Premier League
Old Trafford
Zuschauer: 74525 (ca. 2000 Gäste)
Statt daheim tatenlos auf die Oasis-Reunion zu warten, ging es für mich wieder mal auf eine längere Tour.
Um meinen Geburtstag versuche ich immer irgendwo im Ausland unterwegs zu sein, um mich damit quasi selbst zu beschenken.
So ging es diesmal von Köln aus für unschlagbare 11,99 € mit Mr. O´Leary´s Airline in den Nordwesten von England.
Manchester ist mit mehr als 520.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt von England und deren Bewohner werden „Mancunians“ oder in Kurzform „Mancs“ genannt.
Im Gegensatz zu London gibt es dort quasi nichts zu sehen, dennoch bin ich lieber in Manchester als in der Hauptstadt. Das liegt vor allem an dem spaßigeren Nachtleben dort und an den billigeren Pintpreisen. Außerdem ist die Stadt Heimat und Gründungsort vieler fantastischer Gruppen wie Oasis, den Stone Roses, New Order, The Smiths und ja auch Take That.
Generell ist die Musik von der Insel ja um Klassen besser als das was bei uns produziert wird. Ende der 1980er Jahre wurde hier „The Future Sound of London“ (!!!) gegründet. „Factory Records“ war eines der einflussreichsten Independent-Labels. Durch seine lebendige Musikszene bekam die Stadt den Spitznamen „Madchester“ verliehen. Insbesondere in den 1980er und den 1990er Jahren wurde die Stadt zum Zentrum der Subkultur.
Die Discothek „The Hacienda“ wurde in diesem Zusammenhang weltbekannt. Ich bin ja ein riesiger Stone Roses und Oasis-Fan, aber leider traf ich keinen der Gallagher-Brüder irgendwo um mal zu fragen wann man denn wieder mit Oasis rechnen kann, schade ! Aber vielleicht hätte ich auch nur aufs Maul bekommen.
Ich wollte ja schon ewig mal das Old Trafford besuchen, doch bis auf eine Stadiontour im Jahre 2008 als wir mit dem HSV bei City spielten, blieb mir das bisher verwehrt. Die Ticket-Beschaffung gleicht einer Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.
So kann man nur als Mitglied Karten bestellen, eine Mitgliedschaft light kostet 20 Pfund. Doch das kommt für mich im Gegensatz zu manch anderem Hopper absolut nicht in Frage. Ich schmeiss doch so einen Verein nicht noch mehr Geld in den Rachen !
Aber das ist der moderne Fußball, gerade bei so Weltklubs, die mehr Fans in Asien als in ihrem Heimatland haben. Erster Versuch war in englischen Facebook-Hopper-Gruppen zu fragen, aber heraus kam nichts außer einem Verweis auf Gruppen in denen mit Man-Utd-Karten (Mein Tipp: https://www.facebook.com/groups/1180000528707311/ ) geschachert wird.
Es gab auch erste Angebote, doch ich bin ja auch nicht blöd und weiß, dass gerade Engländer gerne mal Leute über den Tisch ziehen. Nicht umsonst wurde dort „on-the-jib“ erfunden…
So bot mir jemand ein Ticket an, das mir ein Kumpel am Spieltag überreichen sollte. Gut, hört sich ja erstmal gut an. Als dann kam: „Kumpel kann das Geld am Spieltag nicht rumtragen, ob ich nicht überweisen könnte…“, war das Thema für mich auch erledigt. Könnt ihr mit den Asiaten machen, aber nicht mit mir !!!
Irgendwann kamen doch zwei seriöse Angebote, dich ich zur Sicherheit auch beide annahm. So schrieb mir der Vermittler früh nach meiner Landung noch, ob ich denn auch komme. Läuft also !
Erstmal in mein Stammpub um mir ein English Breakfast reinzuhauen und, da der Tag schon etwas fortgeschritten war, das neue Trendgetränk auf der Insel „Strongbow Dark Fruit“ dazu.
Statt den Gallagher-Brothers saß am Nebentisch HFC-Falke-Aktivist Möller. Dieser war mit seinem Fanclub “Hamburg Defenders“ auf Ausfahrt zum 15-Jährigen. Kurzer Smalltalk und da ich ja hilfsbereit bin vermittelte ich Drei von Ihnen meinen anderen Kontakt, da sie auch gern zu United wollten. Einer zeigte mir noch eine Seite wo satte 129 Pfund pro Ticket verlangt wurden. Letztendlich zahlten sie für zusammenhängende Tickets je 75 Pounds.
Ich fuhr wie immer rechtzeitig mit der Tram Nr. 2 von Picadilly Gardens bis Old Trafford, wo man vorbei am Cricket Ground und Wohnhäusern zum Stadion gelangt.
Das Old Trafford gehört sicher zu den berühmtesten Stadien weltweit und so ist ein Besuch fast Pflicht. Es liegt etwa dreieinhalb Kilometer außerhalb des Stadtzentrum und ist nach dem Stadtteil Old Trafford , in dem es liegt, benannt. Mit 76.962 Plätzen ist es nach Wembley das zweitgrößte Stadion des Landes und durch Bobby Charlton erhielt es seinen Spitznamen „Theatre of Dreams“.
Durch den anhaltenden Erfolg der frühen 1990er Jahre begann etappenweise der Umbau und ständig wurde die Kapazität erweitert. Die Tribünen verfügen über mindestens zwei Ränge, mit Ausnahme der Südtribüne, die aufgrund baulicher Einschränkungen nur einen Rang hat. Trotzdem enthält sie die meisten VIP-Logen. Der alte Spielertunnel ist das einzig erhalten gebliebene Teil des Originalstadions und wurde 2008 in „Munich Tunnel“ umbenannt. Das geschah in Gedenken an den 50. Jahrestags des Flugzeugabsturzes von München 1958, als acht Spieler von Manchester United ums Leben gekommen sind. Die sogenannten “Busby Babes“.
Vor der Osttribüne steht eine Statue des damaligen Trainers Sir Matt Busby und als Mahnmal ist eine Gedenktafel und am Übergang zur Südtribüne die „Munich Clock“ angebracht.
Nach einer Stadionrunde, vorbei an posenden Touris mit Selfie-Sticks und dicker Tüte aus dem Mega-Store, rief ich meinen Kartendealer an und zwei Minuten später stand er am vereinbarten Treffpunkt vor mir. Genauso stell ich mir einen United-Kernassi vor, hat sich früher sicher auch mal gerade gemacht. Für faire 40 Pfund überreichte er mir seine Dauerkarte und das ohne Pfand zu verlangen. Cheers, Mate ! Da noch ausreichend Zeit war ging es in den Trafford Pub, der überraschenderweise viel von Einheimischen bevölkert war, um noch ein paar Kaltgetränke zu mir zu nehmen. Wer nicht vordrängelt und keinen großen Becher bestellt, kommt in Gefahr zu verdursten. Zeitig ging es hinein, am Einlass alles locker wie immer. Im Umlauf alle ordentlich am bechern und Fußball gucken.So richtige Pub-Atmosphäre. Ich gönnte mir einen United-Pie und ein Bulmers.
Das Stadion ist trotz vieler Umbauten echt gelungen und versprüht Geschichte pur. Heute zu Gast war der Everton FC aus Liverpool. Kann man als eine Art Derby sehen, da sich Mancs und Scouser traditionell nicht mögen.
Ob Andy Nicholls samt Stanley-Knife anwesend war, konnte ich leider nicht recherchieren. Überraschenderweise gab es heute auf beiden Seiten sogar Support. Das war schon recht ordentlich für England und hätte ich gar nicht erwartet. England ist also doch nicht ganz tot, denke es kommt auch immer aufs Spiel und Gegner an.Durch eine Schwalbe von Martial bekam Mr Arrogant Paul Pogba die Möglichkeit einen Elfer masslos unsportlich zu schiessen und erst im Nachschuss zu verwandeln. Was ein Pi..ser ! Aber er ist ja Franzose... ;-)
So hätte ich den Toffees noch den Ausgleich gewünscht, was leider nicht klappte. Hab ich doch die Fans vom legendären Valencia-Ausflug in guter Erinnerung. Ich sag nur Everton Top Lads ! In den 90ern hab ich ja mal mit United sympathisiert, aber spätestens seit der Übernahme durch die Glazers steht der Verein auf einer Stufe mit Bayern, Real und Co für mich.
Bei uns in Deutschland hat sich ja der Begriff ManU eingebürgert, das sagt in England keiner, hier wird nur von Man Utd gesprochen und man sollte es vermeiden ManU zu sagen. Im übrigen war meine Tribüne quasi Tourifrei. Fand ich echt angenehm und hätte ich hier ja nie erwartet.
Im übrigen hängen sehr viele Zaunfahnen mit Message im weiten „Rund“.
So wie: „MUFC The Religion“, „…The impossible Dream, 26 Years Sir Alex, made possible…“ oder „Feb 6th 1958 The Flowers of Manchester“ Diese hängen hier immer, so waren die meisten schon bei unserer Stadionführung 2008 dort angebracht.Ob die irgendwelchen Fans gehören oder doch vom Verein angebracht wurden, würde mich mal interessieren.
Nach dem Spiel schnell die Dauerkarte abgegeben und das Angebot bekommen, wenn ich sie denn wieder wolle... Nur wenn mein Verein mal hier auflaufen sollte,werd ich vielleicht wiederkommen. Das ist mir dann doch zuviel moderner Fußball mit zu teuren Preisen, obwohl es sich ja heute stimmungsmässig gelohnt hatte.
Text/Fotos: Pressi























































