Oberliga Westfalen
Heidewaldstadion
Zuschauer: 512 (ca. 60 Gäste)
Auf
meinem U26-Sommerticket waren noch zwei Einzelfahrten übrig, welche bis
Ende September unbedingt genutzt werden mussten. In der westfälischen
Oberliga fand ich ein interessantes Spiel zweier Vereine, welche vor
nicht allzu langer Zeit noch im Profifußball gespielt haben. Der FC
Gütersloh spielte von 1996 bis 1999 in der 2. Bundesliga. In den 2000ern
war auch der RW Ahlen, u.a. als das Kunstprodukt der damaligen Zeit -
LR Ahlen, insgesamt 8 Saisons lang zweitklassig. Zu der glorreichen
Vergangenheit der zwei Vereine kommt noch die geringe Entfernung von
lediglich 50 km zwischen den beiden Städten dazu, sodass man schon fast von einem kleinen Landderby
reden kann.
Über Hannover machte ich mich auf den Weg nach
Gütersloh, das in diesem Jahr die 100.000 Einwohner Grenze überschritten
hat. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Zentrum lief ich entspannt
dem Bach Dalke entlang über den Stadtpark zum Heidewaldstadion. Das
erste Stadion wurde an dieser Stelle noch im Jahr 1933 eröffnet und
wurde wie selbstverständlich damals als Adolf-Hitler-Kampfbahn benannt.
Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde es neben dem Fußball auch intensiv
von Radsportlern genutzt. Der Fußball in Gütersloh allgemein hat eine
wirre Historie. Der heutige FC Gütersloh ist der im Jahr 2000 gegründete
Nachfolger vom eigentlichen FC, der sich aufgrund der Hochverschuldung
nach der Saison 1999/20 auflöste. Dieser entstand wiederum erst im Jahr
1978 durch einen Zusammenschluss der Spielvereinigung Arminia mit dem
Stadtrivalen DJK. Zuvor gab es ebenso eine Reihe von Fusionen. Der
heutige FC schaffte es aber nicht mal ansatzweise an die Erfolge des
Vorgängers anzuknüpfen. In den ersten acht Saisons nach der
Wiedergründung war der Club noch viertklassig gewesen, bis er dann in
die sechste Liga abrutschte und nun seit fünf Jahren zumindest
fünftklassig ist.
Der Ground ist eine wahre Stadionperle! Dadurch,
dass das Stadion das letzte Mal vor 18 Jahren renoviert wurde, wirkt es
weder verfallen, noch zu steril. Auf drei Seiten besteht es aus richtig
coolen Stehrängen, die Haupttribüne ist noch mit Bänken ausgestattet.
Leider zieht es aber in Gütersloh keine Zuschauer ins Stadion. Die
kleine Zuschauerzahl bei dem heutigen Duell, bei dem ein vergleichsweise
bekanntes Team zu Gast war, sagt schon alles. Wie geil es sein müsste,
wenn eine anständige Zuschauerzahl im Heidewaldstadion wäre, kann ich
mir nur vorstellen.
Wie auch zuschauermäßig, war dementsprechend
auch stimmungsmäßig nichts los. In der Heimkurve und auf der Gegengerade
waren zwar ganze 18 Fahnen am Zaun zu sehen, auf den Rängen tummelten
sich genug erlebnisorientierte Gestalten in Stone-Island-Jacken herum,
aber vom Support der einheimischen Szene war heute keine Spur. Dies kann
jedoch unter anderem damit zusammengehangen haben, dass die
Anzeigetafel schon zur 3. Minute ein 0:2 für Rot Weiss Ahlen zeigte. Im
Gästebereich war 90 Minuten über nur eine Handvoll Ahlener in übler
Ultra-Manier aktiv. Obwohl es, wie gesagt, der einzige Stimmungsblock an
diesem Nachmittag im Heidewaldstadion war, empfand ich ihn aufgrund der
lächerlichen Mitmachquote und dem Sing-Sang eher peinlich bzw. nervend.
Gastronomisch wurde ich in Gütersloh stark enttäuscht: Zum einen
durch die Preise von Bundesliga-Niveau – 0,25 l Bier gab es für stolze
2,50 €, zum anderen gab es zur Wurst lediglich Toastbrotscheiben wie es
sonst nur im tiefsten Norden üblich ist.
Text/Fotos: Шаффи
























