Thüringen Pokal
Waldstadion
Zuschauer: 1100 (ca. 400 Gäste)
Der
wilde Osten ruft! Am Samstagmorgen ging es wieder mal auf eine Tour mit
dem WE-Ticket. Eigentlich fahre ich gerne mit Regionalbahnen durch das
Land, aber heuer hat es sich erst im September ergeben eine richtig
weite Reise damit zu machen. Um gut in den Tag zu starten, wurde noch
eine Flasche Federweißer mitgenommen und die Fahrt nach Erfurt konnte
beginnen. In der Landeshauptstadt angekommen, habe ich erstmal
festgestellt, dass ich im gleichen Zug bleiben kann, da dieser nach
einem Aufenthalt weiter nach Altenburg durchfährt.
Die ehemalige
Residenzstadt Altenburg liegt ganz im Osten Thüringens, an der Grenze zu
Sachsen. Bekannt ist die Stadt durch das Kartenspiel Skat, welches hier
fast vor 200 Jahren erfunden wurde. In Jena stiegen noch einige
trinkfreudige Jena-Fans sowie mein Kollege zu. Wir kamen mit der Gruppe
ins Gespräch und konnten die eineinhalb Stunden Fahrzeit unter dem
Genuss von Radeberger nett verquatschen. Mit genug Zeitpolster rollte
unser Zug am Zielbahnhof ein.
Dort sorgte die motivierte Polizei für
ordentlich Brisanz, was bei dem heutigen entspannten Spiel und den
wenigen Auswärtsfans in unserer Bahn recht seltsam wirkte. Anscheinend
war sich die Staatsmacht nicht im Klaren darüber, dass die Ultras um die
Horda Azzuro schon am Vormittag angereist sind und sicherlich nicht
mehr am Bahnhof auftauchen werden. Ganz gemütlich machten wir uns auf
den Weg durch die halbe Stadt zum Heimstadion des SV Motors. Die Stadt
war wie verwüstet – sie ist deutlich heruntergekommen, teils sogar in
Ruinen, wobei dies auch schon wiederum auf mich eindrucksvoll wirkte.
An
einem Wald an der südlichen Stadtgrenze steht das 1951 erbaute
Waldstadion. In der DDR-Zeit trug es den Namen des russischen
Revolutionärs Lenin, nach der Wiedervereinigung hieß es über 10 Jahre
Waldstadion bis es dann im Jahr 2009 nach einem Sponsor benannt wurde.
Zumindest auf dem Papier gilt das Stadion mit seinem Fassungsvermögen
von 25 000 als das größte Thüringens, somit ist es schon auf jeden Fall
einen Besuch wert. Von der Architektur her handelt es sich dabei um eine
schön runde Schüssel mit Ostflair!
Leider spielt der Heimverein SV
Motor seit der laufenden Saison schon in der siebtklassigen
Landesklasseliga Thüringen Staffel: Ost. Somit war das heutige Spiel
gegen die derzeit beste Mannschaft Thüringens schon ein riesiges
Highlight, sodass es über 1000 Leute ins Stadion zog. Über ein Drittel
der Zuschauer machten auch die Jena-Fans, die sich auf der einen Hälfte
der Kurve breitmachten, aus. In etwa 150 Fans davon hinter der Fahne
„UNBEUGSAM – UNVERKÄUFLICH“ beteiligten sich am Support. Dieser war zwar
jetzt vielleicht nicht der lauteste, aber war mir dennoch aufgrund der Kreativität
einiger Gesänge angenehm. Genial fand ich das minutenlange Vorspiel mit
Klatschrhythmen beim Beginn der beiden Halbzeiten – habe ich so noch
nie gesehen!
Am Verkaufsstand gab es für mich eine leckere Thüringer
Wurst vom Grill. Das 0,4 Bier gab es hier für faire zwei Euro, was
schließlich auch reichlich genutzt wurde. Ein paar Minuten vor dem
Abpfiff verließen wir das Stadion und eilten zum 4 km entfernten
Bahnhof. Wirklich in der letzten Minute schafften wir die Bahn in
Richtung Heimat. Läuft!
Text/Fotos: Шаффи

















