Dens Park
Zuschauer: 7960 (ca. 3500 Gäste)
Heute ging es von Inverness aus wieder per Zug nach Dundee, welche mit seinen 150.000 Einwohnern an der Ostküste am Firth of Tay liegt. Dort empfing mich leichter Nieselregen. Zuerst ging es die paar Schritte an den Hafen.
Am Discovery Point im Hafen von Dundee liegt das Museumsschiff RRS Discovery, die 1901 vom Stapel lief und mit der Captain Robert F. Scott seine so tragisch verlaufene Antarktis-Expedition unternahm. Ich verzichtete auf eine Besichtigung, da ich schon einige Schiffe besichtigt habe und es mich für 12 Pfund nicht sonderlich reizte.
Eine der größten Katastrophen, die je das kleine Schottland erschütterten, ereignete sich am Abend des 28. Dezember 1879 in Dundee. Damals in einer sturmgepeitschten Nacht brach die zu jener Zeit mit fast 3km längste Brücke der Welt über den Firth of Tay zusammen und riss einen Zug aus Edinburgh kommend, mit 75 Menschen in die Tiefe. Noch heute sieht man viele der 85 Brückenstümpfe aus dem Wasser ragen…bei noch leichtem Nebel eine gespenstische Szenerie und als auf der neuen Brücke ein Zug über mir vorbeifuhr, hatte ich richtig Gänsehaut.
Von alters her war die Fischerei ein Haupterwerbszweig der Stadt, was dazu führt das die „Dundee Whale Fishing“ Company eine der größten Walfangflotten hatte.
In der viktorianischen Zeit war Dundee bekannt für seine drei „J´s“. Nämlich Jute, Jam und Journalism.
Die Juteindustrie entwickelte sich im Gefolge dieser Walfänge. Die Walfang-Gesellschaft lieferte Walöl für die Lampen der Stadt. Im frühen 19. Jahrhundert fand man heraus, dass man Jute, die aus Indien importiert wurde, mit Walöl behandeln und dann zu festen Stoffen verarbeiten konnte . Diese waren für viele Produkte zu verwenden, von Säcken bis hin zu Teppichen. So entwickelte sich Dundee zum Weltzentrum der Juteverarbeitung.
Die Orangenmarmelade wurde von einer Kaufmannsfrau erfunden. Sie kochte Bitterorangen aus Spanien, welche niemand essen wollte, mit Zucker ein bis daraus ein wohlschmeckendes Kompott, die berühmte schottische Orangenmarmelade, wurde.
Der Journalismus spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. Das Verlagshaus „DC Thomson & Co.“ feierte 2005 sein hundertjähriges Bestehen, es veröffentlicht neben Zeitungen wie der „Sunday Post“ und „The Courier“ auch Comics und Zeitschriften.
Da in den Bahnstationen selten Gepäckabgaben sind, musste ich meinen Rucksack im nebenanliegenden Hotel abgeben, hatte ich doch keine Lust, ihn den ganzen Tag rumzuschleppen. Denn nun ging es für mich erstmal auf den Dundee Law, der höchsten Erhebung der Stadt, einem 174 Meter hohen ehemaligen Vulkankegel. Etwas beschwerlich, aber mittlerweile bahnte sich die Sonne den Weg durch die Wolken und von oben hatte ich eine atemberaubende Aussicht auf Dundee und Umgebung. Auch konnte ich beide Stadien von oben lokalisieren und machte mich auf den Weg dorthin.
Ungewöhnlich für die Größe der Stadt sind die zwei Profivereine. Neben dem Dundee FC spielt noch Dundee United aktuell aber nur noch in der zweiten Liga. Die Stadien beider Vereine liegen nur gut 200 Meter voneinander entfernt und das „Dundee Derby“ gilt als das „Auswärtsspiel mit der kürzesten Anreise“. Selbst die Stadien in Avellaneda von Racing und Independiente liegen weiter auseinander.
Gut, ein aufmerksamer Leser unserer Seite machte mich noch auf Mannheim aufmerksam, wo die Stadien ja noch näher beieinander sind. Wirklich einmalig und so könnte sich die jeweilige Gastmannschaft praktisch in seiner eigenen Umkleide umziehen. So konnte ich beide Stadien von außen begutachten.
Gleichzeitig holte ich mir schon mein reserviertes Ticket am schon geöffneten Fanstore der Dee´s. Rechnete ich doch mit einem ausverkauften Haus und die Tickets gab es, meine ich nur im Doppelpack mit dem Spiel gegen die Hearts. Also fragte ich mal per Email nach und siehe da, man hinterlegte dem freundlich fragenden Hopper eine. Da kann man sagen was man will, sowas klappt in Großbritannien immer und ohne jegliche Probleme !
Weiter ging es in die Stadt um diese ein wenig zu inspizieren. Der St. Mary´s Tower oder Old Steeple ist ein 48 Meter hoher ehemaliger Kirchturm, der einzige Teil der von der St. Mary Church noch erhalten ist. Ein Aufstieg ist möglich.
Sehenswert ist noch „The Howff“, ein alter Friedhof, der im Dezember 1564 durch einen Erlass von Maria Stuart entstand. Die Anlage wurde nicht nur als Friedhof benutzt, sondern bis 1778 auch als Treffpunkt der Zünfte. Hier stehen sehr interessante Grabsteine aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.
Da ich heute keinen Bock auf Pub-Essen hatte, gab es heute eine selbst zusammengestellte Pizza, welche echt lecker war. Mit Softdrink für 5 Pfund auch noch preiswert. Wenn man etwas die Augen offen hält kann man auf der Insel auch echt günstig leben. Da ich noch genug Zeit hatte ging es auch ins kostenlose Art Museum, welche auch einen Bereich über die interessante Stadtgeschichte bietet, mit allerhand Exponaten auch zu den oben genannten drei „J´s“. Finde ich ja immer klasse und so konnte noch etwas Zeit abgebummelt werden, bevor es in den lokalen Wetherspoon zu Kaltgetränken ging. Ich finde ein Pub-Besuch gehört einfach dazu, denn wo lernt man die Einheimischen besser kennen als in der Kneipe oder beim Fußball ? Highlight heute war ein mit Orden dekorierter älterer Herr mit einer Plastiktüte auf dem Kopf, welcher von Tisch zu Tisch zog und die Leute erst voll laberte und Ihnen dann ein Ständchen sang !
Übrigens leitet sich der Name Pub von Public Haus ab, also einem der Öffentlichkeit zugänglichen Haus. So ist dort eigentlich immer was los und selbst in der Mittagspause sieht man die Leute ein oder zwei Pint wegziehen. Guckt euch mal um, sehr selten sieht man mal jemand ohne Alkohol, Sind richtige Zecher, die Inselbewohner.
Zum Stadion läuft man von der Stadt bergauf in einer guten halben Stunde, vorher ging es…jaaaaa, ich weiß…schon wieder in einem stadionnahen Pub, welcher mit Achtziger-Musik punktete. Vollhonk des Tages war der Rothaarige in Celtic-Trainingsjacke der mit Lederhandschuhen trank und rauchte. Es gibt schon so Schauspieler auf dieser Welt !
Das Stadion ist echt eine zusammengewürfelte Kiste mit reichlich Charme. Hinter den Toren stehen zwei Tribünen neueren Baudatums. Während die Gegentribüne nur etwa die Hälfte der Seite einnimmt und ziemlich veranzt ist. Ich nahm auf der alten Haupttribüne Platz welche einen Knick und reichlich Stützpfeiler als Sichtbehinderung hatte.
Dundee FC entstand als Vereinigung der zwei Mannschaften „Our Boys“ und „East End“ im Jahr 1893 und schon seit 1899 spielt man im Dens Park. Man war früher vergleichsweise erfolglos und gewann in den 1950er Jahren zweimal den schottischen Ligapokal und wurden 1962 einmal schottischer Meister.
Bekanntester Spieler war der Argentinier Claudio Caniggia. 2003 geriet man in finanzielle Turbulenzen und musste viele Top-Spieler verkaufen. Durch die Förderung von jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs gelang die Konsolidierung, trotzdem stieg man 2004/5 als Letzter ab. Im November 2010 wurden dem Verein infolge eines Insolvenz-Verfahrens satte 25 Punkte abgezogen und nach sieben Jahren Zweitklassigkeit stieg Dundee FC 2012 wieder in die Premiership auf, allerdings profitierte der Zweitplatzierte damals vom Zwangsabstieg der Glasgow Rangers.
Nun ist man schon wieder auf dem Weg in die Zweitklassigkeit und mit gerade mal 9 Punkten Letzter. Von den Heim-Fans nahm ich während des Spiels so gut wie gar nichts war und kann nicht mal sagen ob die eher auf der Gegentribüne oder hinter dem Tor sind. Auf der Hintertor-Tribüne hing ein Freundschaftsbanner mit Union Berlin. War mir auch neu, ob das wohl die Antwort auf Aberdeen und BFC ist ?
Celtic nahm die ganze Bob Shankly (Ex-Trainer und Bruder von Liverpools Bill Shankly) Tribüne ein und noch etwa ein Fünftel der Haupttribüne. Die Anhänger von „The Bhoys“ gelten ja als besonders stimmungsvoll und mit der „Green Brigade“ gibt es einen Ultra-ähnlichen Haufen, der heute mit etwa 20-30 Mann ganz unten stand. Diese wedelten mit fünf Fahnen und eine Trommel hatten sie auch im Einsatz. Was diese allerdings boten bezeichne ich mal herablassend als Ultra-Gemurmel. Sie zogen ihr Ding durch und der Rest der Celtic-Supporter war still. Das änderte sich erst mit dem 2:0 und ab dem dritten Tor war dann, wenn denn mal alle mitzogen, richtig gute Stimmung. Allerdings war nach dem schnellen fünften Treffer in der zweiten Halbzeit wieder so gut wie nix mehr los. War halt so die oft bezeichnete „Sing when you´re winning“-Mentalität. So sang in weiten Teilen der zweiten Hälfte wieder nur die „Green Brigade“.
Übrigens gab es nach den ersten beiden Toren kurzfristig Aufruhr, da eine Rauchpatrone gezündet wurde und einige Böller wohl in Richtung der Heimfans auf der Gegengerade geworfen wurden, welche diese wohl daraufhin versuchten den Verursachern einen Besuch abzustatten. Die Ordner waren aber auch Zack und so blieb es bei Gepöbel und Wanker-Gesten.
Ich hatte mir doch etwas mehr von dem Spiel erwartet und ausverkauft war es auch bei weitem nicht. Ob das an der Kombi-Karte oder den schlechten Leistungen der Heim-Elf lag, oder ob das normal ist das es gegen Celtic nicht ausverkauft ist, vermag ich auch nicht zu sagen. So ging es nach Auslösung meines Gepäcks im letzten Zug nach Edinburgh, einer meiner Lieblingsstädte. Dort herrschte gegenüber meines Hostels reges Halloween-Treiben und nervige Chart-Musik hielt den Autor von seinem wohlverdienten Schlaf ab. Da hab ich mal wieder den Zonk gezogen.
Text/Fotos: Pressi
























































