
dem Spotting des Metalurh-Stadions wurde gefrühstückt sowie die sogenannte
„Altstadt“ besucht. Anschließend wurde auch schon mit der Marschrutka das
Stadion der Zeche Oktyabrskaya angesteuert. Nach einer halbe Stunde Fahrzeit
war ich 15 km nördlicher angekommen. Direkt bei der noch aktiven Zeche
Oktyabrskaya liegt das gleichnamige Stadion. Es ist ein kleiner Ground mit zwei
Tribünen auf den langen Seiten. Die Bauweise ist nichts besonderes, doch die
benachbarte Zeche sowie die beiden sozialistischen Sprüche am Eingang machen
den Ground doch ganz nett. „Bergarbeiter – ein Job der Mutigen“ und „Ehre den
Herren der Erde“ heißt es an den Stadiontoren. Hirnyk gilt als Club des größten
Eisenerzkombinats des Landes. Früher war der Verein ganz klar im Schatten des
langjährigen Erstligisten FK Kryvbas. Doch mit seinem Verschwinden aus dem
Profifußball konnte auch Hirnyk in der Stadt an Bedeutung gewinnen. Nach zwei
Jahren Abstinenz ist Hirnyk seit dieser Saison selbst wieder zurück im
Profifußball. Bei den Spielen der dritten Liga kamen in der Hinrunde immer über
1000 Zuschauer ins Stadion. Heute gegen einen langweiligen Erstligisten wurde
sogar eine Zuschauerzahl von 2300 genannt. Die Mannschaft spielte überraschend
wirklich gut, FK Lviv konnte aber mit dem Tor gegen Ende des Spiels ins
Achtelfinale einziehen. Nach dem Spiel wurde im Zentrum im Gastro Cafe 15, das
auf dem ersten Platz auf Tripadvisor gelistet ist, wirklich sehr gut gegessen.
Bemerkenswert auch die Preise in einer Industriestadt, die nicht nur nach
Deutschland, sondern auch nach Odessa oder Kyiv, extrem gering wirken. Der
erfolgreiche Tag konnte dann wieder im Bett des Nachtzuges nach Odessa beendet
werden.
Text/Fotos:
Шаффи




























