Premier Liga
Stadion
Chernomorets
Zuschauer: 4860
(92 Gäste)
Durch die
Zeitumstellung war mein Nachtzug sogar eine Stunde früher angekommen, sodass
ich schon kurz nach 5 Uhr am Gleis des Kopfbahnhofs von Odessa stand. „Herzlich
willkommen in der Heldenstadt Odessa“ lautet der Schriftzug über dem
Bahnhofsgebäude. Odessa ist eine der 12 Städte, die in der Sowjetunion für das
Heldentum im Zweiten Weltkrieg den berühmten Ehrentitel verliehen bekommen hat.
Für mich ist aber Odessa nicht deswegen etwas Spezielles, es ist eher die
Tatsache, dass ich hier am Schwarzen Meer groß geworden bin. Schon alleine beim
Anblick des Bahnhofs geht mir das Herz auf… Wobei diese Anziehung für die Stadt
hat gefühlt jeder aus den Ex-Sowjetstaaten. Sogar teilweise ohne, dass die jeweilige
Person je hier gewesen ist. Odessa ist in vielen Belangen eine Kultstadt.
Durch
die frühe Ankunftszeit konnte ich noch nicht viel machen, sodass ich gemütlich
durch das Zentrum spazierte und dabei in den Genuss der noch ruhenden Stadt
kam. Zuerst ging ich noch zu einem Kumpel, ehe ich dann zum Frühstück zu meinem
Bruder bin. Neben der Freude endlich mal wieder in der Heimat zu sein, freute
ich mich, auch endlich ein Heimspiel meines Vereins – Chernomorets Odessa
wieder zu sehen. Bevor es ins Stadion ging, spazierte ich noch bei wärmstem
Wetter zum Meer. Im August 2016 war übrigens das letzte Mal, dass ich mir ein
Heimspiel von Odessa angesehen hatte. Dem Verein geht es inzwischen sehr
dreckig… Mit dem Beginn des Kriegs im Osten der Ukraine kämpft der zweifache
Pokalsieger gegen den Abstieg. Dieses Jahr war es sogar nach der Niederlage in
der Relegation soweit, dass man die laufende Saison in der zweiten Liga
antreten sollte. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass der Club davor um Europa
League-Plätze kämpfte und damals einen Zuschauerschnitt von 22.000 hatte. Die
laufende Saison spielt man letztendlich trotzdem in der Premier Liga. Denn
durch den Rückzug des Gegners aus der Relegation (FK Poltava) konnte Chernomorets
doch die Erstklassigkeit bewahren. Mit 9 Punkten aus 12 Spielen stand die
Mannschaft vor dem Spiel gegen Karpaty auf dem vorletzten Platz der Tabelle.
Karpaty hat zwar eine gute Truppe beisammen, steht aber auch im Tabellenkeller,
sodass wir in Odessa zuversichtlich waren. Daraus wurde aber am Ende die
höchste Heimniederlage (der Geschichte?) Selbst gegen die Top-Teams Dynamo oder
Shakhtar gab es in der Vergangenheit keine so hohen Niederlagen in Odessa. Die
Stimmung im Heimblock, der sich aktuell im Oberrang befindet, war dagegen bis
zum 0:3 in der 78. Minute, gar nicht so verkehrt. Zumindest hat die
Mitmachquote gestimmt, der Support bzw. das Liedgut in der Ukraine wird einen,
objektiv gesehen, generell eher weniger begeistern. In der ersten Halbzeit gab
es eine kleine Rauchshow im Heimblock und zum 3:0 flogen aus Protest immer
wieder mehrere Bengalos auf den Platz. Dieser Fanblock besteht übrigens aus
jungen Ultras sowie den Jungs aus dem Hooliganblock der Gruppe Segedka, die vor
nicht allzu langer Zeit zur besten Hoolgruppe des Landes gekrönt wurde. Auf der
Gegenseite hinter dem Tor gibt es noch einen anderen Haufen mit einheimischen
Ultras, die aber von den Leuten her mehr der alten Schule zugerechnet werden
können. Dieser Block hatte durch seine Position mit der fehlenden
Kompromissbereitschaft der Vereinsführung öfter mit Repression zu kämpfen.
Aktuell ist der dortige Mob dadurch sehr übersichtlich geworden. Die
Karpaty-Fans waren trotz der Dominanz auf dem Platz übrigens wenig spektakulär.
Für ukrainische Verhältnisse mag die Gästezahl von 92 aktuell immer noch gut
sein, aber für Karpaty selbst eben weniger. So waren in der letzten Saison noch
jeweils 150 und 170 Lviver nach Odessa angereist. Der Support ihrerseits war
heute von viel zu langen Pausen bestimmt, was ich bei vier gesehenen Spielen
von Karpaty definitiv anders gewohnt war. Das Spiel mit dem Ergebnis kriege ich
so schnell nicht mehr aus dem Kopf, die Hoffnung auf bessere Zeiten muss aber
bestehen bleiben… Manchmal hasst man eben das, was man doch so liebt!
Kulinarisch ist man in Odessa sehr verwöhnt bzw. legt einen sehr großen Wert darauf lecker zu essen. So möchte ich auch euch die guten Restaurants der Stadt nicht vorenthalten und habe eine abwechslungsreiche Empfehlungsliste vorbereitet:
1. Benedikt, Frühstück aus aller Welt rund um die Uhr
2. Al Mezze, libanesische Küche
3. Khadzhibey, krimtatarische Küche
4. Vareniki Cafe Alpina, ukrainische Küche
5. Food Market, Markthalle mit diversen Angeboten
6. Khizhina, georgische Küche
7. Cafe Buffet, ukrainische Küche
Selbstverständlich lässt sich diese Liste den kulinarischen Vorlieben entsprechend weiter fortsetzen... Dafür könnt ihr euch aber gerne direkt bei mir melden.




































