Stadion CSKA
Zuschauer: 50
In der Nacht ging es mit dem Zug von Kharkiv nach Kyiv. In der Hauptstadt bin ich pünktlich kurz nach 6 Uhr angekommen. Die Cottbuser Kollegen waren bereits nachts hier angekommen und haben im Hotel genächtigt. Bevor diese aufgewacht sind, habe ich noch etwas sinnlos die Zeit beim Frühstück in der Puzata Khata totgeschlagen. Gegen halb 11 starteten wir mit dem Auto von ihrem Hotel dann zum ersten Spiel des Tages im legendären CSKA-Stadion.
Auf dem Weg dorthin wurde aber noch das Stadion Start besucht. Dort fanden zu Zeiten der deutschen Besatzung im Jahr 1942 zwei Spiele zwischen dem ukrainischen FC Start und der Flakelf, die aus deutscher Flugabwehr bestand, statt. In der Sowjetunion ließ man dieses Spiel für die eigene Propaganda nutzen. Die Sowjets sprachen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vom sogenannten „Todesspiel“, weil die ukrainischen Spieler angeblich nach dem 5:3 Sieg alle erschossen oder ins KZ geschickt wurden. Aktuell wird der Ground leider von keiner Mannschaft bespielt. Nach dem Spotten wurde das Stadion CSKA angesteuert. Der Ground liegt in der Nähe vom Hauptbahnhof und war seit seiner Eröffnung 1967 die Heimat des Kyiver Armeeclubs. Zu Sowjetzeiten hieß der Verein noch SKA, da der zentrale Armeeclub der Sowjetunion selbstverständlich in Moskau lag. Mit der Unabhängigkeit der Ukraine konnte der Verein im Jahr 1996 in CSKA unbenannt werden. Damit blühte der Armeeclub vergleichsweise auf. Denn während in der Sowjetunion der Club nie erstklassig gewesen war, spielte CSKA 6,5 Saisons lang in der höchsten Liga der Ukraine. Außerdem stand der Club 1998 und 2001 jeweils im Pokalfinale, wo man an Dynamo sowie Shakhtar scheiterte. Das Ende vom Club begann im Dezember 2001, als in der Winterpause aus CSKA überraschend der FK Arsenal Kyiv wurde. Dies war das Resultat eines völlig dubiosen Deals des Verteidigungsministeriums und der Stadt Kyiv. Dabei wurde aus dem CSKA-2, der zu dem Zeitpunkt in der zweiten Liga kickte, die erste Mannschaft von CSKA. Die Jahre des Vereins waren damit schon gezählt... In der Saison 2009/10 hat sich CSKA bereits nach dem 4. Spieltag der dritten Liga zurückgezogen und sich aufgelöst. Obwohl es den Verein schon über lange Zeit nicht mehr gibt, besteht aber immer noch eine große und starke Gruppe an Ultras/Hools, die sich mit CSKA identifiziert. Die CSKA-Szene hat sogar in mehreren Städten des Landes ihre eigenen Hoolgruppen bzw. Filialen, wie man es in der Ukraine nennt. Army Legion, so nennen sich die Jungs übrigens, gehört somit zu den stärksten Hooliganszenen im Land. Leider fehlt hier aber anscheinend ein Wille den eigenen Club zu beleben. Auf dem Amateurlevel hätte man sicherlich das Zeug dafür gehabt. Glücklicherweise wird aber in dem CSKA-Stadion in der Stadtliga inzwischen wieder regelmäßig gekickt. Die Informationen zum Spielort und Anstoßzeit findet man manchmal nur bedingt bzw. schwer heraus. So musste selbst ich dafür meine Kontakte spielen lassen: Der Spieler der Heimelf gab über einen anderen Kumpel die Info raus, wann und wo das Spiel stattfindet. Wir kamen zum vorletzten Spieltag der höchsten Liga der Stadt Kyiv, die einer Oblast-Liga gleichzustellen ist und somit als 5. Liga gesehen werden kann. Der Gastverein ging schnell in Führung und führte irgendwann mit 4:0. Beim letzten Gegentor wurde der Torwart des Heimvereins mit Rot vom Platz verwiesen, sodass die Hausherren nun nur noch zu Zehnt waren. In der Schlussviertelstunde gab es dann aber eine wahre Sensation, denn die Hausherren konnten ganze vier Buden machen. Dafür liebt man doch den Fußball! Der Ground, der seinerzeit eine Kapazität von 12 000 Plätzen hatte, zerfällt im wahrsten Sinne des Wortes Stück für Stück. In Deutschland wäre bei dem Zustand das Stadion sicherlich komplett für Unzugänglich erklärt worden, während hier nur einzelne Bereiche leicht abgesperrt sind. Es existieren immer wieder Gerüchte, dass die Streitkräfte das Stadion renovieren wollen, aber es kommt wie man sehen kann nichts dabei raus. Getan werden muss hier aber auf jeden Fall etwas, sonst steht hier in naher Zukunft gar nichts mehr. Einerseits ist ein Hopper natürlich immer froh so eine marode Kiste wie diese hier vorzufinden und dabei beliebig viele und unterschiedliche Fotomotive zu haben, doch anderseits ist es in meinen Augen sehr traurig, wenn man ein Fußballstadion in solch einem abgefuckten Zustand sieht...Eine Anekdote habe ich noch: 2015 ist ein braunschweiger Bekannter zum Spotten im Stadion gewesen. Dabei wurden die Soldaten, die das benachbarte Verteidigungsministerium bewachten, auf den jungen Mann mit der Kamera aufmerksam und führten den in eine Zelle ab. Der Kollege hat damals verzweifelt gleich mich angeschrieben, da er schon das Schlimmste befürchtete. Im Endeffekt kam er aber, wie ich es mir gedacht hatte, nur mit einem leichten Schrecken davon. Nachdem seine Bilder von zig-Stadien durchgeschaut wurden und „keine strategischen Objekte“ drauf zu sehen waren, war der werte Braunschweiger wieder schnell auf freiem Fuß.
Nach dem erfolgreichen Auftakt des Tages stand für uns auch schon das zweite Spiel der vierten Liga in der 80 km entfernten Rayon-Stadt Baryshchivka auf der Agenda.
Text/Fotos: Шаффи
zum Spiel in Baryshchivka



































