Sonntag, 4. November 2018

Avanhard Bziv - Viktoriya Mykolaivka 0:1

Amateurmeisterschaft, Gruppe 2
Stadion Progres
Zuschauer: 150

Als zweites Spiel des Sonntags standen gleich drei unterschiedliche Spiele zur Auswahl. Der deutsche 0815-Hopper hätte sich sicherlich ohne viel zu recherchieren das Heimspiel des Zweitligisten Obolon-Brovar reingezogen. Da es für mich schon das zweite Mal in dem Ground gewesen wäre, stellte ich mich der Herausforderung, die beiden Cottbuser, die in der Ukraine ein Auto angemietet hatten, davon zu überzeugen, lieber das Viertligaspiel in Baryshchivka anzusteuern. Eine weitere Alternative gäbe es mit dem FK Dinaz, aber diese war wenig spektakulär.
In Baryshchivka steht dagegen einer der besseren Grounds des Kyiver Oblast-Fußballs. Der Nachteil von diesem Spiel war nur die Entfernung, denn während die anderen beiden Spiele recht nah gewesen wären, war Baryshchivka mit 80 km in einer Stunde auf ukrainischen Straßen schon recht sportlich. Meine Argumente waren aber dennoch stark genug und so lenkten wir nach dem Abpfiff im CSKA-Stadion nach Baryshchivka. Mit nur 10.000 Einwohnern ist die Stadt eine der kleinsten in der Oblast von Kyiv. Allerdings ist es eine Rayonstadt, d.h. Baryshchivka ist der Verwaltungssitz des gleichnamigen Rayons (ähnlich wie Landkreis). Obwohl ich jetzt nicht allzu viel Amateurfußball in der Ukraine gesehen hatte, war ich bereits 2016 bei einem Spiel der jeweiligen Rayon-Meisterschaft (in etwa 7. Liga) in Berezan gewesen. Heute war aber etwas professionellerer Fußball geplant… 5 Minuten nach dem offiziellen Spielbeginn parkten wir das Auto am Stadion ab, dennoch waren wir dann genau pünktlich zum Anstoß drin. Der Ground ist nur auf den langen Seiten ausgebaut. Beide Tribünen sind nicht mit Plastikbänken, sondern mit Holzbänken ausgestattet. Das Stadion ist jetzt auch gar nicht abgeranzt, sondern in einem recht gepflegten Zustand. Neben den heutigen Hausherren aus dem benachbarten Dorf Bziv trägt hier noch der eigentliche Stadtverein FK Patriot seine Heimspiele aus. Der FK Patriot spielt in der Kyiver Oblast-Liga, während der FK Bziv eine Liga drüber, in der landesweiten Amateurmeisterschaft kickt. Die genannte Liga gibt es schon länger, doch in den letzten Jahren gewann sie durch namhafte Teams und Spieler immer mehr an Bedeutung. Aktuell wird die Liga von August bis Juni in drei Gruppen nach geographischem Prinzip ausgespielt. Das Einzige was der Liga noch wirklich fehlt ist der sportliche Aufstieg in die Druha Liga (3. Profiliga). Aktuell kann nämlich jeder Verein, der möchte und die Richtlinien der Profiliga erfüllt, ohne jegliche Rücksicht auf den Tabellenplatz aufsteigen. Im heutigen letzten Spiel vor der Winterpause trafen zwei Dörfer mit jeweils 900 (Bziv) und 4000 (Mykolaivka) Einwohnern aufeinander. Die etwa 150 Zuschauer sahen ein relativ zähes Spiel, wobei der ambitionierte Gastverein dann verdienterweise gewonnen hat. Mit dem Schlusspfiff wurde wieder nach Kyiv gefahren. Auf dem Weg wurde noch das Stadion Kolos in Boryspil gespottet. In dem Stadion, das die beiden Cottbuser aufgrund des Dachs an einen Zirkus erinnerte, wurde einst sogar erste Liga gespielt. Ich habe gehofft, dass Arsenal Kyiv mit dem Aufstieg hierhin ziehen wird, doch diese bevorzugten es, das Valeriy Lobanovskiy Stadion mit Olimpik Donetsk zu teilen. Dieses Stadion wird dagegen nur vom FK Boryspil aus der zweithöchsten Oblast-Liga (6. Liga) genutzt. Bis dato haben wir während dem ganzen Tag nur zwei Spiele gesehen und noch zwei weitere Stadien gespottet – kein Essen, keine Kultur! Doch unseren Abend in Kyiv konnte ich doch noch ordentlich ausschmücken… Zuerst wurde der Fanshop der Dynamo-Szene besucht, danach wurde das Auto am Hotel abgestellt und mit der Metro zum Maidan reingefahren. In der Nähe vom Hauptplatz der Ukraine liegt ein Restaurant, das in den vergangenen Jahren recht bekannt geworden ist, sodass selbst die ARD darüber einen Bericht gemacht hat. Die Pizzeria Veterano wird nämlich von Veteranen des ukrainischen Verteidigungskrieges gegen die russische Invasion geführt. Der Laden bietet nicht nur Arbeit für ehemalige Soldaten, sondern ist auch zu einem Treffpunkt der Kameraden geworden. Weil die ehemaligen, teils traumatisierten Soldaten in der Ukraine keine psychiatrische Unterstützung vom Staat bekommen, hat der Laden eine sehr wichtige Mission. Nach dem Essen führte ich die beiden Cottbuser über die Plätze, wo in Dezember 2013 bis Februar 2014 die sogenannte Revolution der Würde stattgefunden hat. Mehr als 100 Menschen sind damals infolge der Polizeigewalt ums Leben gekommen. Nachdem wir noch den restlichen Abend in einer Kneipe in der Nähe vom Maidan verbracht hatten, verabschiedete ich mich von den Kollegen und nahm die U-Bahn zu meinem Hotel. Obwohl ich eigentlich inzwischen gemeinsame Reisen mit meisten Hoppern schon fast meide, waren diese beiden Tage mit den Cottbusern recht interessant. Da freue ich mich schon auf die übernächste Ausgabe der Republikflucht, wo diese Ukraine-Tour von einem der beiden Kollegen reichlich beschrieben werden soll. Also, auch für euch, Pflicht – Kaufen! 

Text/Fotos: Шаффи