Freitag, 2. November 2018

Aston Villa FC - Bolton Wanderers FC 2:0

Championship
Villa Park
Zuschauer: 30.802 (ca. 250 Gäste)

Der heutige Donnerstag nach dem Spiel in Dundee wurde komplett in Edinburgh verbracht. Heute gab es das letzte Scottish Breakfast auf dieser Tour, übrigens ist bei diesem immer Black Pudding dabei. Das ist nicht wie der Name sagt Pudding, sondern Blutwurst!
Zuerst ging es die Royal Mile hoch, welche übrigens genau eine Meile lang ist, und es wurde endlich mal das Edinburgh Castle von innen besichtigt. Habe ich doch vorher auf Leute gehört, die meinten es wäre nicht sehr sehenswert. Ich dagegen fand es gut.

Edinbörah, wie der Schotte sagt, gehört neben Prag zu meinen Lieblingsstädten und man fühlt sich in die Ritterzeit zurück versetzt. Auch ein Besuch auf meinem Lieblingsplatz, dem Calton Hill, stand wieder auf meinem Programm. Überragender Blick auf die Schönheit der Stadt von oben und Arthurs Seat!
Aber Edinburgh ist auch „a rough city“ wie mir mal ein Bewohner in einer Kneipe erzählte und kann dich ausspucken wie ein Stück Scheiße ! Ihr kennt ja sicher alle den Film „Trainspotting“ der in dem heruntergekommenen Stadtteil Leith spielt in dem auch der Buchautor Irvin Welsh aufgewachsen ist. Denn die Hauptstadt Schottlands ist wie auch im Film schon zu sehen, die Stadt mit den meisten Drogentoten.
Gegen Spätnachmittag ging es mit dem Zug weiter in die West Midlands. Zwar hätte ich auf der Tour ein paar Euros sparen können, wenn ich statt mit dem Zug, den Bus genommen hätte, doch die längere Fahrzeit hätte mir zum Beispiel den Besuch in Edinburgh nicht möglich gemacht.
Birmingham ist die zweitgrößte Stadt des Vereinigten Königreichs. Die Stadt ist Zentrum der britischen Metallverarbeitung und liegt östlich des „Black Country“ - benannt nach den rauchenden Schloten, die die industrielle Revolution hier konzentrierte. Sie hat sich aber längst – wie andere Städte der Region (Wolverhampton, Coventry) – zu einem modernen Dienstleistungszentrum mit futuristischen Hochhäusern gewandelt.
Birmingham wird oft „Brum“ genannt, abgeleitet vom alten Namen Brummagem, dessen Einwohner „Brummies“. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung gehören ethnischen Minderheiten an. Die mit Abstand größte stellen die Britisch-Pakistaner, mit etwa 150.000, vor allem aus dem von Pakistan kontrollierten Teil Kaschmirs. Birmingham ist die Stadt in der die meisten Kaschmirs außerhalb von Kaschmirs leben. Sie sprechen fast ausschließlich Punjabi als Erstsprache.
Nachdem ich gegen 22 Uhr angekommen war, legte ich erstmal mein Gepäck im Hostel ab und ging nochmal was trinken um in meinen Geburtstag rein zu feiern. Donnerstag Abends in Birmingham…da geht was!
Für mich ging es erstmal auf einen dreistündigen Stadtrundgang. Durchs Jewellery-Quarter zum Canalside-Walk. Innerhalb der Stadtgrenzen gibt es Kanäle mit einer Gesamtlänge von 60 Kilometern. Damit hat Birmingham mehr Kanäle als Venedig, was logisch ist, denn sie ist ja um einiges größer. Hier ist es sehr schön und einige schnuckelige Bars und Restaurants laden zum verweilen ein. Angrenzend liegt die wohl größte Sehenswürdigkeit, die Broad Street. Eine Vergnügungsmeile welche weit bekannt ist.
Die Stadt ist geprägt von riesigen, modernen Hochhäusern und Einkaufszentren. Allerdings wird gerade die ganze Innenstadt aufgerissen und neue Hochhäuser und eine Metro gebaut, so sind weite Teile unpassierbar.
Auch hier gibt es eine Art Gallery mit Teil zur Stadtgeschichte, welches ich natürlich auch besichtigte, bevor es natürlich in den Pub zum Geburtstagsumtrunk ging. Heute war Fish Friday, also gab es für mich traditionell Fish & Chips zu essen.
Sportkamerad Schammi vom „Daggl“ war mit 5x Nürnberg und 1x Ulm auch in der Stadt, leider scheiterte ein Treffen an der späten Ankunft dieser in eben jener. Schade!
Für mich ging es wie immer zeitig Richtung Stadion. Wenn ich allein unterwegs bin, mache ich das oft so. Will ich doch in Stadionnähe die Atmosphäre aufsaugen und sehen was im Viertel so los ist. Sinnvoller als in der Stadt zu trinken. Vom Bahnhof New Street, übrigens einer der größten Bahnhöfe in Great Britain, geht es mit der Bahn Richtung Walsall. Diese fährt alle halbe Stunde und an der Station „Witton“ steigt man aus. Durch ein Wohngebiet läuft man fünf Minuten zum Villa Park.
Dieses macht schon von außen durch seine Backsteinfassade ordentlich was her und gehört zu den traditionsreichsten auf der Insel. Es wurde 1897 damals noch als Aston Lower Grounds auf dem Gelände eines viktorianischen Vergnügungsparks eröffnet. Damals hatte es noch eine Radrennbahn und eine Aschenbahn. Mittlerweile ist es mit einer Kapazität von 42.660 Plätzen ein reiner Fußball-Ground und hat auf drei Tribünen zwei Ränge und nur die Trinity Road im Westen besteht aus drei Rängen. Schön eng und kompakt und eines der geilsten Stadien zum Fußball gucken !
Vorher ging ich noch ins Witton Arms, einem Pub mit zwei verschiedenen Räumen. Einer für „Villa Fans only“ und der andere für „Away Supporters only“. Da ich mit weniger Gedränge rechnete ging ich in den für Auswärtsfans. In England ist es üblich in den Pubs in Stadionnähe Eintritt zu verlangen. Dieser kostet z.B. für Heim-Fans 3 Pfund und für Gäste 2 Pfund. Diesen gilt es zu umgehen und mit den richtigen Worten gelingt dies auch problemlos. Natürlich fiel ich als Hopper gleich auf und konnte mich mit ein paar Bolton-Lads unterhalten.
Aston Villa, 1874 gegründet, ist einer der ältesten englischen Fußballvereine überhaupt. The Villans wurden jeweils siebenmal englischer Meister und FA-Cup-Sieger. Zudem wurde Aston Villa einer von nur fünf englischen Clubs die den Europapokal der Landesmeister gewannen. Mit 20 Trophäen ist man der vierterfolgreichste Verein der englischen Fußballgeschichte. Größte Rivalität besteht zu Birmingham City, obwohl West Bromwich Albion geographisch näher an Aston gelegen ist.
Man war Gründungsmitglied der 1888 ins Leben gerufenen Football League, als auch der 1992 gegründeten Premier League. Tradition pur also ! Aston Villa war auch die erste Mannschaft, welche in den außergewöhnlichen Farben Claret and Blue auflief.
Am Wochenende starb ja der Owner von Leicester City bei einem tragischem Helikopterabsturz, diesem wurde übrigens bei jedem Spiel dieser Tour mit einer Schweigeminute gedacht.
Übrigens steht am 11.November der Remembrance Day an. Das ist ein Gedenktag in den Commonwealth-Staaten an die im Krieg gefallenen Soldaten. Das Symbol hierfür ist eine Mohn-Blume (Poppy), welche überall gegen eine Spende verkauft wird und die man sich anheften kann. Sieht man echt viele Leute mit rumlaufen. Heute stand zum Einlaufen beide Mannschaften Spalier für etwa 20 Kriegsveteranen, die unter Standing Ovations eine Runde drehten.
Danach gab es wieder eine Gedenkminute, die wie immer in Großbritannien auch von jedem eingehalten wurde. Hier steht Respekt und Anstand noch weit oben, bei uns gibt es ja oft irgendwelche Zwischenrufe von Besoffenen oder sonstigen Idioten.
Am besten geht man in britische Stadien ohne jegliche Erwartungen rein. Dann kann man nicht enttäuscht werden, denn größtenteils liegt die Fan-Kultur ja brach. Man hat einfach den Kampf verloren. Sitzplatz-Stadien mit hohen Preisen selektieren schon mal das Publikum aus. Viele können sich einen Stadionbesuch nicht leisten und gehen lieber in einem Pub Fußball gucken. Da können sie für das gesparte Eintrittsgeld wenigstens etwas trinken. Die Preise sind schon echt knackig auch für die Hintertor-Tribünen werden an die 30 Pfund aufgerufen.
Wenigstens herrscht hier bei Villa noch eine Zaunfahnen-Kultur. Auch empfand ich die Stimmung als ganz in Ordnung. Mich hat ja ein Kumpel vorher gewarnt und gemeint hier herrscht Friedhofsatmosphäre. Kann ich jetzt nicht behaupten, es war schon okay gewesen, der Spielverlauf tat natürlich sein Übriges. The Villa stand ja vor dem Spiel tief im Tabellenkeller der 24er-Liga, wahrscheinlich war jeder Anhänger einfach nur erleichtert über die drei wichtigen Punkte.
Die Fans der Wanderers waren halt da und außer ein paar Rufe war von Ihnen nichts zu hören.
Nach dem Spiel mit der Bahn zurück in die Stadt, um dort am Hostel meinen Rucksack zu holen, kurzer Umtrunk bevor ich mich um Mitternacht aufmachte zum Birmingham International. Dort konnte man sogar ordentlich auf einem Teppichboden nächtigen und um 7 Uhr ging meine Maschine von Brussels-Airlines über die Hauptstadt Belgiens nach Kopenhagen zur „Slaget om Kopenhavn".

Text/Fotos: Pressi