Sonntag, 21. Oktober 2018

Heilbronner Falken - Wölfe Freiburg 7:6

DEL 2
Eisstadion Heilbronn
Zuschauer: 1326 (ca. 50 Gäste)


Eishockey stand bei mir schon länger wieder mal auf meinem Plan, doch bis jetzt konnte ich mich jedoch nie aufraffen ohne Fußball irgendwohin zu fahren. Auf Eishockey als Zweitsportart können sich die meisten Fußball-Fans ja einigen und so kam mir die abendliche Ansetzung der Falken in Heilbronn sehr gelegen. Also ging es nach dem Fußball-Tripler über den Bahnhof vorbei an schön am Neckar gelegenen Gaststätten zur Eishalle.

Die 1980 gegründete Eishockeyabteilug des REV Heilbronn wurde 1986 als Heilbronner Eishockey Club neu gegründet und die Profimannschaft als Heilbronner Falken 2003 ausgegliedert. Viermal konnte man die Süddeutsche Meisterschaft gewinnen und stieg zweimal in die zweihöchste deutsche Spielklasse, der DEL 2, auf. 2015 profitierte man allerdings von der Lizenzverweigerung des Traditionsklubs EV Landshut.
Seit der Neugründung trug der HEC seine Heimspiele in der Eishalle am Europaplatz aus. Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga 1987 wurde die Kapazität erstmals erweitert. 2001 wurde die Halle dann abgerissen und 2002 mit dem Bau einer neuen Multifunktionsarena begonnen. Von der alten Halle blieb lediglich die Eisfläche erhalten. Der Bau kostete 8,2 Millionen Euro und wichtigster Geldgeber war ein bekannter Lebensmittelkonzern. Nach dessen Insolvenz hieß die Arena Eisstadion Heilbronn und trägt mittlerweile wieder einen neuen Sponsorennamen. Die Halle bietet Platz für 4.000 Zuschauer. Während sich auf der Haupttribüne 800 blaue Schalensitze befinden, sind auf der Gegengeraden 3.200 Stehplätze. Als Blickfang sind die unteren Stufen in Vereinsfarben angemalt. Die Form und die blaue Farbgestaltung des Gebäudes sollen an einen Eiswürfel erinnern. Gut, mich erinnerte das Gebäude eher an eine triste Messehalle als an Eiswürfel.
Wobei sie von innen zumindest zweckmäßig ist und man recht nah am Geschehen ist. Im Umlauf befinden sich Verpflegungsstände, welche Speis und Trank zu einigermaßen moderaten Preisen anbieten, sogar Diestelhäuser Bier gibt es. Wobei der Spirituosen-Ausschank mittlerweile abgeschafft wurde, aus Sicherheitsgründen. Schade, sonst hätte man sich mal einen reinschrauben können!

Am Eingang interessierte sich allerdings niemand für mein Ticket und auch nicht für meinen Rucksack…irgendwie scheint die Arbeitsauffassung der Security zumindest etwas fragwürdig. Mit meinem Stehplatzticket konnte ich auch problemlos auf die Sitzplätze, interessiert auch niemand und so spart man bares Geld. Denn ein Sitzplatzticket kostet doch satte 25 Euro.
Eishockey entwickelte sich seit Mitte der 1980er Jahre zur beliebtesten und auch zuschauerstärksten Sportart im Raum Heilbronn. Kein Wunder, denn der Fußball sorgte seit den späten 70er Jahren für keine positiven Schlagzeilen . So wurde in Heilbronn maximal Oberliga Fußball geboten. Erinnert mich irgendwie an meine Heimatstadt Würzburg, obwohl hier auch das Eishockey noch tiefer anzusiedeln ist als der Fußball vor dem Aufstieg der Kickers.
Mit dem neugegründeten Heilbronner EC bildeten sich die ersten offizielle Fanclubs, von denen es heute fünf aus Heilbronn und Umgebung gibt. Es bestehen Fanfreundschaften zu den Blue Devils Weiden und nach Weisswasser. Ob die bei Wikipedia angegebene Freundschaft zu den Revierlöwen Oberhausen noch besteht, entzieht sich meiner Kenntnis als Eishockey-Laie.
Erzrivale sind die Bietigheim Steelers aus dem knapp 30 Kilometer entfernten Bietigheim-Bissingen. Dieses Derby steht schon seit langer Zeit ganz weit oben auf der Liste der Expertenrunde, mal gespannt wann wir es schaffen dort mal aufzulaufen.
Von den zwei führenden Support-Gruppen „Inferno Heilbronn“ und „Kollektiv“ fehlte in der Halle jede Spur. Weder Zaunfahnen, noch Szeneleute konnte mein geschultes Auge finden.
Der Support wurde heute von einem anderen Fanclub, „Die Treuen“, übernommen. Doch dieser kam mir eher improvisiert vor, denn der Capo benutzte zum Trommeln einen Kochtopf samt Kochlöffel…Während mein Kollege mit Spielausfällen zu kämpfen hat, klebt mir in Sachen Support das Pech an den Stiefeln. Denn heute herrschte von Seiten der Ultras Boykott. So wurden Anfangs auch Gesänge gegen Stadionverbote angestimmt und somit ahnte ich schon den Grund des Fernbleibens beider Gruppen. Wie ich einer Stellungnahme des „Kollektivs“ entnahm, wurde die Gruppe vor der Halle von der Polizei abgepasst und einer Person ein temporäres Stadionverbot überreicht. Somit blieben beide Gruppen aus Solidarität vor der Halle. Sicherlich von Seiten des Vereins eine fragwürdige Aktion !
Also musste ich mit dem Gebotenen leben, was jetzt logischerweise nicht sonderlich weltbewegend war und unter den Umständen auch nicht sein konnte.
Dafür konnte das Spiel voll entschädigen. Schon der Sport allein garantiert ja Action und ist ja bekanntlich der schnellste Mannschaftssport. Aber was war das Match für ein Krimi !
Ständig wechselte die Führung und sicher sind 13 Tore in einem Eishockey-Spiel auch nicht alltäglich. Zur Krönung ging es noch in die Overtime und als die Falken in dieser nach 37 Sekunden beim Powerplay den Siegtreffer schossen, stand die Halle Kopf !
Gefeiert wurde auch der Falken-Spieler Markus Eberhardt, der während einer Boxerei seinem Kontrahenten Radek Havel ordentlich einschenkte. Beide kassierten hierfür 2+2+10 Strafminuten für übertriebene Härte.
Auch von den Gästen war während des Spiel immer mal wieder was zu hören und ging für die geringe Anzahl sicher in Ordnung.
Besonders in Erinnerung blieb mir noch der Kollege eine Reihe vor mir. Er war so der Typ Besserwisser und Alles-Kommentierer, solche Leute gibt’s ja auch auf den Amateursportplätzen zur Genüge. Selbst die Gästespieler bedachte er ständig mit Pöbeleien und dummen Kommentaren oder beschäftigte sich nebenbei noch mit seinem Smartphone. Wie man sich als Erwachsener so zum Obst machen kann, ist mir ein Rätsel.


Text/Fotos: Pressi